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Demo gegen die Pflegenot: Fast 400 Pflegekräfte gingen Ende Oktober in Murnau auf die Straße. 

Murnauer Krankenpfleger schlägt Alarm

Pflegenot: Politik ist gefordert

Der Pflegenotstand ist ein Thema, das Deutschland noch lange beschäftigen wird. Gesundheitsminister Jens Spahn kündigte an, zusätzliche 13 000 Stellen zu schaffen. Ein Tropfen auf den heißen Stein, meint der Gesundheits- und Krankenpfleger Thomas Buntin aus Grafenaschau. Es müsse mehr geschehen, um den Beruf attraktiver zu machen.

Murnau – Mit einem Milliardenpaket möchte die Große Koalition die Personalnot in der Pflege lindern. Der Bundestag beschloss ein Gesetzesvorhaben von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), das zusätzlich 13 000 Stellen vorsieht. Eine Anzahl, die nach Ansicht von Experten und Menschen, die in der Pflege arbeiten, zu klein ist. „Das ist viel zu wenig“, sagt auch Thomas Buntin, Gesundheits und Krankenpfleger für Intensiv- und Anästhesiepflege an der Unfallklinik Murnau. Mit seinem Arbeitsplatz sei er zufrieden, betont er. „Das UKM ist im Vergleich zu anderen Kliniken gut aufgestellt.“ Ihm gehe es generell um die Zukunft seines Berufsstands.

Zirka eine halbe Million Stellen werden bis zum Jahr 2035 in der Pflege unbesetzt sein. Stellt man die Zahlen nebeneinander, zeigt sich, dass die 13 000 zusätzlichen Stellen nur ein Anfang sein können. „Es bringt nichts abzuwarten“, sagt Buntin, der das Problem in der Politik sieht. Und auch im neuen Koalitionsvertrag in Bayern zwischen CSU und Freien Wählern werde das Thema Pflege stiefmütterlich behandelt. „Zu schwammig“ sei dort vieles formuliert, sagt Buntin. Sprachkurse und staatlicher Wohnraum sollen den Beruf attraktiver machen. Dabei wäre es laut Buntin sinnvoller, so viel Personal einzustellen, dass sich die Arbeitssituation für die Angestellten endlich verbessert. Und die Bedingungen so zu gestalten, dass der Beruf längerfristig ausgeübt wird.

Derzeit bleiben Pflegekräfte im Schnitt nur sieben Jahre dabei. Der Personalschlüssel in Deutschland hinkt im Vergleich zu anderen europäischen Ländern stark hinterher. Dabei ist der Pflegenotstand in vielen deutschen Kliniken bittere Realität. Fälle, in denen Patienten nicht behandelt werden können, weil zu wenig Pfleger vorhanden sind, beherrschen immer wieder die Schlagzeilen. „Das Thema ist nicht neu“, sagt Buntin und verweist auf den Deutschen Berufsverband für Pflegende, der schon seit Jahren auf die Probleme hinweist und bessere Rahmenbedingungen fordert.

Um ein Zeichen zu setzen, war auch Buntin Ende Oktober beim Demonstrationszug in Murnau dabei, bei dem sich die Beteiligten für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne stark machten. Je nach Ausbildung und Dauer kann das Gehalt variieren. Eine Krankenschwester verdient nach ihrer dreijährigen Ausbildung brutto von zirka 2000 bis 2400 Euro. In der Altenpflege sind die Gehälter noch geringer. „Ohne Zusatzschichten geht es oft nicht“, sagt Buntin. Vor allem nicht in Regionen im Oberland, in denen die Miete mehr als die Hälfte des Gehalts verschlingt. Er kritisiert, dass der Meister der Pflege auch im neuen Koalitionsvertrag nicht berücksichtig, wohingegen in anderen Berufen der Meisterbonus von 1500 auf 2000 Euro angehoben werde. Die berufliche Weiterentwicklung müsse auch in der Pflege gefördert werden. Buntin liebt seinen Job. „Er hat sehr viel schöne Seiten“, sagt er. Es gebe wenige Tätigkeiten mit so vielen Facetten. Von der einfachen Versorgung oder einem freundlichen Wort, das man an den Patienten richtet, bis zu gefährlichen Situationen, in denen man ein hohes Maß an Verantwortung übernehmen muss, sei alles dabei. Teilweise seien die Tätigkeiten „höchst technisch“. Ein Beruf also mit extremer Vielfalt. „Man ist Einzelspieler und gleichzeitig Teamplayer.“ Es sei schade, dass diese spannenden Seiten von vielen jungen Menschen nicht gesehen werden. Die Missstände schreckten viele davon ab, Pfleger oder Krankenschwester zu werden. „Es ist einfach wichtig, dass wir den Beruf wieder attraktiver machen.“

Magdalena Kratzer

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