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Weckt Begehrlichkeiten: das alte Murnauer Postgebäude, im Hintergrund das Kultur- und Tagungszentrum.

Mehr Bewegen bringt Immobilien-Projekt ins Spiel

Murnaus alte Post weckt Begehrlichkeiten

  • Andreas Seiler
    VonAndreas Seiler
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Die Mehr-Bewegen-Fraktion möchte das Platzproblem einiger Murnauer Einrichtungen lösen – mit einem großen Wurf. Im Mittelpunkt steht dabei die alte Post. Der Gemeinderat zeigte sich in der jüngsten Sitzung nicht abgeneigt und beschloss, die Idee weiterzuverfolgen.

Murnau – „Diesen Antrag zu formulieren, war nicht einfach“, räumt Murnaus Mehr-Bewegen-Chef Phillip Zoepf ein. In der Tat ist das Immobilien-Projekt, das seine Fraktion ins Spiel gebracht hat, kompliziert, da es die angespannte Raumsituation gleich von mehreren öffentlichen Einrichtungen aufgreift und lösen soll – ohne einen teuren Neubau. Folgender Vorschlag steht im Mittelpunkt: Die Camerloher Musikschule, die bislang in der Seidl-Grundschule beheimatet ist und laut Mehr Bewegen mit aktuell über 1000 Schülern an ihre Grenzen stößt, bezieht das ehemalige Postgebäude am Ödön-von-Horváth-Platz. Das historische Bauwerk gegenüber dem Kultur- und Tagungszentrum (KTM), das nach Tagblatt-Informationen der Kommune gehört und derzeit noch an die Deutsche Post vermietet ist, weckt seit längerer Zeit Begehrlichkeiten. Beispielsweise war es als mögliches Quartier für ein Ärztehaus oder die Gemeinde-Bücherei im Gespräch.

Das Gedankenspiel von Mehr Bewegen geht aber weiter: In die freigewordenen Räumlichkeiten in der Seidl-Schule könnten dann, so die Überlegung, die Mädchen und Buben des gemeindlichen Horts einziehen. Dieser muss derzeit mit einer Übergangslösung klarkommen, die aus pädagogischer Sicht nicht ideal ist: Eine Gruppe befindet sich nämlich im Kindergarten Drachennest und eine weitere in der benachbarten Seidl-Schule. Außerdem würden Zoepf und seine Mitstreiter laut dem Antrag die Gemeinde-Bücherei ins KTM-Untergeschoss verlegen, um im Erdgeschoss mehr Möglichkeiten für das Tagungsgeschäft zu schaffen.

Die Diskussion dazu am Donnerstagabend im Gemeinderat fiel kurz aus. Lediglich der Bücherei-Umzug stieß auf Kritik. „Das ist keine Lösung“, monierte etwa Hans Kohl von den Grünen. Das Angebot für Murnaus Leseratten sollte ein Ort der Begegnung und zentral gelegen sein – und nicht im Keller verschwinden. Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) erinnerte daran, dass die beiden Leiterinnen Vera Schaub und Gundula Niemeyer dabei sind, ein neues Konzept zu erarbeiten. Zoepf meinte, dass man die Frage, wie es mit der Bücherei weitergehen soll, auch noch offen lassen könne.

Das Gremium legte sich in der Sitzung zwar nicht fest. Aber es wurde einstimmig beschlossen, die Mehr-Bewegen-Anregung weiterzuverfolgen. „Wir sollten uns das mal grob anschauen“, sagte Beuting. Konkret heißt das: Die Verwaltung wurde damit beauftragt, den Antrag hinsichtlich der Nutzungsmöglichkeiten und voraussichtlichen Kosten zu prüfen. Auch soll eine Bedarfsanalyse erstellt werden. „Dabei müssen sowohl die Bedürfnisse der Gemeindebücherei und der Camerloher Musikschule als auch die Anzahl der derzeitigen und zukünftig erforderlichen Hortplätze berücksichtigt werden“, heißt es aus dem Rathaus. Die Ergebnisse sollen dem Gemeinderat vorgelegt werden.

Beuting dämmt jedoch zu hohe Erwartungen ein: „Die Projektliste des Marktes Murnau ist für die kommenden Jahre gut gefüllt, es wird nicht alles gleichzeitig umgesetzt werden können“, erklärt er auf Nachfrage. Höchste Priorität hätten die Pflichtaufgaben Freiwillige Feuerwehr, Kindergarten St. Nikolaus und kommunaler Wohnbau. Der Bürgermeister weiter: „Dem Marktgemeinderat obliegt es aber letztendlich, Prioritäten eventuell auch neu zu setzen.“

Zoepf ist dennoch mit dem Erreichten zufrieden und spricht von einem Etappensieg: „Es kommt Bewegung in die Geschichte.“

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