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Umstrittener Text: Der Spruch am Murnauer Maibaum gefällt nicht jedem. 

Trachtenverein kann Aufregung nicht verstehen

„...dann brauchst du nicht um Fremdes bitten“: Maibaum-Spruch erhitzt die Gemüter

Am 1. Mai steht in vielen Orten ein traditionelles Ereignis an: Man stellt Maibäume auf. So auch in Murnau. Dort gibt es jedoch im Vorfeld Kritik an einem Spruch, der an dem Stamm zu lesen ist.

Murnau – Der Murnauer Trachtenverein stellt heuer nach fünf Jahren am Südausgang des Untermarkts wieder einen Maibaum auf. Neben dem Gaufest am Sonntag, 8. Juli, wird das einer der Höhepunkte im 125. Jahr seines Bestehens. Doch jetzt wird Kritik an einem Spruch laut, der auf einer Tafel am Maibaum zu lesen ist. „Liebe die Heimat und deren Sitten – dann brauchst du nicht um Fremdes bitten“, heißt es da.

Die Murnauerin Inga Grüttner stört sich an dem Text. „Sprüche anderer Maibäume im Oberland drücken Stolz auf das Brauchtum und Freude über das Zusammenhelfen bei der vollbrachten Leistung aus.“ Ganz nach dem Motto: „Gemeinsam sind wir stark.“ Im Vergleich dazu nimmt sich der Murnauer Spruch nach Grüttners Auffassung „seltsam“ aus. Sie spekuliert, dass er Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre entstanden sei, damals, als die „Gastarbeiter“ kamen. „Als einziger klingt der Murnauer Spruch nach Ausgrenzung, Aufruf zum Wegbleiben und leider auch – nach fehlendem Selbstbewusstsein“, betont Grüttner, die Co-Sprecherin des Werdenfelser Bündnis ist. Dies sei aber ihre Privatmeinung, fügt sie hinzu.

Johannes Köglmayr, Vorsitzender des Trachtenvereins, verweist indessen darauf, dass der Gebirgs-Trachten-Erhaltungs-Verein Murnau gemäß seiner Satzung politisch neutral sei. „Vielmehr ist seine Aufgabe die Pflege und die Erhaltung des Brauchtums, der wir uns schon nun seit 125 Jahren ehrenamtlich widmen.“ In diesem Sinne wurde laut Köglmayr 1979 nach längerer Pause das Maibaumaufstellen wiederbelebt. „Dabei wurden die heutigen Zunftzeichen und weitere Utensilien, welche bereits die vorherigen Maibäume schmückten, verwendet.“ Laut mündlicher Überlieferung beziehe sich die Tafel auf die Auswanderung etlicher Vereinsmitglieder in der Zeit um 1900 „und hat somit keinerlei politischen Hintergrund“. Erstaunt zeigt sich der Verein über Grüttners Vorgehensweise. Köglmayr: „Wir hätten uns sehr gefreut, wenn Frau Grüttner zunächst den persönlichen Kontakt gesucht hätte, um dieses Thema zu erörtern und zu klären.“

Die Murnauerin findet, dass ein Maibaum auch ein Aushängeschild für einen Ort ist. Sie könnte sich einen neuen Text auf der besagten Tafel vorstellen. „Gibt es für Murnau, das sich doch gern auf seine weltberühmten Künstler beruft, keinen Spruch, der Wertkonservatives mit Weltoffenheit verbindet“, fragt sie - und hätte einen Vorschlag. Er lautet: „Einigkeit und Recht und Freiheit.“

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Roland Lory

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