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Auf Spurensuche: Peter Kreitmeir aus Murnau.

Peter Kreitmeir forscht über Komponisten Hans Winterberg

Dem eigenen Großvater auf der Spur

Wer war der Komponist Hans Winterberg? Mit dieser Frage beschäftigt sich dessen Enkel Peter Kreitmeir. Der Murnauer stellt jetzt seine Erkenntnisse vor.

Murnau – Wer in die eigenen Tiefen schaut, findet manchmal einen Schatz. Mut gehört dazu, langer Atem und Gottvertrauen. Peter Kreitmeir hat dies alles. Und was der Murnauer damit entdeckt, lässt er gerade zu voller Lebendigkeit erblühen: das musikalische Schaffenswerk von rund 80 Sinfonien, Klavierkonzerten sowie Klavier- und Kammermusik seines Großvaters Hans Winterberg – einem Prager Juden, der in der Nazizeit nur knapp dem Tod im Konzentrationslager Theresienstadt entgangen ist.

Nach der Scheidung von seiner Frau ließ ihm die Frage, was es mit dem Menschsein sowie Nähe und Liebe auf sich hat, keine Ruhe: „Wer bin ich eigentlich? Was macht denn eine Beziehung überhaupt aus? Ja, was ist das denn, die Liebe!?“ Solche Fragen trieben Kreitmeir um. Wenn er sich mit seinen Wurzeln beschäftige, könne er gut leben, riet ihm seine Therapeutin. Ihren Rat beherzigend, machte er sich auf die Suche nach seiner Mutter, von der er im Alter von fünf Monaten getrennt wurde.

Zwar war Kreitmeirs Passion schon immer die Musik, aber der Vater wollte, dass er etwas Vernünftiges macht und nicht an brotloser Kunst scheitert. Also erlernte er den Beruf des Goldschmieds als ordentliches Handwerk. Auf der späteren Suche nach der Mutter kam es 2011 zu einem Kontakt mit ihr. Eine nur kurze Begegnung beruhigte den Murnauer zumindest, dass es ihr gut geht.

Da musste es aber noch mehr geben, dachte er sich. So hatte er seinen Großvater, einen Musiker, nie kennengelernt. Da – plötzlich auch Informationen über ihn und damit eine neue Welt, die sich dem Goldschmied immer weiter erschließt: Fotografien und Rundfunkaufnahmen großartiger Sinfonien von Hans Winterberg tauchten auf. Seit seinem Tod befinden sich diese im Sudetendeutschen Musikinstitut und waren bis vor kurzem noch mit einem Sperrvermerk versehen, der durch Kreitmeirs hartnäckiges Wirken schon erfolgreich aufgehoben wurde.

Nun macht sich der Murnauer mit seiner ganzen Energie daran, das vollständige Werk nach Wien an die Universität für Musik und damit zum Aufblühen zu bringen. „Ich identifiziere mich damit und fühle mich als Hans Winterbergs Nachfolger“, erklärt der Enkel. Die erste Aufführung von vier Werken in den USA im Rahmen des Klassik-Musikfestivals „Forbidden Composers“ im Jahr 2016 schloss mit Standing Ovations. Namhafte Dirigenten sollen schon auf das Gesamtwerk aufmerksam geworden sein. Die Suche nach weiteren Puzzleteilen führt Kreitmeir tiefer ins Theater der Identitäten: Wer ist dieser Hans Winterberg? Wie kommt das Sudetendeutsche Musikinstitut dazu, seine Werke anzukaufen? Und viele Fragen mehr.

Es ist eine spannende und vielschichtige Entdeckungsgeschichte, die Peter Kreitmeir am Freitag, 7. Juli, in der Schokoladenmanufaktur in Murnau zu erzählen hat. Eine Weltpremiere mit Original-Ton- und Bildaufnahmen, die in Murnau wohl nur ihren Anfang nimmt.  Der Vortrag  beginnt um 19.30 Uhr in der Schokoladenmanufaktur in Murnau (Seidlstraße 4). Der Eintritt kostet acht Euro.

Birgit Schwarzenberger

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