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Vorgeschmack auf die Seidl-Ausstellung: Museumsleiterin Dr. Sandra Uhrig vor dem Bild „Wie Seidl nach Murnau kam“ des Plakatkünstlers Julius Diez. 

Hauptausschuss segnet Programm ab

Schloßmuseum plant  Sonderausstellungen: Spannender Blick in die Ortsgeschichte

Das Murnauer Schloßmuseum setzt auch in der kommenden Saison wieder auf Top-Niveau bei den Sonderausstellungen. Es geht unter anderem um den berühmten Architekten Emanuel von Seidl und die „Schattenzeiten“ der Kunst in den Jahren 1919 bis 1950. Der Hauptausschuss gab grünes Licht für das Programm.

Murnau – Die lange Reihe anspruchsvoller Sonderausstellungen im Murnauer Schloßmuseum setzt sich lückenlos fort: Bereits am Donnerstag, 5. Dezember, eröffnet die Präsentation „Verloren – doch nicht vergessen“ über den berühmten Architekten Emanuel von Seidl (1856 bis 1919) ihre Pforten, die bis zum 1. März 2020 dauern wird. Am 2. April geht es dann mit einer Ausstellung der Privatdozentin Dr. Edith Raim weiter, die voraussichtlich den Titel „Schattenzeiten – Künstler zwischen Apassung und Widerstand“ tragen wird. Ab Ende September bis Februar 2021 ist eine Schau mit 150 Werken aus der Sammlung Bünemann zu sehen.

„Die Seidl-Ausstellung haben wir in Kooperation mit dem Marktarchiv und der Ko-Kuratorin Katharina Drexler erstellt“, sagte Museumsleiterin Dr. Sandra Uhrig gegenüber dem Tagblatt. „Die ersten beiden Räume werden der Familie von Seidls gewidmet sein. Wir haben zusammen mit dem Marktarchiv geschafft, seine Gästebücher zu digitalisieren, und so haben die Besucher die Möglichkeit, an einem Bildschirm durch die Gästebücher zu blättern.“ Im dritten Raum, den Marktarchivarin Dr. Marion Hruschka gestaltet hat, geht es um die durch Seidl ins Rollen gebrachte Ortsverschönerung, im vierten Raum präsentiert Katharina Drexler aus Ohlstadt, die ihre Doktorarbeit über das Leben und Wirken Seidls verfasst, ihre Forschungsergebnisse zu diesem Thema.

Nahezu nahtlos geht es ab dem 2. April weiter: So wurde die Augsburger Privatdozentin Dr. Edith Raim damit beauftragt, die Zeit von 1919 bis 1950 in Murnau näher zu untersuchen, insbesondere das Dritte Reich betreffend. Zahlreiche Plakate, Exponate, Schriftstücke, Texte, Film- und Zeitungsausschnitte haben das Ziel, das Bild dieser Epoche klarer nachzuzeichnen. Hierfür wurden die Räume im ersten Stock, in denen die Murnauer Ortsgeschichte dokumentiert wird, vorübergehend ausgeräumt.

Vom 7. Mai bis Anfang September wird sich parallel dazu die Sonderausstellung „Schattenzeiten – Künstler zwischen Anpassung und Widerstand“ mit dem Verhalten namhafter Künstler unter widrigen äußeren Umständen auseinandersetzen. „Wir wollten wissen, wie sich Künstler, die wir im Museum vertreten, in dieser Zeitspanne verhalten haben“, erklärte Uhrig. „So hat Gabriele Münter zunächst versucht, sich an Hitlers ‚Straßen für die Kunst’ zu beteiligen, bis sie merkte, dass es in die falsche Richtung ging.“

Das Schicksal des Malers Carl Rabus, der in einem Internierungslager in Südfrankreich gefangen war, wird ebenso beleuchtet wie jenes des Künstlers Cuno Fischer, der unter einem Malverbot stand. Die Auseinandersetzung zwischen dem Schriftsteller Walter von Molo, der in Murnau blieb, und Thomas Mann, der emigrierte, spielt gleichfalls eine Rolle wie die Freundschaft zwischen dem daheimgebliebenen Georg Schrimpf und Oskar Maria Graf, der in die USA ins Exil ging. „Wir hatten auch einen Max Dingler am Ort“, gibt Uhrig zu bedenken, der den Nationalsozialisten nahe gestanden sei – „und andererseits den Widerstandskämpfer Christoph Probst“.

Zum Jahresende gibt es mit der Sonderausstellung aus der Sammlung des verstorbenen Emmerich Bünemann einen weiteren Höhepunkt: So hat die Stiftung gleichen Namens dem Museum 150 Gemälde und über 400 Grafiken zur Verfügung gestellt, von denen ein Teil zu sehen sein wird. Besonderheit dabei: Erstmals lässt Uhrig die Präsentation ganze fünf Monate laufen – bis Februar 2021.

Bemerkenswert ist, dass der Hauptverwaltungsausschuss Uhrigs Programmvorstellung kurzfristig in den nichtöffentlichen Teil verlegte und somit auch die Presse ausschloss. Als Grund hierfür nannte Geschäftsführerin Kreszentia Oppenrieder „ein Thema, das nicht öffentlich verhandelt werden konnte, aber nichts mit dem Museumsprogramm zu tun hatte“.

Heino Herpen

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