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Steht allen Bürgern offen: das Murnauer Innovationsquartier, hier beim Kulturknall-Festival 2017

Freie Wähler kritisieren Vermietungskonzept

Innovationsquartier: Hickhack um Partys

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Ist es in Ordnung, dass im Murnauer Innovationsquartier auch Räume für Partys vermietet werden? Freie-Wähler-Chef Welf Probst meint: Nein. Bemerkenswert dabei: Sein eigener Sohn soll im Umfeld einer solchen Fete für Radau gesorgt haben – ein Vorwurf, den der Handwerksmeister als Verleumdung zurückweist.

Murnau – Die Ziele, die die Marktgemeinde Murnau mit ihrem 2017 eröffneten Innovationsquartier (IQ) verfolgt, sind klar: Es sollen Startup-Unternehmen der Kreativbranche gefördert und Arbeits- sowie Ausbildungsplätze geschaffen werden. Doch in dem ehemaligen Gemeinde-Krankenhaus geht es nicht nur ums Geschäft. Jede volljährige Person kann Räume für private Veranstaltungen mieten – ein Angebot, das rege wahrgenommen wird, etwa für Tanzkurse, Bandproben oder Feiern.

Dass in dem Komplex auch Partys steigen, damit kann sich Freie-Wähler-Chef Welf Probst nicht so recht anfreunden. Im Hauptausschuss fragte er in die Runde, ob dies bekannt und vom Gemeinderat überhaupt gewollt sei. „Mir war das neu“, erklärt er auf Nachfrage. Nach einem Hinweis habe er sich im Januar nach Mitternacht selbst ein Bild gemacht. Probst berichtet von einer Fete von Jugendlichen im Eingangsbereich – und von zerbrochenen Flaschen auf der Wiese. Nach Ansicht seiner Fraktion ist es nicht Aufgabe der Kommune, so Probst weiter, in der alten Klinik Flächen für Partys zur Verfügung zu stellen. Dafür gebe es andere Örtlichkeiten wie das Jugendzentrum Erlhaus oder die Riedhauser Westtorhalle. Das IQ sei aber ein Domizil der Betriebe.

In der Gemeinde-Verwaltung beurteilt man dies anders. „Das Innovationsquartier ist für alle Murnauer da, egal ob Jung oder Alt. Und selbstverständlich wird im IQ auch gefeiert“, erklärt Wirtschaftsförderer und Pressesprecher Jan-Ulrich Bittlinger, der das Zentrum federführend managt. Die Richtlinien dazu habe der Gemeinderat verabschiedet. Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) sieht es genauso: „Ich finde es sehr schön, wenn das IQ von der Bevölkerung so gut angenommen wird. Und noch mehr freut es mich, dass es auch junge Menschen nutzen. Denn für sie haben wir das Gebäude-Konzept entwickelt, damit sie eine berufliche Perspektive in unserer Region habe, damit sie ihre Talente entdecken können. Und feiern gehört bei Menschen, die Spaß am Leben haben, dazu.“

Interessant ist in der schriftlichen Stellungnahme aus dem Rathaus ein Seitenhieb gegen Probst, der sich auf einen Vorfall am 4. Januar bezieht. In jener Nacht, in der offenbar auch der Sprecher der Freien Wähler nach dem Rechten schaute, stieg im IQ eine Geburtstagsfeier Jugendlicher. Laut der Aussage des Vaters des Geburtstagskindes sei um 22.30 Uhr die wegen Ruhestörung gerufene Polizei angerückt. Allerdings hätten die Beamten vor der Liegenschaft keinerlei Lärm vernehmen können.

Nach Angaben des Vaters hätten sich zuvor gegen 22 Uhr mehrere Jugendliche, die nicht eingeladen waren, Zutritt zu der Veranstaltung verschaffen wollen, seien jedoch abgewiesen worden. Daraufhin hätten sie an der James-Loeb-Straße Flaschen auf dem Boden zerschlagen und Böller gezündet. Und weiter: „Der Vater zeigte sich verwundert darüber, dass sich ausgerechnet Gemeinderat Probst über Lärmbelästigung bei Partys im Innovationsquartier beschwere, immerhin sei einer seiner Söhne selbst unter den abgewiesenen, lärmenden und feuerwerkenden Jugendlichen gewesen.“

Eine Aussage, die Probst so nicht stehen lassen will: „Diese Behauptung ist falsch, und diese Verleumdung kann so nicht geduldet werden.“ Richtig sei lediglich, dass sein Filius vor Ort war. Er habe auch nicht selbst Party-Lärm moniert, sondern von entsprechenden Beschwerden gehört. Es sei verwunderlich, sagt Probst weiter, dass er auf seine im Hauptausschuss gestellte Frage keine Antwort erhalte – und stattdessen der geschilderte Vorwurf in den Raum gestellt werde. Der Ortspolitiker vermutet dahinter eine Strategie: „Wenn Kritik geäußert wird, scheint es fast so, dass Herr Bittlinger im Gegenzug mit Behauptungen und Unwahrheiten versucht, vom Geschehen abzulenken. Diese Entwicklung in der Verwaltung halte ich für sehr gefährlich.“

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