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Zu Besuch in Ghana: Im Januar bereiste eine Murnauer Delegation das westafrikanische Land. Hier ist Maxi Krönner, Sohn von Geschäftsfrau Barbara Krönner, mit Kindern einer Schule in Atwima zu sehen. 

Einstimmige Entscheidung im Murnauer Gemeinderat

Partnerschaft mit Ghana: Austausch auf Augenhöhe

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Eine Städtepartnerschaft steht bereits seit längerer Zeit ganz oben auf Murnaus Wunschliste. Jetzt wird es gleich eine ganze Region, mit der man sich austauschen will: der Bezirk Atwima im westafrikanischen Ghana. Die Initialzündung dazu kam aus der Bürgerschaft.

Murnau – Es war eine denkwürdige Entscheidung, die der Murnauer Gemeinderat  einstimmig fällte: Der Markt geht eine so genannte Entwicklungspartnerschaft mit dem Bezirk Atwima in Ghana ein, das als demokratisch weitgehend gefestigt gilt und daher die Rolle eines Stabilitätsankers in Westafrika einnimmt. Die Rathaus-Verwaltung wurde damit beauftragt, eine Vereinbarung zu erarbeiten, die als Rahmen für künftige Projekte dienen soll. Das Kommunalparlament folgte damit einem Antrag, den mit Michaela Urban und Andreas Müssig (beide CSU), Sabine Pecher (ÖDP/Bürgerforum), Welf Probst (Freie Wähler), Phillip Zoepf („Mehr Bewegen“) und Ernst Ochs (SPD) Vertreter aller Fraktionen gemeinsam gestellt hatten.

Entscheidend ist: Das Ganze soll keine klassische Entwicklungshilfe sein, sondern ein Austausch auf Augenhöhe, etwa auf den Gebieten des Schulwesens, der Wirtschaft und der Kultur. Dahinter steht die Überlegung, dass man im Zeitalter der Globalisierung nur gemeinsam Probleme wie den Klimawandel lösen kann.

Murnau nehme in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle ein, ist sich Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) sicher, denn: „Uns sind keine Kommunen in der Region bekannt, die durch eine derartige Zusammenarbeit einen solch wichtigen Beitrag für unsere Zukunft leisten.“ Trotz ungleicher Rahmenbedingungen stünden letztlich alle Menschen dieser Welt vor den gleichen globalen Herausforderungen. „Mir ist sehr wichtig, dass diese Partnerschaft keine Einbahnstraße ist. Nicht nur der rein fachliche Austausch, auch die Begegnung mit den Menschen und ihrer Kultur wird ein Gewinn für alle sein“, sagt der Rathaus-Chef. Eine finanzielle Unterstützung für Atwima stehe nicht im Vordergrund. Mögliche Kosten könnten durch eine staatliche Förderung fast komplett abgedeckt werden.

Dass die Wahl auf Ghana fiel, war kein Zufall. Einige Bürger gaben dazu den Anstoß. Vor allem der Honorarkonsul des Landes, Florian Wolfart, seine Frau Torita – die beiden leben seit über zehn Jahren in Murnau –, Kaffeehaus-Betreiberin Barbara Krönner und ihr Lebenspartner Franz Windirsch setzen sich mit viel Leidenschaft für das Vorhaben ein. Es wurden auch schon erste Bande geknüpft: So stellte etwa Torita Wolfart, eine US-Amerikanerin, deren Familie Wurzeln in der einst britischen Kolonie (seit 1957 unabhängig) hat, den Kindern der Seidlschule die Deutsche Schule in Atwima vor. Und Unternehmerin Krönner arbeitet bereits mit dort ansässigen Kakaobauern zusammen.

Florian Wolfart, der in der Gemeinderatssitzung zusammen mit seiner Frau für die Partnerschaft warb, ist zufrieden: „Ich finde das ganz toll“, sagt er. Jetzt müsse man die Freundschaft mit Leben füllen. Der Klinik-Geschäftsführer kann sich zum Beispiel einen Schüleraustausch oder Kooperationen unter Betrieben vorstellen. „Es gibt ganz viele Anknüpfungspunkte“, sagt er. Die Ghanaer seien freundliche, fröhliche und weltoffene Menschen. Und wir könnten von ihnen vieles lernen, etwa Gelassenheit. Der besagte Bezirk mit über 100 000 Einwohnern umfasse sieben Kommunen, liege in der Nähe der Großstadt Kumasi und sei von der Größe her mit dem Staffelseeraum vergleichbar. „Das ist eine wirtschaftlich aufstrebende Region mit einer großen kulturellen Vielfalt“, berichtet Wolfart. Wenn alles glatt läuft, komme heuer im Sommer Regionalkönig Nana Antwi Agyei Brempong II. nach Murnau, um die Partnerschaft zu besiegeln.

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