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Ehemaliges Kasernenareal: der Murnauer Kemmelpark, heute ein Wohn- und Gewerbegebiet.

Diskussion über umstrittenen Namen

Kemmelpark: Infotafel gegen das Vergessen

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Die Bezeichnung Kemmelpark für das Wohn- und Gewerbegebiet im Murnauer Norden ist historisch vorbelastet. Denn sie bezieht sich auf eine blutrünstige Schlacht des Ersten Weltkrieges am Kemmelberg im belgischen Flandern. Nun soll eine Infotafel aufgestellt werden und diesen Hintergrund beleuchten.

Murnau – Es ist ein historisches Datum, das die Schrecken des Ersten Weltkrieges verdeutlicht: Heuer jährt sich die Schlacht am Kemmelberg zum 100. Mal. Diese damals militärstrategisch bedeutende und stark befestigte Stellung in Belgien wurde am 25. April 1918 vom Bayerischen Leibregiment unter Franz Ritter von Epp (Alpenkorps) eingenommen. Rund 200 000 deutsche, englische und französische Soldaten bezahlten dafür mit ihrem Leben.

Dass Murnaus Kemmelpark, der im Zuge der Konversion der ehemaligen Kemmelkaserne entstanden war, heute noch an dieses Blutvergießen erinnert, stieß immer wieder auf Kritik – und führte zu politischen Diskussionen. Die SPD-Fraktion im Gemeinderat ergriff vergangenes Jahr die Initiative und beantragte, auf dem Gelände eine Informationstafel aufzustellen, die den Bezug zur Kemmelberg-Schlacht aufzeigt, auf die vielen Menschenopfer verweist und die Entstehungsgeschichte des Namens Kemmelpark dokumentiert.

Diesem Anliegen kam jetzt das Gremium mit einer breiten 17:3-Mehrheit nach. Als Standort wurde in der Sitzung am Donnerstagabend eine zentrale Stelle auf dem Areal beschlossen. Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) kündigte an, dass die Tafel noch im April installiert werden soll. Den Text dazu verfasste Mitantragstellerin Dr. Elisabeth Tworek. Sie will ihn mit einem bekannten Horváth-Zitat ergänzen, das sich gegen den Nationalstaatsgedanken wendet und das man als Plädoyer für die europäische Idee interpretieren kann: „Das Herz der Völker schlägt im gleichen Takt.“

Die promovierte Literaturwissenschaftlerin ist mit der Entscheidung zufrieden. Die Tafel sei eine Art Denkmal, erklärt sie. „Das ist lebendige Geschichtsauseinandersetzung.“ Es gehe darum, dafür ein Bewusstsein zu schaffen. Im Rahmen ihrer Recherchen fand sie heraus, dass die Nazis den Namen Kemmelkaserne zu Propagandazwecken ausgewählt hatten. Bemerkenswert ist, dass Bundeswehr und Marktgemeinde Anfang der 1970er Jahre, als die US-Streitkräfte die militärische Einrichtung (1938 bis 1995) zurückgaben, an der Bezeichnung festhielten – nach Ansicht Tworeks ein Fall von „Gedankenlosigkeit“. Seit 2005 heißt das Wohn- und Gewerbegebiet Kemmelpark – ein Titel, der im Zuge eines öffentlichen Namenswettbewerbs ermittelt wurde.

Eine weitere Überlegung, nämlich eine Neubenennung, ließen die Sozialdemokraten wieder fallen. Der Grund: Es meldeten sich keine Murnauer, die sich einen unbelasteten Namen gewünscht hätten. „Der Bürgerwille war nicht da“, resümiert Tworek. Ihr wäre etwas Positives, zum Beispiel Kandinsky-Park, lieber gewesen. Aber: „Ich kann damit leben.“

Im Gespräch ist außerdem eine mögliche Städtepartnerschaft mit der Gemeinde Kemmel. Hierzu sollen nun Informationen gesammelt werden.

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