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Ein verkehrspolitisches Dauerthema: der Murnauer Untermarkt. 

Grünen-Antrag findet keine Mehrheit

Hauptausschuss gegen XXL-Fußgängerzone

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Noch ist nichts endgültig entschieden. Aber in der Vorberatung des Murnauer Hauptausschusses stieß der Grünen-Vorschlag, die Fußgängerzone an den Wochenenden und Feiertagen zumindest testweise zu erweitern, auf wenig Gegenliebe. Zu hoch sei das Risiko, hieß es, dass sich dadurch die Verkehrsprobleme nur verlagern.

Murnau – Die Suche nach Rezepten zur Verkehrsberuhigung im Murnauer Zentrum ist ein Dauerthema der Ortspolitik. Vor allem der Untermarkt rückt dabei immer wieder in den Fokus. Die Liste der Ideen, die im Zuge dieser kontroversen Debatte aufkamen und wieder verworfen wurden, ist lang. Denn so einfach ist das Ganze nicht. Jeder Eingriff in die Verkehrsströme schafft möglicherweise woanders neue Probleme. Und viele Stimmen weisen darauf hin, dass Murnaus „gute Stube“ auch weiterhin gut mit dem Auto erreichbar sein muss.

Die Grünen unternahmen jetzt einen erneuten Anlauf und hievten die Angelegenheit per Antrag auf die Tagesordnung. Aktueller Anlass: die Corona-Krise. Die Fraktion der Ökopartei macht sich für eine Belebung und Stärkung der örtlichen Gastronomie und des Einzelhandels stark, die besonders stark unter den Folgen der Pandemie leiden. Ihr Vorschlag: ein vergrößerter, autofreier Innenbereich – zumindest zur Probe bis Herbst und nur an den Wochenenden sowie Feiertagen. Damit könnte man, heißt es, mehr Freischankflächen gewinnen und zugleich eine Testphase für mögliche Verkehrsberuhigungen ansetzen.

Ursprünglich war in dem Papier von einer Erweiterung an beiden Enden der Fußgängerzone die Rede. Im Hauptausschuss, in dem jetzt der Vorstoß vorberaten wurde, beschränkten sich die Grünen auf den Untermarkt. Man wolle kein „Riesen-Politikum“ aus der Sache machen, betonte Stephanie Neumeir-Schrank, die den Antrag vorstellte. Es gehe darum, Platz zu schaffen und auf diese Weise die Geschäftsleute zu unterstützen. „Das wäre eine Hilfe“, fand die Neu-Gemeinderätin.

Die Mitglieder des Gremiums konnten sich jedoch mit dem Konzept nicht anfreunden – und stimmten mit 7:4 dagegen. Eine finale Entscheidung muss der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung fällen.

Die Gegner des Antrags warnten vor den Auswirkungen einer solchen Operation. „Die Fußgängerzone hat genau die Größe, die wir benötigen“, argumentierte etwa Mehr-Bewegen-Chef Phillip Zoepf – und warnte vor einer Verlagerung der Blechlawinen. Denn: „Der Verkehr ist wie Wasser. Er sucht sich immer seinen Weg.“ Auf einen weiteren Aspekt machte Michael Hosp (CSU) aufmerksam. Die Leute müssten dann seiner Einschätzung nach Umwege fahren. „Das ist ökologischer Wahnsinn.“

Auf Kritik stieß auch eine Befragung von Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger unter betroffenen Gewerbebetrieben. Tenor: Das Ergebnis – im Obermarkt wurde eine Mehrheit gegen eine XXL-Fußgängerzone ermittelt, im Untermarkt eine dafür – sei nicht sehr aussagekräftig, da unter anderem nur ein Teil der Anlieger befragt worden sei. „Diese Umfrage ist sehr fragwürdig“, kommentierte Dr. Elisabeth Tworek (Mehr Bewegen).

Doch die Grünen ernteten auch Zustimmung. „Wir brauchen den Teufel nicht an die Wand malen“, befand SPD-Einzelkämpfer Felix Burger. Er sei beruflich oft in Italien unterwegs, erläuterte er. Und dort gebe es viele Kommunen mit temporären Fußgängerzonen. „Das belebt diese Städte. Die haben nur positive Erfahrungen gemacht.“ Burgers Appell: Auf einen einmonatigen Versuch könnte man sich einlassen.

Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) brachte erneut seinen Favoriten für den Untermarkt ins Spiel: einen so genannten „Shared Space“ („gemeinsamer Raum“). Darunter versteht man ein Straßenkonzept, bei dem alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind. Nach Ansicht des Rathaus-Chefs brächte diese Variante nur Vorteile: eine höhere Aufenthaltsqualität und zugleich den Erhalt einer wichtigen Verkehrsader ins Herz des Marktes.

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