Hier war der Biber aktiv: ein gefällter Baum im Murnauer Seidlpark.
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Hier war der Biber aktiv: ein gefällter Baum im Murnauer Seidlpark.

Schäden bleiben im grünen Bereich

Murnauer Seidlpark: So bekam man die Biber-Probleme unter Kontrolle

  • Silke Reinbold-Jandretzki
    vonSilke Reinbold-Jandretzki
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Der Biber, seit Jahren im Murnauer Seidlpark heimisch, hinterlässt mitunter unerwünschte Spuren. Das Ausmaß der Verbissschäden hat nach Angaben der Gemeinde leicht zugenommen. Probleme bleiben dabei nicht immer aus. Doch die Situation befindet sich im grünen Bereich.

  • Im Seidlpark lebt eine Biberfamilie, um die es seit Jahren gegensätzliche Ansichten gibt - mancher freut sich über sie, andere befürchten den Verlust von historischem Baumbestand.
  • Die Gemeinde stellt zwar eine leichte Zunahme bei den Verbissschäden fest, sieht die Situation aber unter Kontrolle.
  • Der Förderkreis Murnauer Parklandschaft setzt sich ein, um Bäume zu schützen. Vertreter wissen: Eine Tötung der Biber bringt nichts, da Reviere rasch neu besetzt werden.

Murnau – Eine „Plage“ stellen die Biber im Blauen Land für Gerhard F. dar. Ein Umstand, den der Murnauer in einem Schreiben an Marktgemeinde und Landratsamt beklagt. Er habe mit seiner Frau Bäume für den Seidlpark gespendet, erklärt F. darin unter anderem. Auch dort „wütet“ der Biber in seinen Augen „ungehindert“. Deshalb, schlussfolgert er, „werde ich das in Zukunft unterlassen“.

Biber im Murnauer Seidlpark: MIttlerweile ist eine Familie dort heimisch

Der streng geschützte, possierliche Nager ist seit einigen Jahren im Seidlpark zu Hause. Mittlerweile lebt nach Angaben von Daniëlle Sijbranda, die für den Landkreis als Biberberaterin wirkt, eine Familie dort, die ihr Revier verteidigt und dadurch dafür sorgt, dass die Population begrenzt bleibt. Die Eltern haben mindestens ein Jungtier. Die Gemeinde geht nach Angaben von Sprecherin Annika Röttinger davon aus, dass im Jahr 2020 sechs Biber im Seidlpark heimisch waren; Sijbranda nimmt an, dass es sich eher um weniger handelte. Die Familie halte sich bisher – und das sei gut so – an der verwilderten Südseite auf: am Ufer der beiden Weiher sowie süd-/südwestlich davon. „Nicht an der Nordost-Seite im gepflegten Park“, betont Sijbranda.

Gemeinde Murnau: Jährlich wiederkehrende Verbissschäden „in ihrem Ausmaß leicht angestiegen“

Dennoch: Die Biberfamilie gilt als sensibles Streitthema. Die einen freuen sich über die Ansiedlung, die anderen fürchten um die denkmalgeschützte Grünanlage, die sich der Architekt Emanuel von Seidl geschaffen hat. Die jährlich wiederkehrenden Verbissschäden durch die Nager seien „in ihrem Ausmaß leicht angestiegen“, sagt Röttinger. Es habe trotz zusätzlicher Schutzgitter mehrmals Verstopfungen und Beschädigungen an den Mönchbrettern – als Mönch wird ein Teich-Ablauf bezeichnet – gegeben, die dazu führten, dass ein Weiher überlief. Der Biber habe sich rund zwei Meter unter Wasser durch die Mönchbretter gefressen. Also traf man Vorkehrungen, die verhinderten, dass der Deich ein weiteres Mal überschwemmt wird.

Biber nagt an Rotbuche am Gloriettl das offene Wurzelwerk an

Auch Stämme blieben nicht verschont: „Notfällungen waren notwendig, um die Verkehrssicherheit zur Straße und den Fußweg am Weiher sicherzustellen beziehungsweise das Gebäude Schützenhaus vor zwei bereits hängenden Bäumen zu schützen“, sagt Röttinger. Auswirkungen zeigten sich zudem „am sehr stark reduzierten Baumbestand im Südbereich der Weiher und an den alten Bissschäden an einigen Parkbäumen, wie an der Rotbuche am Gloriettl“. An dieser habe der Biber trotz Schutz das offene Wurzelwerk angenagt – wohl ein Todesurteil: Die Buche weise eine massive Kronenwelke mit Totästen auf „und wird sich leider nicht mehr erholen können“.

Spur der Nager lässt sich über gefällte Stämme und Staudämme nachverfolgen

Die Spur des Bibers lässt sich anhand von Staudämmen und gefällten Stämmen gut verfolgen. Diese zeigt, dass sich der Wirkungsbereich des Tiers, das vor allem im nördlichen Landkreis bereits eine hohe Populationsdichte erreicht hat, über den ersten Weiher nach Westen hinaus und nach Osten am Bach entlang ausgedehnt hat – bis zum Fußballplatz. Trotz allem bleibt die Lage im grünen Bereich: „Insgesamt haben wir die Situation unter Kontrolle“, betont Röttinger.

Spezialanstrich und Drahthosen schützen wertvolle Bäume

Man versucht, ein Nebeneinander zu ermöglichen von Biber und Naturdenkmal. Schützenswerte Bäume, die im Bereich der Weiher bis zur Birkenallee stehen, sichern ein spezieller Anstrich beziehungsweise Drahtgitter. „Weitere Schutzmaßnahmen sind bislang nicht von Nöten und daher nicht erfolgt“, erklärt Röttinger. Da Jungbäume nachwachsen, wird man die Schutzanstriche irgendwann erneuern müssen. „Das haben wir im Blick.“

Seidlpark: Eine Tötung der Biber ist nicht geplant

Während an anderen Stellen im Landkreis längst Biber mit Ausnahmegenehmigungen entnommen wurden – was in der Regel einer Tötung gleichkommt –, leben die Nager im Seidlpark unbehelligt. „Bislang gab es keine Entnahme“, und es seien momentan auch keine in Planung, stellt Röttinger klar. Daran ändern „vereinzelte“ Beschwerden wegen Baumschäden nichts, die das Rathaus erreichen. Die Klagen verhallen nicht ungehört: „Auch deshalb beschäftigen wir uns intensiv mit dem Thema“, versichert Röttinger.

Vor Jahren hatte die Gemeinde zum Entsetzen von Tierschützern noch eine Biber-Entnahme beantragt. Die Untere Naturschutzbehörde hatten diesen Vorstoß aber abgeblockt, weil sie die „engen Voraussetzungen“ für eine Tötung nicht erfüllt sah.

Förderkreis-Vertreter bedauert Verlust von großen Bäumen, die fürs Parkbild prägend sind

Den historischen Baumbestand im Gartendenkmal wähnten damals etwa Vertreter des Förderkreises Murnauer Parklandschaft bedroht, die Seidls Grünanlage hegen und pflegen. Man habe nun eine Art Arrangement, sagt der ehemalige Vorsitzende Bernd Rogge. Sijbranda habe „versucht, uns milde zu stimmen“. Der Förderkreis unternahm, auch mit dem Verschönerungsverein, einiges, um alte Seidlbäume mit Gittern zu schützen und dem Biber junge, die nicht zum Ensemble gehören, „zum Fraß vorzuwerfen“, wie Rogge es formuliert. Er kennt das Biber-Problem indes in viel größerem Ausmaß: Als Technischer Leiter im Englischen Garten München hat er es mit über 40 Nagern zu tun. Generell findet Rogge es „bedauerlich, wenn wir Großbäume verlieren, die fürs Parkbild prägend sind“.

Doch der ehemalige Vorsitzende betont: Der Förderkreis gehe „auf keinen Fall so weit, einen Abschuss zu fordern“. Rogge weiß, dass eine Entnahme gar keinen Sinn macht, weil der Populationsdruck in der Region zu groß ist – und beim Tod des einen Bibers rasch der nächste das freie Revier bezieht.

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