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Wohnen als Luxus: In Murnau klettern die Mietpreise seit Jahren nach oben. 

Mutter bekommt Immobilienkrise zu spüren

Murnauerin sucht Wohnung und Job: Ein Schicksal, das berührt

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Schicksalsschläge können im Leben eine regelrechte Abwärtsspirale in Gang setzen. Bei der Murnauerin Sabine A. (Name von der Redaktion geändert) ist dies der Fall. Die Wohnungsnot im Markt verschärft das Dilemma der 50-Jährigen zusätzlich.

Murnau – Sabine A., die anonym bleiben möchte, ist verzweifelt. Im Tagblatt-Gespräch ringt sie immer wieder um Fassung. „Ich kann so nicht existieren“, sagt die Hartz-IV-Empfängerin. Dennoch wendet sie sich an die Öffentlichkeit, um ihre Notsituation zu schildern – in der Hoffnung, dass ihr jemand hilft. Auf der Wunschliste ganz oben: eine bezahlbare Wohnung und eine Teilzeitstelle. Die gebürtige Düsseldorferin, die seit den 1970er Jahren im Landkreis und seit 19 Jahren in Murnau zuhause ist, hat am eigenen Leib erfahren müssen, wie schnell man in einem reichen Land wie Deutschland sozial absteigen kann – und wie unglaublich schwer es ist, wieder auf die Füße zu kommen.

Ihre Leidensgeschichte begann vor fünf Jahren, als die Ehe mit ihrem Mann in die Brüche ging. Der Partner war schwer erkrankt, verlor seinen Job, wurde zum Pflegefall. Die Familie zerbrach. Der jüngere, inzwischen erwachsene Sohn blieb beim Vater. Die beiden leben heute in einer Sozialwohnung. Der ältere Sohn ist schwerbehindert – und zog in eine Einrichtung nach Dillingen.

Die Schicksalsschläge setzten A. zu: Sie wurde krank, bekam eine Essstörung, verlor massiv an Gewicht. Sie habe sich gesundheitlich immer noch nicht stabilisiert, berichtet sie. Zur staatlichen Hilfe verdiene sie sich als Putzfrau etwas dazu – und lebe „von der Hand in den Mund“. Geld ist knapp, jeder Euro muss zweimal umgedreht werden. Besonders schmerzhaft: Die Zugfahrten zu ihrem Großen nach Dillingen sind ein Luxus, den sich die Mutter nur hin und wieder leisten kann.

Doch damit nicht genug: Die 50-Jährige bekommt jetzt auch noch den angespannten Immobilienmarkt in der Staffelsee-Gemeinde zu spüren: In diesem Jahr flatterte ihr eine Mieterhöhung ins Haus – eine Mehrbelastung, die sie nicht schultern kann. Sie erhalte 813 Euro Hartz IV im Monat, rechnet sie vor – und soll jetzt für ihre Wohnung 635 Euro warm zahlen. Zum Leben bleibe da nicht viel übrig. „Ich weiß nicht mehr, wie es weitergehen soll“, sagt A. entmutigt. Am liebsten würde sie in eine kleinere, günstigere Wohnung umziehen. Nur: Sie findet keine.

Was die Suche erschwert: Die Murnauerin kann kein festes Arbeitsverhältnis und damit kein geregeltes Einkommen nachweisen. „Es ist wie verhext“, ärgert sich die gelernte Hotelfachfrau. „Ich merke oft Skepsis und Misstrauen.“

Sie würde gerne eine Teilzeitstelle antreten – eine, die sie auch körperlich schafft, etwa in einer Frühstückspension. Sie könnte sich auch vorstellen, fährt sie fort, bei älteren Menschen im Haushalt mitzuhelfen. Und was ist mit der Hotel- und Gastrobranche, in der händeringend Personal gesucht wird? Natürlich habe sie Angebote erhalten und schon Termine zum Probearbeiten, zum Beispiel als Küchenhilfe oder im Zimmerservice, absolviert, berichtet sie. Allerdings sei die Belastung einfach zu hoch gewesen, resümiert sie resigniert.

Ihr zur Seite steht die Murnauerin Renate Böhm. „Dieses Schicksal hat mich angerührt“, sagt sie. Die Rentnerin möchte helfen – und vermitteln. Wer eine passende Wohnung oder eine Tätigkeit für Sabine A. anzubieten hat, kann sich bei ihr unter der Telefonnumer 0 88 41/67 84 78 3 melden.

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