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Die Kulturwoche im Internet: Monika Jung, Vorsitzende des Murnauer Kammerorchesters, amüsiert sich über die Märchenerzählerin im Internet – und hofft, dass das geplante Konzert bald live nachgeholt werden kann.

Vielfältige Kunstszene stellt sich vor

Murnaus Kulturwochen im Internet: Geglücktes Experiment

Murnaus Kulturwoche, die jedes Jahr die bunte Kunstszene der Marktgemeinde vorstellt, fällt zwar heuer coronabedingt aus. Dafür ist virtuell einiges geboten. Die Initiatoren sind mit dem Online-Experiment, das noch bis Sonntag, 24. Mai, läuft und an dem sich viele Kreative beteiligen, zufrieden.

Murnau – Aus der Not eine Tugend machen: Das ist das erklärte Ziel der Initiatoren, die heuer die Murnauer Kulturwoche unter dem Motto „Märchen“ online stattfinden lassen. Relativ kurzfristig wurde die Webseite www.kultur-murnau.de vom Kulturbeirat, der Marktgemeinde und Tourist-Info ins Leben gerufen, um Kulturschaffende zu unterstützen, ihnen eine Plattform zu bieten und den Kulturinteressierten deren vielfältiges Wirken direkt nach Hause zu liefern. „Die Beteiligten hatten viel Spaß daran, sich auch mal im virtuellen Bereich auszuprobieren. Am Vormittag macht man die Aufnahmen, abends stehen sie schon als Beitrag im Netz“, berichtet Heribert Riesenhuber, Vorsitzender des Kulturbeirats, bei dem alle Fäden zusammenlaufen. Er ist begeistert vom unkomplizierten „Mitmachen“, dem tollen Zusammenspiel der Künstler. Das Ergebnis beeindruckt, davon haben sich seit dem vergangenen Freitag schon unzählige User überzeugt.

Ein Geschenk für alle, die im Herbst nicht die zauberhafte inklusive Theateraufführung der „Sportmärchen“ von Ödön von Horváth sehen konnten: Dank der Aufzeichnung hat jeder die Chance, hautnah der unbändigen Spielfreude der Schauspieler des Vereins Kunterbunt nachzuspüren. Wer tiefer in Horváths Geschichten eintauchen will, lauscht den Schauspielern Chiara Nassauer und Max Pfnür, die etliche Märchen des berühmten Schriftstellers professionell zum Besten geben.

Wer weiß schon, dass es im Schloßmuseum ein Gemälde des Murnauer Malers Johann Michael Wittmer mit dem geheimnisvollen Titel „Äsop, dem phrygischen Volk seine Fabeln erzählend“ gibt? Direkt vor diesem beeindruckenden Werk lässt man sich von Christian Jungwirth drei der berühmten Äsopschen Fabeln vortragen.

Besonderes musikalisches Highlight: Wilko Ossoba-Lochner, Leiter des Murnauer Kammerorchesters, konzertiert auf der Orgel der St. Nikolaus-Kirche. Eine höchst aufwändige Produktion, in die der Musiker viel Zeit investiert hat. Das Kammerorchester selbst macht online Appetit auf die vorerst entfallene musikalische Märchenreise „Abu Mohammed, der Faulpelz“, in dem Erzählerin Irene Konrad amüsant auf Bairisch den Auftakt des orientalischen Märchens deklamiert.

Allerhand Wissenswertes zur Ortsgeschichte vermittelt die Spurensuche des Historischen Vereins nach dem allgegenwärtigen Murnauer Drachen. So erzählt ein Schüler, wie einst der Sage nach ein schlauer Schusterbub das Untier überlistet – und dieses schließlich zum Wappentier der Marktgemeinde wird.

Kinder, die aktuell situationsbedingt viel Freizeit haben, dürften an der virtuellen Kulturwoche besonders viel Freude haben. Dr. Anja Piontek, Museumspädagogin im Schloßmuseum, erklärt den kleinen Zuhörern in einem Tutorial, wie man bunte „Märchen-Erzählsteine“ herstellt und damit selbst zum Geschichtenerzähler wird. Bereits 2015 im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit Grundschülern entstandene Texte und Collagen sind nun als virtuelle Bilderbuchgeschichten nachzuerleben.

Wer immer noch nicht genug von Märchen hat, lauscht Bertram dem Wanderer im Seidlpark oder dem Gramer Sepp am Ähndl. Auf besonders großes Interesse stößt die „Märchengalerie“ mit Bildern von Murnauer Künstlern – die Anklickzahlen zeigen dies deutlich, verrät Riesenhuber. Bei ihm sind mittlerweile auch höchst unterschiedliche Beiträge zum Poetry Slam aufgelaufen, die jetzt zur Abstimmung freigeschaltet sind. Im Märchen geht es ja stets um das Lösen von Problemen mit glücklichem Ausgang. Und auch die abgesagte Kulturwoche scheint durch den bemerkenswerten Erfindergeist vieler Kreativer ein sehr gutes Ende zu nehmen. Bis Sonntag stehen jedenfalls alle Beiträge online. Wie es mit der Homepage danach weitergeht, ist noch offen.

Barbara Jungwirth

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