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An der Spitze des Wirtschaftsfördervereins: der Murnauer Buchhändler Guntram Gattner (r.). Links ist Kassier Marco Pollini zu sehen. 

Interview mit dem Vorsitzenden des Wirtschaftsfördervereins, Guntram Gattner

Murnaus Einzelhandel: Harter Kampf  gegen die  Konkurrenz aus dem Netz

Ob nun die Online-Konkurrenz, Leerstände oder fehlende Parkplätze: Murnaus Einzelhandel hat mit einer ganzen Reihe an Herausforderungen zu kämpfen. Wir sprachen darüber mit dem Chef des Wirtschaftsfördervereins, Guntram Gattner.

Murnau – Einkaufen im Internet, hohe Ladenmieten, Leerstände und fehlende Parkplätze: Der Einzelhandel in Murnau wird von vielen Sorgen geplagt. Dies wurde einmal mehr bei der Jahresversammlung des Vereins zur Wirtschaftsförderung im Innovationsquartier deutlich. Der Erste Vorsitzende Guntram Gattner setzt unter anderem darauf, Kunden durch interessante Internetauftritte in die Läden zu locken, sowie auf moderne, attraktiv gestaltete Geschäfte und ein breit gefächertes, vielfältiges Angebot. Das Tagblatt sprach mit dem Geschäftsmann und ehemaligen Gemeinderat des ÖDP/Bürgerforums, der in der Fußgängerzone einen Buchladen betreibt, über seine Vorstellungen.

Was halten sie von der Idee, eine Online-Plattform in Form einer digitalen Einkaufsstadt auch in Murnau anzubieten?

Ich habe mir in Günzburg die digitale Einkaufsstadt angesehen. So ganz hat mich das nicht überzeugt. Ich glaube vielmehr, dass der nächste Schritt sein wird, das Angebot, das es in den einzelnen Läden gibt, medial besser rüberzubringen – also das, was der Laden ausstrahlt. Dies könnte durch Videospots geschehen, um die Leute neugierig zu machen. Das sind kleine Filme, die die Geschäftsinhaber selber drehen und ins Netz stellen können. Das Wichtigste, was wir erreichen müssen, ist, dass die Leute in die Läden gehen und nicht weiterhin im Netz einkaufen.

In Murnau flammt immer wieder die Diskussion über die Einstellung eines Citymanagers auf. Würden sie dies befürworten?

Es wäre schon schön, wenn uns jemand eine solche Arbeit, wie wir sie jetzt machen, abnehmen würde, denn wir machen das ja ehrenamtlich. Wenn wir zum Beispiel zur Organisation der Märkte eine fixe Ansprechperson hätten, dann könnten wir uns mehr um die Strukturfragen kümmern. Ich könnte mir eine bei der Gemeinde angestellte Bürokraft vorstellen, die den Weihnachts-, den Palm-, den Michaeli- und den Leonhardimarkt organisiert, koordiniert und durchführt.

Ein weiteres Problem in der Marktgemeinde sind die Leerstände. Was wollen sie dagegen unternehmen?

Die Kunden wollen moderne, attraktive und barrierefreie Läden haben, die über ein gewisses Mindestangebot verfügen. Doch das können wir nicht leisten. Wir können nur an die Vermieter appellieren, ihre Geschäfte umzubauen und zu modernisieren, und die Mietpreise so zu gestalten, dass sich die Kosten für die Einzelhändler im erträglichen Rahmen halten.

Und wo drückt sonst noch beim Einzelhandel der Schuh?

Probleme gibt es viele wie etwa die zunehmende Konzentration. Die inhabergeführten Läden werden weniger. Auch ist die Nachfolge oft ein Problem. Man muss eine gute Geschäftsidee haben, was schwierig ist in einer Zeit, wo man im Netz mit einem Schlag alles haben kann. Wir sollten vor allem bekannt machen, dass wir im Ort sehr viel zu bieten haben. Ich finde, dass uns die Gemeinde mehr unterstützen sollte. 2017 hat sie allein 719 000 Euro an Fremdenverkehrsbeiträgen eingenommen, aber im Haushalt für 2019 nur 25 000 Euro für Stadtmarketing eingestellt. Wir finden, dass das zu wenig ist.

Wie beurteilen sie die Parkplatzsituation? Gibt es zu wenig Parkplätze in Murnau?

Dass es zu wenig Parkplätze gibt, glaube ich nicht. Aber die vorhandenen sollten unbedingt erhalten bleiben. Viele fahren zwar mit dem Fahrrad zur Arbeit und zum Einkaufen. Wir müssen aber auch realistisch bleiben, ältere Menschen brauchen einfach ihr Auto. Außerdem hat sich das Einkaufsverhalten verändert, man geht jetzt oft in den Markt zum Bummeln – und nicht mehr, um die Grundversorgung sicherzustellen. Die Kunden wollen sich überraschen lassen: Hey, da gibt es was Neues, was ganz Tolles! Wir dürfen nicht vergessen, was wir in Murnau für eine große Vielfalt haben. Das Schlimmste, was passieren könnte, wäre, dass die Läden langweilig werden. Und das müssen wir verhindern.

Interview: Heino Herpen

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