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Gehören in vielen Kommunen zum Straßenbild: ehrenamtliche Helfer der Sicherheitswacht, hier in München.

Diskussion über öffentliche Ordnung

Grüne: Jugendarbeit statt Sicherheitswacht

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Braucht Murnau eine ehrenamtliche Sicherheitswacht? Diese Frage wird derzeit im Ort ernsthaft diskutiert. Die Grünen halten den Dienst für weitgehend wirkungslos – und sprechen sich klar dagegen aus.

Murnau – Die Idee einer Sicherheitswacht ist nicht neu: Der Freistaat setzt auf dieses Modell, bei dem Menschen ohne Polizeiausbildung ehrenamtlich auf Streife gehen. Sie sollen auf die öffentliche Ordnung achten und zur „Verbesserung der Sicherheitslage“ beitragen, wie es im Amtsdeutsch heißt. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ist von dem Konzept, das bereits in vielen Kommunen umgesetzt wurde, überzeugt und will es weiter ausbauen.

Auch in Murnau wird über die Einführung einer solchen Gruppe als Ergänzung zur Polizeiarbeit nachgedacht. Der Hauptausschuss beschäftigte sich bereits mit dem Thema, eine Entscheidung muss letztlich der Gemeinderat fällen. Murnaus Polizeichef Joachim Loy spricht sich für die Sicherheitswacht aus. Und auch Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) äußerte sich positiv. Als mögliche Einsatzorte sind öffentliche Flächen wie etwa die Fußgängerzone, der Kulturpark oder die Bucht im Gespräch.

Doch jetzt melden sich auch Kritiker zu Wort. Der Ortsverband der Grünen lehnt die Gründung einer Bürgerstreife ab. Bereits 2015 habe eine Anfrage der grünen Landtagsfraktion ergeben, dass dieses System „keinen nennenswerten Mehrwert“ bringe, erklärt Gemeinderätin Veronika Jones per Pressemitteilung. Man müsse das Ganze im Gegenteil äußerst kritisch sehen. „Angefangen vom nicht sehr intensiven Auswahlprozedere über eine sehr kurze Schulungsdauer, nach der man den teilweise doch heiklen Einsatzsituationen sicherlich nicht ausreichend gewachsen ist, bis hin zur mangelnden Kompetenz der Sicherheitskräfte, die letztendlich eine wirkliche Gefahrenabwehr nicht leisten können“, sagt Jones.

Die Grünen verweisen darauf, dass ebenfalls kritische Töne von der Gewerkschaft der bayerischen Polizei kämen. Und weiter: „Wir haben in Murnau kein Kriminalitätsproblem, sondern Konflikte zwischen Jugendlichen, die teilweise problematische Verhaltensweisen an den Tag legen, und Anwohnern der Plätze, an denen sie sich bevorzugt aufhalten.“ Dass sich junge Menschen im Freien treffen, Alkohol trinken und nicht immer ihren Müll wegräumen, sei kein neues Phänomen. Die Grünen kommen zum Schluss: „Wir brauchen eine gute Jugendpolitik mit ausreichenden und adäquaten Angeboten.“ Beispielsweise schlagen sie den Ausbau der Jugendsozialarbeit vor. Eine Sicherheitswacht oder verstärkte Polizeipräsenz wird ihrer Ansicht nach das Grundproblem nicht lösen – auch nicht mit Platzverweisen.

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