Setzen sich für günstigen Wohnraum ein: (v.l.) Veronika Jones und Franziska Besser.
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Setzen sich für günstigen Wohnraum ein: (v.l.) Veronika Jones und Franziska Besser.

Nun werden Mitglieder gesucht

Murnauer Initiative für günstigen Wohnraum: Genossenschaft geht an den Start

  • Silke Reinbold-Jandretzki
    VonSilke Reinbold-Jandretzki
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Corona hat das Projekt verzögert – nun aber gehen die Gründer der Murnauer Bürgergenossenschaft in die Offensive. Ihr Ziel: Sie wollen günstigen Wohnraum für Menschen vor Ort schaffen. Dafür braucht es Kapital, Mitglieder – und vor allem: ein Grundstück.

Murnau – Auf dem Papier existiert das Konstrukt der Murnauer Bürgergenossenschaft eG seit Monaten; nun geht es darum, dieses mit Leben zu füllen. Das Gründungsteam – der Vorstand mit Franziska Besser und Franz Reger sowie die Aufsichtsräte Veronika Jones, Elmar Hayn und Jan-Ulrich Bittlinger – muss im ersten Schritt Mitglieder aller Art gewinnen und Kapital akquirieren, damit das ambitionierte Vorhaben, günstigen Wohnraum zu schaffen nur für Murnauer oder Menschen, die im Ort arbeiten, nicht in einer Schreibtischschublade endet. Schon fürs Frühjahr 2021 hatte die Genossenschaft angekündigt, „durchstarten“ zu wollen. Corona ließ das nicht zu. Jetzt scheint der richtige Zeitpunkt gekommen. Es gehe nicht um einen Kegelclub, betont Jones, die für Bündnis 90/Die Grünen im Gemeinderat sitzt, „sondern um viel Geld und Verantwortung. Das kann man nicht halb machen“.

Murnauer Bürgergenossenschaft: Kommunale Flächen sollen im Rahmen eines Erpachtmodells bebaut werden

Der Plan sieht vor, kommunale Flächen im Rahmen eines Erbpachtmodells genossenschaftlich zu bebauen – „mit einem eher symbolischen Erbpachtzins“, verdeutlicht Jones. „Anders ist es nicht möglich, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.“ Besser verweist darauf, dass man bereits mehrere Grundstücke von Privatleuten angeboten bekommen habe – doch dieses Modell scheide aus, sagt sie mit Blick auf hohe Bodenrichtwerte. Die Rechnung ginge nicht mehr auf.

Mitglieder müssen mindestens einen Anteil der Murnauer Bürgergenossenschaft erwerben

Wer in der Genossenschaft dabei sein möchte, muss mindestens einen Anteil im Wert von 1000 Euro (die Obergrenze liegt bei 500 000 Euro) erwerben – und nach Einkünften gestaffelt weitere, wenn man eine Wohnung mit bezahlbarer Miete zugeteilt bekommen möchte. Voraussetzung dafür ist, dass man in Murnau wohnt oder arbeitet. „Von lokal für lokal“, sagt Besser. Will man nur investierendes Mitglied werden, darf man auch von außerhalb kommen. Um das Projekt rentabel zu gestalten und eine Vielfalt bei den Bewohnern zu erreichen, braucht es zudem eine gewisse Zahl an Mietern. In einer Kalkulation ging man bei 14 Wohnungen von einer Investitionssumme von etwa drei Millionen Euro aus. Davon, sagt Besser, soll rund ein Drittel durch Mitgliedsanteile gedeckt werden. Das Eigenkapital sei aufgebracht, wenn sich jeder Zwölfte in Murnau einen einzigen Anteil zulege.

Gemeindliches Grundstück für eine Bebauung fehlt noch

Soweit der Plan – in der Praxis fehlt indes eine wichtige Voraussetzung: das kommunale Grundstück, auf dem die Genossenschaft bauen kann. Jones fallen auf Anhieb mehrere geeignete Flächen ein. Gemeinde und Gemeinderat müssten aber mitziehen, sonst bricht das ganze Konstrukt in sich zusammen. Bislang gab es mit der Verwaltung keinen Austausch. Hat das Gründungsteam, das nach Angaben von Jones in der Genossenschaft weder Partei- noch persönliche Interessen verfolgt, damit nicht wertvolle Zeit verschenkt? Nein, meint Besser. Sie glaubt vielmehr, dass es von Vorteil ist, erst Mitglieder zu gewinnen und dann, wenn viele Murnauer hinter dem Projekt stehen, die dem Anliegen Gewicht verleihen, Kontakt mit der Gemeinde zu suchen. Diese müsse „da auch in die Mangel genommen werden“, die Murnauer „sollten einen gewissen Druck aufbauen, damit etwas vorwärts geht“. Druck klinge immer so böse, weiß Besser. Er ziele darauf ab, dass Bürger der Politik zeigen, was sie wollen. Jones findet es ebenfalls gut, dass der Austausch wegen einer Fläche im zweiten Schritt erfolgt: „Ich halte das Vorgehen, dass erst alles in trockenen Tüchern ist und wir zunächst die Unterstützung der Menschen vor Ort haben, für ein richtiges und seriöses Vorgehen.“

Genossenschaftlicher Wohnbau: Gemeinde kann Vorgaben machen

Die Gemeinderätin sieht es als wichtig an, zunächst „den Informationssachstand herzustellen, was möglich ist über eine Genossenschaft. Sie kann Dinge, die eine Kommune nicht tun kann“; diese wiederum habe die Möglichkeit, Vorgaben zu machen.

Das Interesse der Murnauer scheint vorhanden zu sein. Zumindest hatten sich vor der Pandemie rund 300 Interessierte hinter der Genossenschafts-Idee versammelt.

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