+
Nikoläuse über Nikoläuse: die vielen Darsteller beim Festgottesdienst in St. Nikolaus.

Rekordversuch in Murnau: Über 70 Bischof-Darsteller kommen zu Treffen

Nikolaus-Protest gegen den Weihnachtsmann

So etwas hatte es im Landkreis noch nicht gegeben: 71 Nikoläuse aus ganz Deutschland, begleitet von 26 Krampussen, Engerln und Perchten, zogen am Samstag in voller Montur durch Murnau. Knapp 1000 begeisterte Zuschauer verfolgten das Spektakel. Gemeinsames Ziel der Darsteller war ein Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde – und ein Protest gegen den Weihnachtsmann.

Murnau – Der kleine Bub wunderte sich nicht schlecht, als er am Samstagabend die vielen Männer mit ihren weißen Rauschebärten und den roten Gewändern an sich vorbeiziehen sah: „Schau mal, Papi, da sind ganz viele! Ich dachte, es gibt nur einen Nikolaus?“ Eine schwierige Situation für den Papa, der dem Sohnemann schließlich erklärte, dass der Nikolaus viele, viele Helfer habe.

Einer von ihnen ist Reinhard Klein (67), der zum dritten Mal das Nikolaus-Treffen in Murnau organisiert hatte. 71 Heiligen-Darsteller kamen, einer war aus dem 350 Kilometer entfernten Dingolshausen in Unterfranken angereist; der Älteste stammte mit 85 Jahren aus Altenau. Es waren weit mehr Teilnehmer zu diesem Riesen-Spektakel erschienen, als der Murnauer Klein selbst zu hoffen gewagt hatte. „Ganz zuletzt haben sich noch 13 weitere angemeldet, und 5 sind spontan dazugekommen“, sagte der ehemalige Busfahrer, der vor zwei Jahren die Zusammenkunft mit 21 Nikoläusen gestartet hatte. „Heuer waren es mehr als doppelt so viele wie im vergangenen Jahr, da kamen 29.“

Der für ihn einzige Wermutstropfen bei dieser gigantischen, weltweit vielleicht einmaligen Veranstaltung: Klein war als einziger der insgesamt 8 Nikoläuse aus der Marktgemeinde anwesend. „Leider haben von sieben anderen nur drei abgesagt.“ Die übrigen, meinte er, seien „aus Protest nicht erschienen – schade, dass sie diese für die Menschen und den Ort so tolle Gaudi auf diese Weise boykottieren“, bedauerte Klein. Im kommenden Jahr will er seine Murnauer Amtskollegen nicht mehr einladen, die dem Vernehmen nach offenbar die Nikolaus-Tradition durch das Massen-Treffen gefährdet sehen.

Uli Saint-Paul, der mit seiner Frau Sabine und den beiden Enkelkindern in der Menge stand, ärgerte das. „Es ist beschämend, dass gerade die Murnauer hier nicht mitmachen, ein Armutszeugnis für den Ort“, sagte der Seehauser.

Doch für Klein gab es Wichtigeres. Er rief zum Protest gegen den Weihnachtsmann auf: „Er hat hier gar nichts zu suchen, bei uns kommt nur das Christkind.“ Der Weihnachtsmann sei „eine reine Werbefigur und bei uns nur dazu da, dass die Leute noch mehr kaufen“. Zudem sammelte Klein die notwendigen Dokumente und Fotos für den geplanten Eintrag ins Buch der Weltrekorde. „Wir werden das schaffen, denn etwas Vergleichbares gibt es weltweit nicht – Murnau ist die Nikolaus-Hauptstadt Europas.“

Davon zeigt sich auch Fritz Matthäi überzeugt, der sich mit 23 Kameraden der Halser Wasserwacht aus Passau auf den Weg nach Murnau gemacht hatte. „Ich bin das erste Mal dabei, und es ist einfach gigantisch, was sich hier abspielt“, sagte der 69-jährige Nikolaus-Darsteller. Ein Kollege aus München verschenkte kleine Gaben an die Kinder. „Freude zu machen, bringt selbst Freude“, sagte Tim Rehm, Architekt und seit mehr als 43 Jahren Hobby-Nikolaus.

Gemeinsam mit ihren 69 Amtskollegen waren sie nach einem feierlichen Gottesdienst in St. Nikolaus, in dem Murnaus Pfarrer Siegbert Schindele die vielen Bischof-Darsteller mit den Worten „der Nikolaus bringt Freude ins Haus“ begrüßt hatte, unter dem Beifall der zahlreichen Zuschauer und unter der musikalischen Begleitung der Jugend- und Blaskapelle Murnau zur rappelvollen Fußgängerzone gezogen. Hier waren sie von etlichen Hobby-Fotografen und vielen hundert Schaulustigen empfangen worden, bevor sie in der anschließenden „Bischofskonferenz“ im Griesbräu unter sich waren. Und viele versprachen, im nächsten Jahr wieder dabei zu sein. Dann hofft Klein, „die 100er-Marke zu knacken“.

Pfarrer Schindele zog ein versöhnliches Fazit: Durch dieses besondere Ereignis werde der Bischof Nikolaus ins rechte Licht gerückt, „das ist wunderschön“. Dieses Treffen rufe dessen Bedeutung, die so manch einer vergessen habe, ins Bewusstsein zurück. „Ich weiß, dass viele Murnauer diese Aktion kritisch sehen, und auch das mag seine Berechtigung haben. Ich persönlich bin dankbar dafür und möchte das Positive hervorheben.“

Barbara Falkenberg

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Anbindung der B23 an die B2: Staatliches Bauamt verschiebt erneut Informations-Termin
Josef Bobinger ist sauer: Der Sprecher der VEO kann nicht nachvollziehen, warum nun wieder Untersuchungen in Sachen B23-Einschleifung nötig sind - und deshalb es erst im …
Anbindung der B23 an die B2: Staatliches Bauamt verschiebt erneut Informations-Termin
Gloriettl-Aufbau: Die Zeit drängt
Im Murnauer Seidlpark soll heuer das Gartenhaus Gloriettl wieder aufgebaut werden – temporär. Der Bauausschuss stimmt dem Vorhaben zu. Das Projekt eilt, denn zum …
Gloriettl-Aufbau: Die Zeit drängt
Seniorenwohnheim Unterammergau: Woche der Entscheidung
Hopp oder top, alles oder nichts: Auf die Frage, ob Unterammergau zeitnah ein Seniorenwohnheim bekommt, gibt es in dieser Woche eine Antwort. Es steht der Notar-Termin …
Seniorenwohnheim Unterammergau: Woche der Entscheidung
Auf verzweifelter Nahrungssuche: Wildschwein läuft vor ein Auto, dann knurrt es einen Langläufer an 
Erst Hauptstraße, dann Loipe: Ein Wildschwein ist am Freitagvormittag zwischen Krün und Wallgau aufgetaucht. Es war allem Anschein nach auf der Suche nach Futter. Das …
Auf verzweifelter Nahrungssuche: Wildschwein läuft vor ein Auto, dann knurrt es einen Langläufer an 

Kommentare