Ist das die Lösung?

Bürger auf Streife: Murnauer Ortspolitik diskutiert über Sicherheitswacht 

Vandalismus und Trinkgelage sind ein Ärgernis. In der Murnauer Ortspolitik wird daher die Einführung einer Sicherheitswacht diskutiert.

Murnau – Lärmbelästigungen durch feiernde Jugendliche, ungehemmter Alkoholgenuss und Vandalismus im Murnauer Kulturpark – dieses Problem hat sich nach Meinung von 14 Anwohnern im Bereich des Parkwegs in den vergangenen Sommermonaten erheblich verstärkt. Aus diesem Grund haben sie einen gemeinsam verfassten Brief an die Kommune geschickt. „Über viele Stunden, angefangen vom Nachmittag bis teilweise nach Mitternacht, wird gegrölt und krakeelt“, heißt es darin. Auch Pflastersteine würden herausgerissen und auf die Wiese gestreut.

Im Murnauer Hauptverwaltungsausschuss wurde intensiv darüber diskutiert, ob die Einführung einer Sicherheitswacht eine Lösungsoption für das Problem sein könnte. Der Leiter der Polizeiinspektion, Hauptkommissar Joachim Loy, ist davon überzeugt. Um seine Meinung zu untermauern, hatte er zur Sitzung einen Kollegen, den Schongauer Polizeichef Herbert Kieweg, mitgebracht. Seit sieben Jahren gibt es in der Stadt am Lech eine Sicherheitswacht, die derzeit aus sieben ehrenamtlichen Mitgliedern besteht. „Sie sind grundsätzlich zu Fuß unterwegs, meist in den Abend- und Nachtstunden, oder an Tagen, wenn viel los ist“, erklärte der Dienststellenleiter dem Gremium. „Das sind keine Hilfssheriffs, sondern als Ansprechpartner für die Bürger gedacht, die ein Problem haben.“ Der Tätigkeitsbereich der Wacht, die sich rundum bewährt habe, sei weit gesteckt: Mal müssten sie bei einer Lärmbelästigung einschreiten, mal Erste Hilfe leisten, jemandem den Weg zeigen, eine defekte Straßenlaterne melden oder eine verängstigte Bürgerin nach Hause begleiten. Ausgebildet würden die Mitglieder von der Polizei in einem 40-Stunden-Kurs, wobei Auszüge aus Straf- und Eingriffsrecht zum Lehrstoff gehörten. „Sie dürfen auch einmal einen Platzverweis aussprechen“, so Kieweg.

Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) interessierten die von der Polizei getroffenen Auswahlkriterien. „Vornehmlich geht es um den Charakter, Ausgeglichenheit und Ruhe“, entgegnete ihm der Hauptkommissar, „bei der Begegnung mit Betrunkenen braucht man schon ein dickes Fell“. Die Mitglieder der Wacht trügen im Dienst eine Uniform und seien nicht als verlängerter Arm der Polizei gedacht, sondern als sinnvolle Ergänzung, erfuhren die Räte weiter. Sei etwa Gewalt oder Drogenkonsum im Spiel, zöge sich die Sicherheitswacht zurück und alarmiere über Funkgeräte die Beamten: „Das ist Polizeiarbeit.“

 Josef Bierling (CSU) wollte wissen, was die in Murnau tätige Streetworkerin zur Einführung einer Sicherheitswacht sagen würde. „In der nächsten Sitzung laden wir Sozialarbeiter, Streetworker und Anwohner ein“, kündigte Beuting an. Eine bessere Vernetzung von Sozialarbeitern, Schulen und Polizei schlug Michael Manlik (ÖDP/Bürgerforum) vor. Den Einwurf seiner Fraktionskollegin Anna Schlegel, den Jugendlichen sei mit einer Sicherheitswacht nicht geholfen, wollte Kieweg so nicht stehen lassen.

So führte der Polizeibeamte das Beispiel der 62-jährigen Heidi Schrödl an, die mit selbstbewusstem Auftreten und Mutterwitz einen geradezu freundschaftlichen Kontakt mit den am Lechufer feiernden Jugendlichen aufgebaut habe. Nicht nur die Anwohner des Murnauer Parkwegs dürften auf die Sitzung des Ausschusses am 19. Oktober gespannt sein.

Heino Herpen

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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