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Dauerthema in Murnau: die verkehrstechnische Zukunft des Untermarkts. 

Vorschlag des Rathaus-Chefs

Untermarkt: Kommt ein Bürgerentscheid?

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Soll Murnaus Untermarkt eine autofreie oder zumindest verkehrsberuhigte Zone werden? Bei diesem schwierigen Verkehrsthema scheiden sich die Geister. Rathaus-Chef Rolf Beuting liebäugelt daher mit einer basisdemokratischen Entscheidung. Er schlug jetzt im Gemeinderat einen Bürgerentscheid vor.

Murnau – Mit Eingriffen in die Verkehrsströme ist es so eine Sache. Jede Veränderung hat Auswirkungen, mitunter gravierende. Denn alles hängt irgendwie miteinander zusammen. Bestes Beispiel: Murnaus Untermarkt. Vergangenes Jahr wurde bekanntlich der Abschnitt mit den kleinen Läden und schmucken Bürgerhäusern aufgrund der Rathaus-Baustelle vorübergehend zur Sackgasse herabgestuft – was im Ort eine kontroverse Debatte auslöste.

Es geht um die Frage, ob und – wenn ja – wie der Untermarkt dauerhaft verkehrsberuhigt werden soll. Grünen-Gemeinderätin Veronika Jones hatte per Antrag die Idee einer verlängerten Fußgängerzone ins Spiel gebracht – mit dem Ziel, die Einkaufs- und Aufenthaltsqualität zu steigern. Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) initiierte daraufhin eine Umfrage auf seiner Facebook-Seite und kam zum Ergebnis: „Befürworter und Gegner halten sich ungefähr die Waage. Es gibt kein eindeutiges Bild“, berichtete er in der gut besuchten Sitzung des Kommunalparlaments. Sein Fazit: „Das wäre ein gutes Thema für einen Bürgerentscheid. Alle Murnauer haben dazu eine Meinung.“ Der Gemeinderat könnte ein Ratsbegehren starten, meinte Beuting. Allerdings sollten seiner Ansicht nach zuerst die Auswirkungen einer neuen Regelung bekannt sein. Antworten soll ein Gesamtverkehrskonzept liefern, das auch die Optionen im Untermarkt untersucht.

Auf Nachfrage sagte Beuting, dass er sich vorstellen kann, grundsätzlich über die verkehrstechnische Zukunft des Untermarkts abstimmen zu lassen – nicht nur über eine Fußgängerzone. Neben dieser sind auch abgeschwächte Varianten oder eine Rückkehr zur alten Lösung denkbar. Beuting selbst favorisiert eine verkehrsberuhigte Zone, in der sich Autofahrer, Radler und Fußgänger gleichberechtigt bewegen. Die Durchfahrt in der Schlossbergstraße würde er beibehalten.

Erstaunlich: Kritik musste sich Beuting aus den eigenen Reihen anhören. Michael Manlik, Sprecher des ÖDP/Bürgerforums, konnte sich mit dem angeregten Volksvotum nicht anfreunden. Es bestehe die Gefahr einer „Zufallsentscheidung“, warnte der Ortspolitiker – und verwies auf Mittenwald, wo kürzlich eine hauchdünne Mehrheit einen Hallenbad-Neubau beschloss. Außerdem, so Manlik weiter, sei man verpflichtet, Minderheiten zu schützen. Eine Anspielung auf die Anwohner der Schwaigangerstraße, die die Folgen eines gesperrten Untermarkts wohl am stärksten zu spüren bekämen.

Der Gemeinderat legte sich nicht fest und will erst die Ergebnisse der besagten Studie abwarten. Tenor: Um Nägel mit Köpfen zu machen, sei es verfrüht. Jones’ Fußgängerzonen-Antrag wurde daher nach einem lebhaften Wortwechsel auf Empfehlung der Verwaltung zurückgestellt. Die Grünen-Vertreterin kann damit leben. Es sei ihr darum gegangen, die Diskussion anzustoßen, erklärte sie. Ohne fachliche Hilfe könne man solch eine weitreichende Weichenstellung nicht vornehmen, räumte Jones ein. Sie kündigte aber an, in einem Folgeantrag eine Testphase für einen autofreien oder verkehrsberuhigten Untermarkt zu fordern.

Mit Blick auf eine Erweiterung der Fußgängerzone waren vermehrt skeptische und ablehnende Stimmen zu hören. „Die Frage ist: Können wir uns das erlauben?“, meinte zum Beispiel Andreas Müssig (CSU). Denn solch ein radikaler Schritt hätte Auswirkungen auf alle Geschäfte in Murnaus „guter Stube“, sagte der Floristmeister, der seinen Laden neben dem Rathaus hat. Müssig griff ein Argument auf, das viele Einzelhändler teilen. Sie befürchten, dass bei einem geschlossenen Untermarkt der Ortskern schlechter mit dem Auto zu erreichen ist – und das Besucheraufkommen abnimmt. Müssig warnte eindringlich davor, das bestehende Einkaufskonzept aufs Spiel zu setzen – zumal schon jetzt über eine nachlassende Frequenz geklagt werde.

Ernst Ochs (SPD) erinnerte daran, dass Experten bereits in den 1990er Jahren der Marktgemeinde empfohlen hätten, den autofreien Bereich nicht zu groß werden zu lassen. Und Maria Schägger (Freie Wähler) gab zu bedenken, dass der innerstädtische Bereich mit dem Rathaus gerade für ältere Bürger gut erreichbar bleiben müsse.

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