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Hoch auf dem Fass: Michael Huber, Vorsitzender der Murnauer Schäffler, bei seiner Eröffnungsrede vor dem Rathaus.

Premiere vor rund 2000 Zuschauern und viel Polit-Prominenz

Murnauer Schäffler starten in Tanzsaison: Ein bisschen Spott und viel Zusammenhalt

Alle sieben Jahre wieder fiebert Murnau einem Herzens-Ereignis entgegen: dem traditionellen Schäfflertanz. Am Montag sind die Schäffler vor einer riesigen Zuschauerkulisse in die Saison gestartet. Und die ersten Kandidaten bekamen die witzig-ironische Fasskasperl-Kritik zu hören.

Murnau– Die wichtigste Nachricht zum Aufatmen für alle: Das Schnapsglas hat überlebt! Was wäre denn bitte das für ein Drama, für eine Schlagzeile gewesen: Fasskasperl zerstört Schnapsglas bei der Eröffnung. Zum Schluss, nach der letzten der 156 Aufführungen der Murnauer Schäffler, gehören die Scherben zum Brauch. Aber doch nicht gleich zum Start. Als Hans Steib das Glas mit einem Schluck leerte, hinter sich warf und es an den Kollegen vorbei hart aufschlug, wurde es kurz unruhig. Man spürte das in einer Fußgängerzone, die mit an die 2000 Gästen gefüllt war, sofort. Doch welch ein Glück, das Glas war ganz, die Premiere nun wirklich perfekt und die Saison nach sieben Jahren eröffnet.

Nur drei Gruppen in Bayern sind älter als die Murnauer Schäffler

Seit 1859 tanzen die Murnauer Schäffler. Nur drei Gruppen in Bayern sind älter. In ihrer Chronik steht geschrieben, warum sie das alle sieben Jahre machen: „Zur Ehre des Marktes Murnau und zur Freude der Bürger.“ Schon in den schlimmsten Zeiten, etwa zur Pest, zogen die Schäffler aus und brachten das Lachen in die Gesichter der Menschen zurück. Noch heute zählt Michael Huber, der Schäffler-Chef, die Auftritte vor Alten, Pflegebedürftigen, Gehandicapten und Kranken zu den „schönsten und wichtigsten“. Auf die freue er sich am meisten an den verbleibenden 13 Tanztagen. Bis zum Faschingsdienstag, 25. Februar, sind die Murnauer unterwegs. Sie fahren auch in den Nachbarlandkreis Weilheim-Schongau und nach Oberammergau. Passion und Schäfflertanz in einem Jahr – das passiert nur alle 70 Jahre. Arno Nunn, der Bürgermeister, hat eingeladen. „Angekündigt hat er sich auch, nur gekommen ist er nicht“, scherzte Huber. Vielleicht übersah man ihn bloß bei der Masse an Menschen und Polit-Prominenz. Im Jahr 2020 häufen sich die Großereignisse. Die Frage ist bloß, ob man die Kommunalwahl als solches zählen darf? Natürlich stellte sich alles auf die Ehrentribüne, was ein Amt inne hat, dieses behalten oder – im besten Fall – ein höheres möchte. Inklusive Bezirkstagspräsident Josef Mederer (CSU) und Regierungspräsidentin Maria Els.

Murnauer Schäffler: Fasskasperl widmet seine Rede der Gemeinde und dem Bürgermeister

Aber seine Rede widmete Fasskasperl Steib ausschließlich Markt und Bürgermeister, Rolf Beuting. Die Spitzen wickelte er in einen Mantel der Ironie, angenehm direkt, aber nie über die Grenze hinaus. Das angespannte Verhältnis zu Seehausen etwa umschrieb er so: „Mit der Verbrüderung mit Seehausen tut man sich noch schwer. Aber wer weiß, vor 30 Jahren hat es auch geklappt mit der DDR.“ Anhand der eigenen Pressestelle sah Steib, wie Murnau langsam zur Stadt mutiert – gemäß dem Motto: „Wir wollen die Pressefreiheit selber nützen und uns vor dem Tagblatt schützen.“ Rathaus, Horváth-Platz vor dem Kultur- und Tagungszentrum („ein gleichmäßig fröhliches Steingrau“), die alte Mariensäule, die mit dem Heiligen Josef obendrauf wieder aufgebaut werden sollte – diese Themen behandelte Steib in seinen zehn Minuten auf dem Fass.

Den Auftrag der Schäffler setzte er somit bestens um: „Heiterkeit, Lebensfreude und Lebensmut“ verbreiten sollen sie, betonte Huber. Und: den Alltag ein bisschen anhalten. Dazu braucht es allerdings die offizielle Genehmigung des Bürgermeisters, der der Tradition nach Straßen und Plätze freigeben muss. Beuting tat’s samt einer Rede, in der er das Leitmotiv der Schäffler aufgriff und auf die aktuelle Lage der Nation stülpte. Das neue Jahrzehnt habe seine eigenen Nöte, Einsamkeit, mangelnde Achtung der Alten, Kranken, Geflüchteten. Er appellierte: „Machen wir es wie die Schäffler: Überwinden wir die Nöte durch mehr Zusammenhalt.“ Danach führten diese ihren ersten Tanz, der aus sechs Teilen besteht, auf. Ihr Vorsitzender Huber schickte eine Bitte an die Anwohner und Bürger: „Das Fest darf lustig und laut sein und länger dauern. Seht es uns nach.“

Andreas Mayr


Lesen Sie auch: Murnaus Schäffler fiebern Tanzjahr entgegen: Die heiße Phase beginnt

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