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Voller Markt: Bisher ist die Murnauer Kunstnacht (hier im Jahr 2017) immer wieder ein Besuchermagnet.

Veranstaltung soll 2020 neu aufgegleist werden - doch heuer gibt es Ärger

Gerangel um die Murnauer Kunstnacht: (K)ein Jahr Pause

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Wer erbt nach dem Tod von Veranstalter Rupert Reggel die Murnauer Kunstnacht? Die langjährige Mitorganisatorin Iris Mühle will heuer pausieren. In diese Lücke stößt ein loser Zusammenschluss von Wirten, Geschäfts- und Privatleuten, der für 2. Oktober eine eigene Kunstnacht plant – notfalls unter anderem Namen. Mühle ist wenig begeistert.

Murnau – Christian Kolb wirbt in sozialen Medien geradezu euphorisch für den „2. Oktober ab 17 Uhr“. Die Leute, schwärmt er in Versalien, seien „ganz narrisch“ auf das, was da kommt – die „Kunstnacht-Urfassung“.

Der 2. Oktober ist in Murnau untrennbar mit einem Ereignis verbunden, das alle Jahre wieder – bislang 13 Mal – tausende Menschen mit einem bunten Programm, Ausstellungen in Galerien und Geschäften sowie Live-Musik in Lokalen und unter freiem Himmel ins Zentrum gezogen hat: die Kunstnacht am Vorabend des Tags der deutschen Einheit. Rupert Reggel stellte sie auf die Beine. Er starb überraschend im Juni.

Die Kunstnacht soll weiterleben. Die langjährige Mitorganisatorin Iris Mühle würde unter bestimmten Bedingungen mit Marlene Grosser, in deren Verlag das Magazin Holiday Event erscheint, mit dem Reggel eng verbunden war, 2020 wieder einsteigen, winkt aber wegen der Kürze der Zeit für heuer ab. Eine Kunstnacht könnte es in Murnau trotzdem geben – allerdings nicht unter der Regie eines über allem thronenden Veranstalters. Ein loser Zusammenschluss von Wirten, Privat- und Geschäftsleuten will ein eigenes Event im Markt aufziehen. Zu ihnen gehört Fotograf Kolb, der im Untermarkt seine Galerie Kistenblick betreibt. Im Gespräch mit anderen Geschäftsleuten „haben wir festgestellt, dass jeder etwas machen möchte“, sagt er. 

Murnauer Kunstnacht: Ruf nach einem Mitwirken der Gemeinde wird laut

Rund 20 Teilnehmer stünden bisher fest, „und alle organisieren sich selbst“. Es bleibe jedem überlassen, was er auf die Beine stelle: Musik, Bilder, Skulpturen, Lesung, Ausstellung oder Schaufenster-Deko. Darunter finden sich Ladenbetreiber wie Kolb, die schon in der Vergangenheit in der Kunstnacht für sich blieben, sich nicht Reggels Konzept anschlossen, das zunehmend auch kritisch gesehen worden ist. „Wir haben das separat gemacht, und das machen wir wieder“, sagt Kolb, der an der Organisation der vergangenen Jahre kein gutes Haar lässt. „Wir setzen unsere Kulturnacht fort, wie sie am Anfang war. Da steht nicht der betriebswirtschaftliche Aspekt im Vordergrund, sondern der Spaß an der Sache.“ Seine Vorstellung: Künstler sollen dabei sein, man will für Beleuchtung sorgen, riesige Skulpuren aufbauen und auch den Untermarkt ab dem Hotel Angerbräu für den Verkehr sperren. Offene Geschäfte seien momentan nicht vorgesehen. „Es geht nicht ums Einkaufen“, sagt Kolb. Die Kunstnacht sei „die Marketing-Veranstaltung für Murnau“. Der Fotograf sieht auch die Gemeinde in der Pflicht: „Ich finde es sehr schade, dass sie sich ganz raushält.“ Moralische Bedenken, sich die Kunstnacht quasi zu Eigen zu machen, habe er „überhaupt keine“. Schlimmstenfalls werde man einen anderen Namen wählen, sagt Kolb.

Murnauer Kunstnacht: Event-Veranstalterin pocht auf Namens-Rechte

Iris Mühle, die lange mit Veranstalter Reggel gearbeitet hat und nach eigenen Angaben „vom ersten Tag“ bis 2014 die Kunstnacht mitorganisierte, reagiert auf den Vorstoß mit Befremden. „Ich sehe hier jemanden, der auf ein gesatteltes Pferd aufspringen und ein bisschen profitieren möchte“, sagt die Event-Veranstalterin aus Murnau. Sie befürchtet, dass „mit dilettantischen Versuchen der Ruf der Kunstnacht beschädigt wird“ – und prophezeit auch mit Blick auf unzählige rechtliche Auflagen, die es zu erfüllen gilt, dass „eh nichts daraus wird“. Rathaus-Sprecherin Annika Röttinger stellt klar, dass ein Verantwortlicher einen Antrag beim Ordnungsamt stellen muss, wenn öffentlicher Raum für Einzelaktionen genutzt werde. Den Untermarkt am 2. Oktober ab 17 Uhr zu sperren, sei grundsätzlich möglich, müsse aber ebenfalls im Vorfeld genehmigt werden: „Bislang ist beim Ordnungsamt eine Voranfrage eingegangen“, sagt Röttinger.

Mühle will „eigentlich eine Konfrontation vermeiden“. Doch für sie gibt es eine rote Linie: Sie kündigt an, im Fall der Fälle zu verhindern, dass der Name Kunstnacht verwendet wird. Nach dem ersten Ärger zeigt sie nun demonstrative Gelassenheit – und denkt schon an die Zukunft: die Möglichkeit, im Schulterschluss mit dem Verein zur Wirtschaftsförderung ab 2020 einen Kunstnacht-Relaunch mit neuem Konzept zu starten. Mit einer Vereinsvertreterin steht Mühle nach einem gemeinsamen Gespräch bei Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), in dem auch der Verzicht auf die diesjährige Kunstnacht zur Sprache kam, in Kontakt. Wolle der Verein die Veranstaltung künftig alleine auf die Beine stellen, „habe ich auch nichts dagegen“, sagt Mühle – mit einer Einschränkung: „Bitte unter einem anderen Namen.“

Guntram Gattner bestätigt die Absprache: „Wir machen in diesem Jahr nichts und wollen uns Zeit nehmen, um ein neues Konzept zu erarbeiten“, sagt der Vorsitzende des Vereins zur Wirtschaftsförderung. Wenn andere die Veranstaltung heuer stemmten, „können die das ruhig machen und sie in eigener Zuständigkeit bei der Gemeinde beantragen“. Gattner persönlich vertritt – auch mit Blick auf Reggels Tod – die Meinung, dass „man ruhig ein Jahr Auszeit nehmen kann“.

Im Rathaus sieht man die „Überbrückung“ durch individuelle Aktionen gerne: „Es freut mich, dass sich einzelne Murnauer engagieren und für dieses Jahr kurzfristig einige Aktionen durchführen möchten“, sagt Bürgermeister Beuting. „Denn die Kunstnacht war immer ein interessantes und bereicherndes Event.“ Man sei mit dem Verein zur Wirtschaftsförderung im Gespräch, und „wir werden überlegen, inwiefern für die Zukunft eine derartige Veranstaltung gemeinsam geplant werden kann“.

Lesen Sie dazu auch:  Nach Tod des Veranstalters: Murnauer Kunstnacht steht auf der Kippe

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