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Dr. Andreas Botzlar, Chirurg an der Unfallklinik, ist Zweiter Vorsitzender des Marburger Bundes.

Tarifstreit mit Betreiber

Murnauer Unfallklinik: Ärzte treten in Streik

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Patienten und Besucher der Murnauer Unfallklinik müssen am Donnerstag, 18. Juni, wahrscheinlich mit Einschränkungen rechnen. Denn die Ärztegewerkschaft Marburger Bund ruft zu einem Warnstreik auf. Hintergrund ist ein Tarifstreit mit dem Klinikverbund, zu dem das renommierte Traumazentrum gehört.

Murnau – Die Arbeit einfach niederzulegen, um für die eigenen Interessen einzutreten, dies fällt vielen Ärzten aufgrund ihrer hohen Berufsethik nicht leicht. Entsprechend zurückhaltend klingt es, wenn Dr. Andreas Botzlar den ganztägigen Warnstreik an der Murnauer Unfallklinik (UKM) ankündigt, der am Donnerstag, 18. Juni, stattfinden soll. „Es wird nicht sein, dass Patienten zu Schaden kommen“, betont der Oberarzt, der in die Notaufnahme des Hauses tätig ist. Der Chirurg ist außerdem Zweiter Bundesvorsitzender der einflussreichen Ärztegewerkschaft Marburger Bund, die in Deutschland rund 127 000 Mitglieder zählt und den Arbeitskampf organisiert.

Eine Notfallversorgung werde auf jeden Fall aufrechterhalten, versichert der Funktionär. Aber im Routinebetrieb dürfte sich die Aktion schon bemerkbar machen. Wie viele seiner Medizinerkollegen mitmachen werden, konnte er im Vorfeld nicht sagen. Das UKM beschäftigt rund 280 Ärzte, mehr als die Hälfte davon sind laut Botzlar im Marburger Bund organisiert. Er geht davon aus, dass ein „wesentlicher Teil“ dem Aufruf folgen wird. Eine Demo oder eine Kundgebung werde es aber coronabedingt nicht geben.

Und wozu das Ganze? Der Hintergrund ist kompliziert. Im Kern fordern die Ärzte bessere Arbeitsbedingungen. In Berlin werden heute die zähen Tarifverhandlungen zwischen dem Marburger Bund und dem Dachkonzern BG Kliniken fortgesetzt. Zu dieser gemeinnützigen GmbH mit insgesamt 13 Standorten – Träger sind die Berufsgenossenschaften und die Unfallkassen in Deutschland – gehört auch die Murnauer Unfallklinik. Die Fronten sind verhärtet.

Denn seitens der BG Kliniken wurde eine bereits ausgehandelte Tarifeinigung, die unter anderem eine schrittweise Gehaltserhöhung um 6,58 Prozent vorsieht, widerrufen. Das Regelwerk betrifft alle rund 2000 Ärzte der Gruppe. Botzlar, der sich derzeit in der Hauptstadt befindet, ist über den Kurswechsel der Arbeitgeber verärgert, spricht von einer „beispiellosen Nummer“. Knackpunkt und Auslöser der Differenzen ist der künftige Umgang mit den gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten nach Bereitschaftsdiensten – ein heikles Thema in der Branche. Bislang werden diese Ruhephasen als Fehlzeiten beziehungsweise Minusstunden bewertet und von der Bezahlung des zusätzlichen Bereitschaftsdienstes abgezogen – nach Ansicht des Marburger Bundes eine „ausgesprochen ungerechte Praxis“, die schleunigst beendet werden müsse.

Die BG Kliniken zeigen sich indessen verwundert über die Streikbereitschaft und verteidigen ihren Standpunkt: „Die zum seinerzeitigen Widerruf der Tarifeinigung führende Interpretation des Marburger Bundes zu der Bewertung der Bereitschaftsdienste hätte faktisch dazu geführt, dass die Vergütung von Bereitschaftsdienstzeiten auf mehr als das Doppelte angestiegen wäre, was rechnerisch einer Tarifsteigerung von rund 9,6 Prozent entsprochen hätte“, erklärt Ingo Thon, Verhandlungsführer der BG Kliniken, in einer Stellungnahme. Deren Angebot beinhalte schon jetzt neben der besagten Tarifsteigerung eine Höchstgrenze der Wochenenddienste von maximal 24 im Jahr und eine Begrenzung der Bereitschaftsdienste pro Monat auf durchschnittlich 4,5.

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