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Publikumsmagnet: das Weltmusikfestival Grenzenlos im Kultur- und Tagungszentrum – hier eine Archivaufnahme des John-Potter-Ensembles aus dem Jahr 2018.

Hauptausschuss lehnt Zuschuss-Antrag ab

Grenzenlos: Hickhack geht in nächste Runde

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Der Streit um einen Zuschuss für das Murnauer Weltmusikfestival Grenzenlos des Kulturvereins kocht wieder hoch: Der Hauptausschuss schmetterte den Vorstoß des Kunstvereins ab, als Mitveranstalter aufzutreten, um doch noch in den Genuss einer Finanzspritze zu kommen. In der Debatte geriet Festivalmacher Thomas Köthe in die Kritik.

Murnau – Der Markt Murnau bleibt in Sachen Weltmusikfestival Grenzenlos seiner Linie treu. Es soll heuer keinen Zuschuss für den hochkarätig besetzten Konzertreigen geben. Zumindest lehnte der Hauptausschuss nach einer kontroversen und emotionalen Debatte mit einer 8:3-Mehrheit einen Rettungsversuch des Kunstvereins ab.

Dieser hatte vorgeschlagen, zumindest in diesem Jahr im Rahmen einer Kooperation für den Kulturverein in die Bresche zu springen und als Mitveranstalter der Reihe sowie als Antragsteller aufzutreten. Für die praktische Umsetzung wäre aber weiterhin der Kulturverein zuständig – ein Konstrukt, das den meisten Volksvertretern nicht gefiel. Tenor: Damit werde nur versucht, die Position des Gemeinderats zu umgehen. „Das ist Etikettenschwindel“, schimpfte etwa Michael Manlik (ÖDP/Bürgerforum). Beantragt worden war eine gemeindliche Zuwendung in Höhe von 28 000 Euro. Das brisante Thema ist noch nicht vom Tisch, nächste Woche beschäftigt sich der Gemeinderat damit.

Zur Erinnerung: Das Ganze eskalierte bereits im Herbst 2018. Der Kulturverein hatte sich geweigert, Gemeinderätin Dr. Elisabeth Tworek (SPD-Fraktion) als Mitglied aufzunehmen. Daraufhin strich das Kommunalparlament den Zuschuss, weil die Vereine, die von der Gemeinde Geld wollen, für alle offen sein müssen.

In die Schusslinie geriet jetzt in der Sitzung erneut Thomas Köthe, Zweiter Vorsitzender und Künstlerischer Leiter des Kulturvereins. Die Vorwürfe, die gegen ihn erhoben wurden, waren hart: Er soll unter anderem auf Facebook eine Diffamierung Tworeks betrieben haben. Diese sprach von einem „Shitstorm“, den der Chef der Musikschule gegen sie losgetreten habe. „Die Angriffe sind auf dem untersten Niveau“, sagte Tworek, die beruflich die Kulturabteilung des Bezirks Oberbayern leitet. Sie werde zum Sündenbock gemacht, während Köthe sich als Opfer präsentiere.

Mehrere Redner erklärten sich mit ihr solidarisch. Beispielsweise sprach Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) mit Blick auf Köthes Beiträge von einem „perfiden Spiel“ und von einer „Kampagne“ gegen die Reputation der Kulturreferentin. Beuting: „Ich habe den Eindruck, Herr Köthe versucht, Frau Tworek fertigzumachen.“ Auch Veronika Jones (Grüne) verurteilte dessen Verhalten scharf: „Das geht so nicht.“

Doch es wurden ebenso Stimmen laut, die forderten, die Dinge zu trennen: die Attacken gegen Tworek und die Bemühungen, das Grenzenlos-Festival heuer im Oktober abhalten zu können. „Der Kunstverein versucht, die Kuh vom Eis zu ziehen“, meinte Michael Hosp (CSU).

Köthe greift in den unter seinem Namen veröffentlichten Facebook-Posts Tworek scharf an: „Die Laufbahn dieser Kulturreferentin ist zumindest in Bezug zum Kulturverein gepflastert mit ,Leichen’ gut laufender Konzertreihen“, lautet eine Bemerkung. Und: „Tja, wenn man bei der Münchner Stadt Karriere gemacht hat, bedeutet es nicht, daß man sich in der Kunstszene auskennt.“

Köthe wies gegenüber dem Tagblatt die Kritik an seiner Person zurück: „Meine Darstellung des Ablaufs des ganzen Vorgangs als Diffamierung zu bezeichnen, passt zu den zahlreichen meine Person verunglimpfenden Behauptungen von Seiten einiger Gemeinderäte“, erklärte er. Es werde versucht, Tworek als Opfer zu stilisieren. Diese habe oft versichert, dass sie die Veranstaltungen des Kulturvereins sehr wertschätze. „Wenn ihr aber so viel an den Veranstaltungen liegen würde, hätte sie doch ihren Antrag bei dieser eindeutig negativen Resonanz aus dem Verein zurückziehen und auf die Mitgliedschaft verzichten können“, sagte Köthe. Er bedaure es sehr, dass das Anliegen des Kunstvereins im Hauptausschuss keine Mehrheit fand. Durch die vielen positiven Rückmeldungen werde der Kulturverein ermutigt, heuer mithilfe von Spenden zumindest das 20-jährige Jubiläum des Musiker-Treffens abzuhalten. Köthe: „Das gehört gefeiert, auch wenn es dann das letze Festival sein wird.“

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