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Dickster Brocken: der kommunale Wohnungsbau am Längenfeldweg.

Kommunaler Wohnungsbau ist der dickste Brocken

Murnauer Haushalt 2020: Investitionen lassen Schulden steigen

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Die gute Finanzlage macht es möglich: Die Marktgemeinde Murnau bleibt in Sachen Investitionen auf der Überholspur. Dies geht aus dem Haushaltsentwurf für das kommende Jahr hervor, den die Kämmerei jetzt vorgelegt hat. Allerdings steigen auch wieder die Schulden spürbar an.

Murnau – Murnaus Kämmerer Hubert Süß gibt sich bescheiden, wenn er nach der finanziellen Verfassung des Marktes gefragt wird. Diese sei „geordnet“, erklärt er kurz und knapp. Tatsächlich dürften ihn viele Amtskollegen um die guten Zahlen beneiden. Denn seit Jahren befindet sich die Staffelsee-Gemeinde auf Investitionskurs. Dank sprudelnder Einnahmen und gut gefüllter Kassen kann sich die zweitgrößte Landkreis-Kommune (fast 13 000 Einwohner) neben dem Pflichtprogramm auch einige kostspielige Extras leisten.

Das ist auch 2020 wieder der Fall. Zumindest sieht dies der Haushaltsentwurf vor, den die Kämmerei erstellt hat. Den rund 43,4 Millionen Euro schweren Etat, der alle Einnahmen und Ausgaben regelt, muss der Gemeinderat noch absegnen. In der Sitzung am 21. November soll, so der Fahrplan der Rathaus-Verwaltung, das Gremium das Zahlenwerk beschließen.

Insgesamt sollen 2020 rund 8,6 Millionen Euro in die Infrastruktur gesteckt werden. Dickster Brocken ist dabei mit 3,7 Millionen Euro der kommunale Wohnungsbau am Längenfeldweg, von dem man sich erhofft, dass er die akute Wohnungsnot etwas lindert. Es handelt sich bei dieser Summe allerdings nur um einen Teilbetrag. Das Vorhaben, das der Freistaat großzügig bezuschusst, verschlingt insgesamt an die sieben Millionen Euro. Wie berichtet, entstehen 29 Wohnungen mit bezahlbaren Mieten in Höhe von acht bis zehn Euro pro Quadratmeter. Der Gemeinderat hat kürzlich die Richtlinien für die Vergabe festgelegt. Für das erste Quartal 2020 ist die Bewerbungsphase geplant – und für Ende des Jahres die Fertigstellung der Gebäude.

Ebenfalls ein großer Posten ist der Erwerb der Straßenbeleuchtung von der Bayernwerk AG und die Umrüstung auf LED. Die Kämmerei rechnet mit Ausgaben in Höhe von 1,1 Millionen Euro. Ein Fachbüro hatte nach einer Bestandsaufnahme – es geht um rund 1400 Leuchten – der Kommune diesen Schritt empfohlen. Tenor: Auf die LED-Technik zu setzen, sei nicht nur umweltschonender, sondern spare Geld, weil damit deutlich weniger Strom verbraucht werde.

Doch damit nicht genug: Weitere stattliche Summen auf der Ausgabenseite sind unter anderem für den Grunderwerb (1,6 Millionen Euro), die Sanierung des Bauamts (580 000 Euro), die Neugestaltung des Pausenhofs der Mittelschule (550 000 Euro) und den Ausbau des Fahrradnetzes (330 000 Euro) vorgesehen. Und in Form von ersten Planungskosten kündigen sich schon die nächsten Herausforderungen an: Dazu zählen der Neubau des Feuerwehrhauses (geschätzte Kosten: 8 Millionen Euro), der Ersatzneubau der Kindertagesstätte St. Nikolaus (7,5 Millionen Euro) und möglicherweise ein weiterer Wohnungsbau am Bahnhofsplatz 3 (1,8 Millionen Euro).

Ein Wermutstropfen bleibt: Um den Haushalt 2020 zu stemmen, müssen die Rücklagen geplündert und für das Immobilien-Projekt am Längenfeldweg ein neuer Kredit in Höhe von vier Millionen Euro aufgenommen werden. Damit wachsen die Verbindlichkeiten auf 6,9 Millionen Euro (zum 31. Dezember 2020) an. Vielleicht werden es sogar noch mehr, da im Gespräch ist, die besagte Umrüstung der Straßenbeleuchtung ebenfalls über ein Darlehen zu finanzieren.

Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), der wie Süß die finanzielle Lage als „solide und geordnet“ bezeichnet, hat mit der Neuverschuldung für den Wohnungsbau kein Problem. Es handle sich um ein „normales, investives Darlehen“, das durch die Mieteinnahmen gedeckt sei. „Die Handlungsfähigkeit der Gemeinde ist dadurch nicht eingeschränkt.“

Übrigens: Die gesamte Schuldenlast des Marktes ist viel größer, da die Schulden der Gemeindewerke und des Kemmelpark-Projekts hinzukommen. Alles zusammen sind es 27,2 Millionen Euro (zum 31. Dezember 2020).

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