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Mehr Flexibilität, weniger Schließtage

Murnauer Kita geht neue Wege - und kommt berufstätigen Eltern entgegen

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Die Gemeinde-Kita Drachennest bietet flexiblere Buchungszeiten, die sich in vergleichbaren Einrichtungen im Ort bewährt haben, und deutlich weniger Schließtage. Zudem gibt es Änderungen im Konzept: Wickel-Kinder sind – anders als bisher – kein Problem mehr.

Murnau – Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) ist selbst dreifacher Vater, und er bewältigt einen 60-Stunden-Job. Er kann die Nöte von berufstätigen Eltern nachempfinden, die ihre drei- bis sechsjährigen Kinder an ihre spezifische Situation angepasst betreut haben wollen. „Wir haben immer wieder gehört, dass sie sich mehr Flexibilität wünschen“, sagt Beuting. Dies sei für alle „das Dogma schlechthin“ – und wichtiger als die Qualitäts- und die Preisfrage.

Tag der offenen Tür im Drachennest: Viele Eltern begutachten jüngst die Einrichtung und lassen sich beraten. Mancher meldet sein Kind gleich an.

Die Eltern rannten bei Beuting offene Türen ein, und auch Marieta Helbling, seit 1. Januar Drachennest-Leiterin, saß sofort mit im Boot. „Das Buchungssystem ist sehr bedarfsorientiert geworden“, sagt Helbling. „Das ist der Zahn der Zeit, das machen alle Einrichtungen, die ich kenne.“ Bislang mussten Eltern Plätze einheitlich buchen: täglich bis 12.30, 15.30 oder 16.30 Uhr. Künftig können sie Zeiten für die Wochentage variabel gestalten. So können Mama oder Papa zum Beispiel auch drei halbe und zwei ganze Tage arbeiten, wenn der Job es erfordert. Helbling versucht, die neue Flexibilität schon jetzt umzusetzen, fix gilt sie ab dem Kita-Jahr 2018/2019. Dann werden auch die Schließtage von 30 auf 20 drastisch reduziert. Familien können Urlaube damit individueller planen und stoßen mit der ihnen zur Verfügung stehenden Zahl an Tagen seltener an Grenzen.

Für Beuting geht es auch mit Blick auf den Wirtschaftsstandort Murnau darum, „optimale Bedingungen für berufstätige Eltern zu schaffen“. Es gebe viel Rückmeldung von Unternehmen, dass Bedarf für Teilzeitarbeitsverhältnisse am Nachmittag bestehe. „Auch hier werden wir in den nächsten Jahren Konzepte entwickeln müssen, wie wir über Betreuungszeiten diesem Bedarf gerecht werden können.“

Eltern wissen Flexibilität zu schätzen

Im evangelischen Kindergarten Bienenhaus sowie im katholischen St. Nikolaus sind flexible Buchungslängen über eine feste Kernzeit hinaus seit Jahren Realität. „Es steht den Eltern so zu“, sagt Petra Feldermann vom Bienenhaus-Kindergarten. Das erfordere mehr Organisation, setze beim Personal hohe Flexibilität voraus und habe konzeptionell in der Pädagogik auch Nachteile. Bei strikten Abholzeiten lasse sich das Angebot besser planen. Das Bienenhaus hatte vor Jahren ebenfalls rund 20 Schließtage, aktuell sind es 26. Feldermann erhöht die Zahl langsam bis auf 30. „Alles, was darunter liegt, nehmen Mitarbeiter an Urlaubstagen im laufenden Betrieb“, sagt sie. Das schlage sich in der Pädagogik nieder; speziell bei Krankheit werde Personal sehr knapp.

Die Flexibilität von St. Nikolaus, die längst Gewohnheit ist, kommt an. Eltern wüssten diese zu schätzen und seien dankbar dafür, sagt Leiterin Ulrike Kinzel, die sich mit ihrem Team aber eben auch variabel zeigen muss. Und die Kinder werden außerhalb der Kernzeit durchaus mal von unterschiedlichem Personal betreut. St. Nikolaus schließt 25 bis 28 Tage im Jahr. Murmel versucht, seine Gruppe beisammen zu halten, empfiehlt, die gesamte Buchungszeit – bis 15 Uhr außer freitags – in Anspruch zu nehmen.

Helbling denkt darüber nach, Eltern hinsichtlich der Schließtage zu befragen. Sie kann sich gut vorstellen, dass diese auf Weihnachten und auf drei Wochen im August gelegt werden. Die Umstellung bedeutet für sie organisatorisch, dass jeder Mitarbeiter zehn Urlaubstage während des laufenden Betriebs nimmt. Dafür sollen Erzieherinnen in Ausbildung in die Kita stoßen.

Diese werden teils auch benötigt, um Kinder außerhalb der Gruppen wickeln zu können. Bisher sollten Kleine tatsächlich in der Regel sauber sein, bevor sie aufgenommen wurden. Eltern wollten eine Änderung. „Das ist kein Ausschlussgrund mehr“, betont Helbling. „Wir erwarten nicht, dass die Kinder am ,Stichtag erster Kindergartentag‘ trocken sind.“ Dies mache Familien unnötig Druck und berücksichtige nicht die individuelle Entwicklung. Momentan greift eine Übergangslösung mit Höschenwindeln, das Kind muss nicht zu 100 Prozent sauber sein. „Ab Herbst werden wir eine Wickelmöglichkeit haben.“ Dann läuft auch eine strukturierte, abgestufte, in den Gruppen einheitliche Eingewöhnungsphase für Neulinge an.

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