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Schon 2018 Baustelle: die Postgasse, hier bei der Verlegung der Fernwärmeleitungen.

Betroffene Einzelhändler sollen längere Verschnaufpause erhalten 

Weitere Baustelle an der Postgasse: Freie Wähler fordern erneute Abstimmung

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Die geplante Baustelle an der Murnauer Postgasse entwickelt sich zum Politikum. Nach den Grünen schalten sich die Freien Wähler ein. Sie fordern eine weitere Diskussion mit erneuter Abstimmung im Gemeinderat – und einen zeitlichen Aufschub des Projekts. Dieser soll betroffenen Geschäftsleuten eine längere Verschnaufpause verschaffen.

Murnau – Das Aus des Staffelsee-Kramers versetzt Ortspolitiker in Alarmstimmung. Nachdem sich die Grünen unter anderem mit dem Ruf nach einem Baustellen-Management zu Wort gemeldet hatten, tritt nun auch die Freie Wählergemeinschaft Murnau (FW) mit einer Forderung auf den Plan. Diese will verhindern, dass Einzelhandel und Ortskern unnötig unter einem Straßenbauprojekt leiden, das nach dem aktuellen Stand der Dinge 2020 an der Postgasse verwirklicht werden soll. FW-Fraktionsmitglied Maria Schägger möchte, dass sich der Marktgemeinderat „erneut und zeitnah“ mit dem Thema befasst. In der nochmaligen Diskussion, heißt es in dem von ihr unterzeichneten Antrag, solle die Verwaltung „auch ein Meinungsbild der betroffenen Einzelhändler einholen und vorstellen“ – und das Gremium ein weiteres Mal darüber abstimmen, ob es das Vorhaben wie geplant im Jahr 2020 umgesetzt haben möchte. Vorgesehen ist nach Angaben von Rathaus-Sprecherin Annika Röttinger die Neugestaltung der Postgasse als verbindendes Element zwischen Fußgängerzone und Kultur- und Tagungszentrum (KTM). Am KTM hielten viele Busse. Die Menschen, die dort ausstiegen, um in die Fußgängerzone zu kommen, nutzten die Postgasse als Verbindungsweg, erklärt Röttinger.

Wirtschaftsförderer zeigt Verständnis: Baustellen seien „eine Belastung für die betroffenen Händler“

Einzelhändler aber scheuen eine weitere Baustelle. Grüne und Freie Wähler verweisen bei ihren Vorstößen auch auf die Entscheidung von Susanne Binder, die ihren Staffelsee-Kramer, einen Nahversorger in der Ortsmitte, geschlossen hat. Binder argumentierte, sie wolle nach zwei Baustellen in den vergangenen Jahren 2020 nicht noch einmal wirtschaftliche Einbußen hinnehmen. Schon im Zuge der Verlegung der Fernwärmeleitungen 2018 hatten Geschäftsleute an Post- und Petersgasse beklagt, dass sie Umsatzeinbrüche verkraften mussten und schlecht bis gar nicht erreichbar waren. Schägger verweist auf Ladenbetreiber, die nach Rücksprache „bestätigten, derzeit keine weiteren Baustellen verkraften zu können“. Murnaus Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger zeigt Verständnis: „Baustellen sind eine Belastung für die betroffenen Händler, gerade in einer kleinteiligen Struktur wie in Murnau.“ Wie der Markt Murnau sei auch er der Meinung, dass „kluges Baustellenmanagement, gute Informationen und Wegweisung helfen können, Schaden zu verhindern“.

Schägger aber kommt zu dem Schluss: „Das Thema gehört im Gemeinderat noch einmal auf den Tisch.“ Das Gremium habe dieses nicht ausreichend behandelt und die Umgestaltung der Postgasse im Juli im Paket mit anderen Vorhaben mit 14:7 Stimmen beschlossen; ihre Fraktion habe sich dagegen ausgesprochen, sagt Schägger – mit Blick auf den bereits gebeutelten Einzelhandel und „weil wir an dieser Stelle überhaupt keine Notwendigkeit sehen“. Das bezieht Schägger auf den Zustand der Postgasse; einen „Schulterschluss“ zwischen Fußgängerzone und Horváth-Platz hält sie persönlich für sinnvoll – „aber nicht unbedingt jetzt, wo wir andere Themen stemmen müssen“.

Umgestaltung der Postgasse: Gemeinde will Betroffene einbeziehen

Die Gemeinde signalisiert, Betroffene einzubeziehen, auch was den Zeitpunkt der Arbeiten betrifft. Der Markt, erklärt Röttinger, „stellt den Anliegern und Gewerbetreibenden in der Postgasse in einem erneuten Anliegergespräch die neueste Planung zur Baumaßnahme vor und bietet ihnen damit Gelegenheit zur Stellungnahme und zu Fragen“. Auch werde darauf eingegangen, „wann sich Anlieger und Gewerbetreibende eine Umsetzung der Maßnahme wünschen“.

Grundsätzlich verfährt die Gemeinde nach Angaben Röttingers bei derartigen Bauprojekten nach einem festgelegten Prozess. Zunächst werde das Vorhaben in einem Grundsatzbeschluss des Gemeinderates formuliert. Anschließend beteiligt man Bürger bei einer Anliegerversammlung. Schließlich gehe das Thema zurück in den Gemeinderat. „Dieser Prozess wurde für die Postgasse bereits abgeschlossen.“ Nun folge eine weitere Anliegerversammlung, um erneut auf eventuell weitere Anregungen einzugehen und aktuelle Planvarianten zu zeigen. Dann werde das Bauprojekt in der Postgasse „ein weiteres Mal im Marktgemeinderat behandelt“ – plangemäß.

Lesen Sie auch: Murnauer Bucht: Großprojekt nimmt konkrete Formen an

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