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Murnauer IT-Soldatin hilft afghanischen Ortskräften

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Austausch mit der deutschen Außenministerin: Im Gespräch mit Annalena Baerbock kann Edith Grittner (l.) viel von ihrer Arbeit erzählen.
Austausch mit der deutschen Außenministerin: Im Gespräch mit Annalena Baerbock kann Edith Grittner (l.) viel von ihrer Arbeit erzählen. © dpa

Die Murnauer IT-Soldatin ist in besonderer Mission unterwegs: Edith Grittner setzt sich in Pakistan dafür ein, ehemaligen afghanischen Ortskräften die Ausreise nach Deutschland zu ermöglichen. Selbst mit Außenministerin Annalena Baerbock tauschte sie sich bereits aus.

Murnau – 2021 endete der deutsche Afghanistan-Einsatz – doch nach wie vor befinden sich nicht alle ehemaligen Ortskräfte in Deutschland und damit in Sicherheit. Die Bundeswehr hilft Betroffenen bei der Ausreise. Eine Murnauer IT-Soldatin sitzt an einer wichtigen Schaltstelle.

In Hochzeiten fünf Flüge pro Woche nach Deutschland

Viele kleine, rote Plastikkörbe stehen am Boden im Büro von Leutnant Edith Grittner in der deutschen Botschaft in Islamabad (Pakistan). Darin befinden sich afghanische Pässe mit einem deutschen Visum. Von Ende 2021 bis Juli wurden mehr als 15 000 Menschen über Islamabad nach Deutschland gebracht. Grittners Team, die „Task Force Evakuierung Kabul“, ist ein Knotenpunkt für viele Ressorts. Anhand sogenannter Evakuierungslisten wird die Ausreise afghanischer Ortskräfte koordiniert. „Diese schließen sowohl Menschen mit besonderen Gefährdungslagen, als auch Personen mit ausschließlich afghanischen Ausweisdokumenten und natürlich auch viele Sonderfälle ein“, wird Grittner, die iranische Wurzeln hat, in einer Mitteilung der Bundeswehr zitiert. Sobald die Pässe alle Prüfungen durchlaufen haben und ein Visum beinhalten, werden sie familiär gebündelt und alphabetisch sortiert. Wer „reisefertig“ ist, den trägt man in Fluglisten ein. In Hochzeiten seien bis zu fünf Flüge pro Woche nach Deutschland gestartet, sagt die IT-Soldatin aus der Werdenfelser Kaserne. Bis zum Abflug begleitet man die Afghanen bei allen Schritten, bestärkt und betreut sie. Ihre Sprachkenntnisse in Farsi und Dari seien dabei sehr hilfreich, sagt Grittner.

22-jährige Murnauer IT-Soldatin bleibt länger im Einsatz

Es gibt viel zu tun im Zusammenhang mit der Ausreise ehemaliger Ortskräfte und besonders schutzbedürftiger Menschen. Seit Januar 2022 leistet die Bundeswehr daher vor Ort mit bis zu drei Offizieren Unterstützung, auch andere Ressorts sorgen für Verstärkung. Mit dem Besuch von Außenministerin Annalena Baerbock (Bündnis 90/ Die Grünen) in Pakistan wurde eine neue Liste zur Ausreise betroffener Menschen bestätigt. Diese müssen bis Anfang September das Land verlassen. „Darauf haben wir die Monate davor lange gewartet“, bekräftigt Grittner. Da mehr Personal nötig war, entschied sich die 22-Jährige, ihren Einsatz in Pakistan zu verlängern. Die gebürtige Münchnerin, die in Iffeldorf lebt, ist bereits seit Ende Januar in Islamabad, freut sich aber sehr, die Operation bis zum Ende zu begleiten.

Murnauer IT-Soldatin von der Arbeit in Islamabad sehr geprägt

Grittner steht voll und ganz hinter ihrer Arbeit und ist stolz darauf, den Menschen, die für Deutschland oder die Bündnispartner gearbeitet haben, etwas zurückzugeben. Jeder Tag sei spannend, und man erlebe Schicksale von Personen, Familien oder ganzen Lebensläufen, die einen persönlich formten. „Mit jedem Flug, der Islamabad verlässt, sieht man die Resultate der Arbeit, die wir hier mit so vielen anderen Ressorts und Organisationen täglich Hand in Hand leisten“, erzählt Grittner stolz. Sie sei glücklich, bis September bleiben zu können, denn man komme dem Land und den Leuten über die Monate hinweg doch sehr nah.

Was bleibt am Ende? Die Verwendung in Islamabad habe sie sehr geprägt, sagt Grittner. Vor allem sei sie geduldiger geworden, denn die pakistanische Arbeitsweise unterscheidet sich gravierend vom strukturierten Bundeswehr-Alltag in Deutschland. „Ich denke, was für ein Mensch man geworden ist, kann man erst klar sagen, wenn man zurückgekommen ist“, resümiert die IT-Soldatin. Dass die Evakuierung Ende September nicht vollends abgeschlossen sein wird, ist ihr bewusst.

Dennoch: Am Ende bleibe eben auch, dass einmal mehr bewiesen wurde, wie hochmotiviert und flexibel die IT-Soldaten agierten, um dort Hilfe zu leisten, wo diese notwendig sei, betont Oberstleutnant Stefan Eisinger, Kommandeur des Informationstechnikbataillons 293 in Murnau. „Das“, sagt Eisinger, „macht mich stolz und lässt mich optimistisch in die Zukunft blicken.“

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