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Stolz auf den „Blattmacher“-Sonderpreis: (v. l.) ein Teil der Realschulredaktion mit Mick Draeger, Tomas Mühlbauer, Nick Geiger, Florian Gilg, Daniel Weber, Lehrer Hannes Bräu, Chiara Herold und Vanina Draganova.

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Murnauer Realschule: „Blattmacher“-Sonderpreis für Blog

  • Andreas Seiler
    VonAndreas Seiler
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Die Murnauer Realschule bringt eine der besten Schülerzeitungen Bayerns heraus – und zwar in Form eines Internet-Blogs. Dafür zeichneten jetzt das Kultusministerium und die Süddeutsche Zeitung GmbH das Redaktionsteam um Lehrer Hannes Bräu mit dem „Blattmacher“-Sonderpreis aus.

Murnau – Die Medienlandschaft befindet sich in einem gewaltigen Umbruch: Während gedruckte Tageszeitungen Leser verlieren (aber in Deutschland immer noch pro Tag mehr als 38 Millionen Menschen erreichen), boomen die neuen digitalen Formate. Murnaus „Realschule im Blauen Land“, so der offizielle Titel der rund 650 Schüler starken Bildungseinrichtung, greift diesen Trend auf – und zwar ziemlich erfolgreich: Statt einer klassischen Schülerzeitung gibt es dort seit gut zwei Jahren einen Blog, also ein öffentlich einsehbares Online-Journal, das laufend mit Beiträgen des jugendlichen, etwa zwölfköpfigen Redaktionsteams zu allen möglichen Themen gefüttert wird. Das Besondere daran: Der professionell gestaltete Internet-Auftritt ist multimedial: Dazu zählen nicht nur Texte und Fotos, sondern auch Videos und Audio-Dateien (Podcasts).

Der Einsatz der Nachwuchsjournalisten hat sich ausgezahlt: Ihr „Blog im Blauen Land“ (www.blogimblauenland.de) wurde nämlich im Rahmen des bayernweiten Schülerzeitungswettbewerbs „Blattmacher“ mit dem Sonderpreis Digitale Medien ausgezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Initiative das Bayerischen Kultusministeriums und der Süddeutsche Zeitung GmbH, unterstützt von der Nemetschek Stiftung, die sich für die demokratische Kultur in Deutschland starkmacht.

Die Freude über die hochkarätige Würdigung – der Preis wurde kürzlich im Zuge eines Festakts in München verliehen – ist groß: „Ich bin total stolz“, sagt Direktor Ralf Havelka. Der Blog sei ein zeitgemäßes Medium, das das gesamte Schuljahr begleite. Bei Hannes Bräu – der Lehrer für Deutsch, Geschichte und Sozialkunde betreut das Projekt von Anfang an und arbeitete viele Jahre als freier Mitarbeiter des Garmisch-Partenkirchner/Murnauer Tagblatts – klingt es ähnlich: „Es ist cool, dass die harte Arbeit der Schüler belohnt wurde.“ Der nächste Schritt ist nun die Teilnahme an einem bundesweiten Wettbewerb.

Der besagte Blog bietet den Besuchern – pro Tag werden im Schnitt 20 bis 30 Zugriffe gezählt – einen breiten Einblick in das bunte Schulleben und die Interessen der Heranwachsenden. Insgesamt sind mittlerweile über 200 Beiträge zusammengekommen. Das fängt bei Berichten über das Kulturfestival „Zamma“ in Garmisch-Partenkirchen, die Theater AG der eigenen Schule oder die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg an und hört bei witzigen Aktionen wie einem Cola-Mix-Getränketest auf. Was auffällt: Computerspiele stehen offenbar bei den Kindern und Jugendlichen ganz hoch im Kurs. Denn darüber wird viel geschrieben. „Die Schüler sind auf diesem Gebiet die Experten“, sagt Bräu. An Ideen für die Zukunft mangelt es nicht: Geplant sind etwa eine Video-Sparte und eine App.

Einer der Autoren ist Nick Geiger. „Die Arbeit macht Spaß“, sagt der 18-jährige Ex-Realschüler, der mittlerweile das Gymnasium besucht, aber bei dem Blog noch fleißig mitwirkt. „Ich habe viel gelernt“, berichtet er. Sein Berufswunsch steht daher fest: Journalist.

Und wie sieht es mit Zensur aus? Die Schüler hätten, beteuern Bräu und Havelka unisono, weitgehend freie Hand – wenn sie sich an gewisse Qualitätsstandards hielten. Notfalls müsse ein Text überarbeitet werden.

Bei dem „Blattmacher“-Wettbewerb wurden heuer 21 Redaktionsteams aus dem Freistaat in unterschiedlichen Schulkategorien für ihr Engagement und ihre Kreativität geehrt. Die Murnauer sind die Einzigen aus der Region. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hob laut einer Pressemitteilung in seiner Rede die Leistung der Preisträger hervor. An sie gerichtet sagte er: „Mit euren Texten leistet ihr einen wichtigen Beitrag an euren Schulen – und schreibt auch ein Stück weit Schulgeschichte(n) mit.“

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