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Ehrung fürs Gesamtwerk: Josef Hader wird in Murnau mit dem Ödön-von-Horváth-Preis ausgezeichnet.

Horváth-Tage mit geballter Prominenz: Wer nach Murnau kommt

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An klangvollen Namen fehlt es nicht. Josef Hader, Georg Schramm, Michael Grimm, Birgit Minichmayr, Julian Nida-Rümelin und Christoph Süß werden die achten Murnauer Horváth-Tage (8. bis 17. November) neben vielen anderen tragen. Gesamtleiterin Gabi Rudnicki weiß: „Das ist das bisher am hochkarätigsten besetzte Festival.“

Murnau – Die E-Mail traf Gabi Rudnicki bis ins Mark. Sie begann zu zittern, es folgte eine schlaflose Nacht. Eine Frage quälte die Vorsitzende der Murnauer Horváth-Gesellschaft und Gesamtleiterin des Horváth-Festivals: Was tun – verschieben, ersetzen, absagen? Birgit Minichmayr, Ensemble-Mitglied des Wiener Burgtheaters, die neben Michael Grimm die literarische Revue „Tanz auf dem Vulkan“ gestaltet (Musik: Thomas Unruh), hatte Rudnicki völlig schuldlos unruhige Stunden beschert. Wegen einer Änderung am Burgtheater sei sie zum geplanten Termin kurzfristig unabkömmlich, teilte die bekannte Schauspielerin und Horváth-Kennerin Rudnicki vor sechs Tagen mit. Was sollte aus der ersten großen Veranstaltung des Festivals werden, die zudem die namensgebende ist?

Am Montag wirkt Rudnicki wieder tiefenentspannt. Alles ließ sich mit etwas Aufwand regeln. Sämtliche Beteiligte disponierten um, Grimm und Minichmayr treten einen Tag später auf als geplant, also am Sonntag, 10. November. Nun muss nur der neue Termin noch unter die Leute gebracht werden: „Ich hoffe, das war die größte Krise.“

Rudnicki und der Künstlerische Leiter Georg Büttel sind mit ihren Mitstreitern über Jahre und Jahrzehnte zu einem Team gewachsen, das Klippen gemeinsam umschifft. Für die achte Auflage des Horváth-Festivals, das von 8. bis 17. November läuft und die Wilden Zwanzigerjahre aufgreift, haben die Verantwortlichen ein wunderbares Programm auf die Beine gestellt, um dem Weltliteraten eine große Bühne zu bereiten, der zehn Jahre in Murnau verbracht hat. Und sie haben namhafte Protagonisten gefunden. Selbst Rudnicki, die Superlative eher sparsam verwendet, sagt: „Das ist das bisher am hochkarätigsten besetzte Festival.“

Murnauer Horváth-Tage: Schon der Auftakt ist erstklassig besetzt

Schon der Auftakt erweist sich als erstklassig: Christoph Süß, bekanntes Fernsehgesicht („quer“), moderiert den Eröffnungsabend am 8. November (Eintritt frei), an dem der vielfach ausgezeichnete österreichische Kabarettist, Schauspieler, Autor und Filmregisseur Josef Hader den Ödön-von-Horváth-Preis für sein Gesamtwerk verliehen bekommt. Als Laudator wünschte sich Hader seinen Kollegen Georg Schramm; auch dieser erweist Murnau die Ehre. Der Förderpreis geht an Filmemacherin Eva Trobisch. Den Abend gestalten Michael Grimm, die aus Uffing stammende Schauspielerin, Sängerin und Liedermacherin Veronika Hörmann sowie Ferdinand Schmidt-Modrow, den viele unter anderem aus Filmen von Marcus H. Rosenmüller kennen. Sie richten Spots auf verschiedene Festival-Veranstaltungen. Der frühere Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin hält neben Sven Hanuschek und Johanna Haberer einen Impulsvortrag beim zweiten, hochaktuellen Horváth-Gespräch „Für Vernunft und Aufrichtigkeit“ (16. November), das wie „Gegen Dummheit und Lüge“ (9. November) wissenschaftliche Ansprüche bedient.

Egal, wie groß die Namen sind: Sie kommen. Die Kombination von Horváth und Murnau wirkt als Türöffner. Hader, sagt Rudnicki, habe dafür sogar einen anderen Termin abgesagt. Dazu gesellen sich Mitwirkende vor Ort: Unter der Leitung von Dieter Kirsch steuert etwa die Evangelische Kirchengemeinde in „Lüge und Wahrheit“ ein Live-Hörspiel bei, und in Kooperation mit dem Murnauer Verein Kunterbunt erforscht eine inklusive Gruppe Horváths „Sportmärchen“. Rudnicki kann sich vorstellen, dass die Zusammenarbeit von Menschen mit und ohne Behinderung ein fester Bestandteil der Horváth-Tage wird. Chiara Nassauer-Boitsos aus Uffing bietet bei „Horváth spontan“ Begegnungen in der Fußgängerzone.

Theater-Schwerpunkte bilden in diesem Jahr brandaktuelle Tragikomödien, die von thematisch verwandten Zeitgenossen stammen: die Neudramatisierung von Horváths erstem Roman „36 Stunden“ sowie „Der Gang vor die Hunde“ nach Erich Kästners Skandal-Meisterwerk „Fabian“. Dabei verfolgt man wie beim gesamten Festival, das im dreijährigen Turnus stattfindet, einen exklusiven Anspruch: Die Theaterstücke, sagt Rudnicki, seien wie alles andere „extra für die Horváth-Tage gemacht“.

Murnauer Horváth-Tage: Der Karten-Vorverkauf

Der Vorverkauf läuft über die Murnauer Buchhandlung Gattner (Obermarkt 13, Telefon 0 88 41/4 87 88 90) sowie übers Kultur- und Tagungszentrum (0 88 41/47 62 50). Das Programm ist im Detail im Internet abrufbar unter www.horvath-gesellschaft.de.

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