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Wird derzeit als provisorisches Rathaus genutzt: der Nordflügel des alten Gemeinde-Krankenhauses. 

Vergaberichtlinien für Innovationsquartier beschlossen

Die Digitalbranchen fest im Blick

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Auf dem Weg zum Hightech-Standort: Die Marktgemeinde Murnau will sich im Innovationsquartier vor allem auf die Digitalbranchen konzentrieren. Dies beschloss jetzt der Gemeinderat. Unklar ist, was aus dem Nordflügel des Hauses werden soll, der derzeit noch als provisorisches Rathaus genutzt wird.

Murnau – Murnaus Innovationsquartier (IQ), das der Markt seit rund einem Jahr im alten Gemeinde-Krankenhaus betreibt, gilt als Leuchtturmprojekt. Erst kürzlich wurde es mit dem bayerischen Stadtmarketingpreis geadelt. In der Vergangenheit kam es dennoch immer wieder zu kontroversen Debatten. Vor allem die Fragen, welche Unternehmer überhaupt aufgenommen werden sollen und welche in den Genuss einer vergünstigten Miete kommen, sorgten für Spannungen. Ein umfangreicher Katalog mit Vergaberichtlinien, den jetzt der Gemeinderat in seiner Sitzung am Donnerstagabend mit breiter Mehrheit beschloss, dürfte künftig für mehr Klarheit sorgen.

Entscheidender Punkt: Der Fokus soll auf die digitalen Branchen gerichtet werden, angefangen bei Software-Schmieden über Firmen, die sich mit Robotik und Künstlicher Intelligenz beschäftigen, bis hin zu Werbeagenturen. Bislang war allgemein von der Kultur- und Kreativwirtschaft die Rede. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass gerade der IT-Sektor gut funktioniert. Das würden wir gerne ausbauen“, sagte dazu Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger, der das IQ federführend managt. Das Ziel liegt auf der Hand: Es sollen neue Betriebe angesiedelt und Arbeitsplätze geschaffen werden.

Im Gemeinderat kam die Sorge auf, dass man sich mit dieser Spezialisierung möglicherweise zu sehr einengt. Es wurde aber schnell deutlich, dass der Begriff der digitalen Branchen sehr breit gefasst ist. Selbst die Jungunternehmer, die in dem Gebäude Boxershorts entwerfen und produzieren, fallen darunter, weil sie etwas mit Modedesign zu tun haben. Außerdem, erklärte Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), stünden für andere Wirtschaftsbereiche die Coworking-Arbeitsplätze zur Verfügung, die zeitlich befristet und flexibel angemietet werden können.

Bemerkenswert: Wer ins IQ einziehen möchte, muss sich verpflichten, Praktikums- oder Ausbildungsplätze anzubieten – ein Beitrag zur Berufsorientierung. Geregelt ist auch die Mietpreisreduzierung, die die Kommune als eine Starthilfe versteht. Hierzu gibt es ein Punktesystem, bei dem der örtliche Bezug, das Alter der Firma und die Branchenvielfalt eine Rolle spielen.

Der einstige Klinikkomplex gliedert sich in drei Teile: Herzstück ist das IQ. Hinzu kommen Werkstätten und Produktionsflächen sowie der Nordflügel. Dieser ist derzeit – für die Dauer der Rathaus-Sanierung – provisorisch von der Verwaltung belegt. Die Frage, was damit nach deren Rückkehr in die Ortsmitte passieren soll, dürfte eine spannende politische Auseinandersetzung werden. Bittlinger schlägt vor, in dem Trakt das Thema Coworking größer aufzuziehen. „Das ist ein hochprofitabler Bereich“, ist er überzeugt. Damit könnte man höhere Mieteinnahmen erzielen als im Rest des Hauses. Doch unter den Volksvertretern gibt es auch andere Gedankenspiele. Beispielsweise kann sich die SPD vorstellen, Arztpraxen unterzubringen. Überhaupt ist aus den Reihen der Ortspolitik immer wieder die Forderung zu hören, dass man sich nicht nur um die neuen Betriebe kümmern müsse, sondern auch um die alteingesessenen. Diese bräuchten ebenfalls Büro- und Gewerbeflächen.

In der Sitzung wurde generell Kritik am IQ laut: „Ich sehe noch keine konkreten Ergebnisse“, meinte Welf Probst. Der Freie-Wähler-Chef, der als einziger gegen die Vergaberichtlinien stimmte, forderte eine Kontrollinstanz – vergleichbar mit einem Aufsichtsrat. Dies sei in diesem Fall nicht möglich, entgegnete Beuting. Aber im Hauptausschuss werde regelmäßig berichtet.

In der Bürgerfragestunde lieferte sich Dr. Natalie Struve ein hitziges Wortgefecht mit Beuting. Sie erneuerte ihre Kritik an bestimmten Abläufen im IQ. Die Juristin hatte Anfang des Jahres massive Anschuldigungen gegen Bittlinger erhoben – und damit für Wirbel gesorgt. Sie warf dem Rathaus-Mitarbeiter unter anderem einen intransparenten und autoritären Führungsstil vor. Beuting erklärte, dass die Einwände rechtlich geprüft worden seien. „Es hat sich herausgestellt, dass nichts dran ist.“ Als Struve nicht locker lassen wollte, sprach der Rathaus-Chef ein Machtwort: „Jetzt reicht’s. Die Fragestunde ist für Sie beendet.“

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