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Im Murnauer Gemeinderat – hier eine Archivaufnahme von der konstituierenden Sitzung – ist die Stimmung angeknackst: Bürgermeister Rolf Beuting (r.) steht in der Kritik, das Gremium nicht genügend einzubinden. 

Gemeinderäte mit Führungsstil des Bürgermeisters nicht einverstanden 

Beuting im Kreuzfeuer der Kritik

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Murnaus neuer Gemeinderat ist noch keine zwei Monate in Amt und Würden, hat aber schon jetzt eine beachtlich hohe Betriebstemperatur erreicht. Der Grund: Einige Volksvertreter sind mit dem Führungsstil von Bürgermeister Rolf Beuting nicht einverstanden. Sie fühlen sich weder mitgenommen noch gut informiert.

Murnau – Der Beginn einer neuen Wahlperiode dient eigentlich der Orientierung und des gegenseitigen Beschnupperns. Kritiker halten sich meist (noch) zurück und loten die Lage aus. Doch Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), der nach der gewonnenen Kommunalwahl seine zweite Amtszeit antrat, bekommt schon jetzt kräftig Gegenwind zu spüren.

Der Ton der Unzufriedenen, etwaEnde Mai im Gemeinderat oder zuletzt im Hauptausschuss, ist mitunter rau – und zwar fraktionsübergreifend. Ein Insider, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, sieht bereits eine „Generalopposition“ am Werk. Seine Prognose klingt wie eine Kriegserklärung an die Adresse des Rathauschefs: „Das muss sich ändern. Sonst werden die nächsten sechs Jahre kein Spaß.“

Im Kreuzfeuer der Kritik steht Beutings Führungsstil: Er binde die Gemeinderäte zu wenig mit ein und versorge sie nicht ausreichend mit Informationen, lautet der zentrale Vorwurf. Neu ist dieser nicht. Der ehrgeizige ÖDP-Mann bekam schon häufiger vorgehalten, gerne mal im Alleingang vorzupreschen.

Verschnupft reagierten zum Beispiel einige Mandatsträger, als sie aus einer Pressemitteilung der Verwaltung erfahren mussten, dass der beliebte Wochenmarkt coronabedingt von der Fußgängerzone auf den Forsteranger-Parkplatz verlegt wurde. Wieso, fragten sie sich, wurde dies nicht mit ihnen im Vorfeld besprochen?

„Wir müssen ein Team sein. Dieses Gefühl habe ich nicht“, moniert etwa Phillip Zoepf, der im Kampf um den Chefsessel im Rathaus in der Stichwahl gegen Beuting unterlag. „Das Beste holen wir für Murnau raus, wenn wir es gemeinsam machen“, lautet sein Credo. Ihm gehe es aber nicht darum nachzutreten, betont der Mehr-Bewegen-Chef. „Ich habe meinen Frieden mit der Wahl gemacht.“

Ähnlich klingt es bei Felix Burger: „Ich wünsche mir mehr Miteinander und mehr Vertrauen“, sagt der SPD-Einzelkämpfer in Bezug auf Beutings Regiment. Rudolf Utzschneider, Sprecher der CSU, hat ein Problem mit der Informationspolitik des Rathauses. Die Qualität der politischen Einschätzungen sei im Gegensatz zu den „hervorragenden“ Stellungnahmen der Fachabteilungen mitunter „unterirdisch“, klagt er. „Da hat man manchmal den Eindruck, dass bestimmte Dinge vorenthalten werden.“ Und Beuting lasse Debatten gerne nur „dahinplätschern“.

Ausführlichere Erläuterungen zu den Themen, die behandelt und entschieden werden müssen, wünscht sich auch Veronika Jones von den Grünen. Und die Unterlagen sollten ihrer Ansicht nach früher kommen, damit man mehr Zeit habe, sich gründlich vorzubereiten.

Beuting kann indessen die Beschwerden nicht nachvollziehen. „Nie zuvor war die Information des Gemeinderats besser“, erklärt er auf Nachfrage. Die Verwaltung stelle dem Gremium seit vielen Jahren immer mehr wichtige Auskünfte und umfangreiche Sitzungsvorlagen zur Verfügung. Beuting weiter: „Seit Beginn meiner Amtszeit habe ich das noch einmal verstärkt. Ich bin jederzeit für die Mitglieder des Gemeinderats ansprechbar. Viele nutzen auch diese Möglichkeit, um Informationen einzuholen.“ Zur Überbrückung der schwierigen Rahmenbedingungen während der Corona-Krise sei sogar eine Informationsgruppe des Gemeinderats ins Leben gerufen worden, die zweimal pro Woche per Videokonferenz tagte.

Dennoch: Das Klima scheint frostig zu sein. Nicht gerade vertrauensfördernd wirkte ein Satz, den Beuting in einem Sondierungsgespräch nach der Wahl gesagt haben soll und den Zoepf im öffentlichen Teil des Gemeinderats zitierte. Der Spruch, der Spekulationen über das Politikverständnis des Gemeindechefs anheizt, lautete angeblich wie folgt: „Wahlen gewinnt man, weil man mehr Stimmen bekommt – und nicht, weil man ehrlicher ist.“ Zoepf bleibt diplomatisch: Er unterstelle Beuting zwar nicht, es mit der Ehrlichkeit nicht so genau zu nehmen. Aber: „Zumindest ploppen ein paar Fragezeichen auf.“

Und was sagt der Bürgermeister dazu? Er lässt die Attacke ins Leere laufen: „Ich kann mich an so ein Gespräch mit Herrn Zoepf nicht konkret erinnern.“ Er, so Beuting weiter, sei sehr wohl der Auffassung, dass sich der Wahlgewinn am Ende an den Stimmen zeige und andere Attribute nicht ausschlaggebend seien. Aber: „Aus dem Zitat den Umkehrschluss zu ziehen, ich hätte einen unehrlichen Wahlkampf geführt oder ich würde dem Gemeinderat nicht die Wahrheit sagen, ist für mich unverständlich.“ Genau das Gegenteil sei der Fall. Beuting weiter: „Es kamen von mir zu keinem Zeitpunkt des Wahlkampfes ein persönlicher Angriff auf meine Mitbewerber oder gar unwahre Behauptungen.“

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