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Da war die Welt noch in Ordnung: Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger (2. v. r.) 2015 bei einem Treffen des Wirtschaftsfördervereins, hier im Gespräch mit den Geschäftsleuten (v. l.) Michael Engel, Herbert Bogner und Reinhard Eisner. 

Heikle Personalie im Murnauer Rathaus

Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger vor dem Absprung

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Murnaus Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger hat zwar mit dem Innovationsquartier ein Vorzeigeprojekt geschaffen, das weit über die Landkreisgrenzen hinaus Beachtung findet. Dennoch zieht der umtriebige Rathaus-Mitarbeiter vor allem in der Ortspolitik regelmäßig Kritik auf sich. Jetzt kündigt er seinen Rückzug an.

Murnau – Das mehrfach ausgezeichnete Murnauer Innovationsquartier (IQ), das im alten Gemeinde-Krankenhaus untergebracht ist, wird gerne als Leuchtturmprojekt gelobt. Die Marktgemeinde fördert damit in erster Linie Startup-Unternehmen der Kreativbranche, um neue Arbeits- und Ausbildungsplätze zu gewinnen. Mit dem Gründungszentrum ist ein Name eng verbunden: Jan-Ulrich Bittlinger. Der Wirtschaftsförderer der Kommune, seit etwa viereinhalb Jahren im Amt, baute die 2017 eröffnete Einrichtung maßgeblich mit auf, ist treibende Kraft und Leiter des Hauses.

Doch der 45-Jährige bekam in der Vergangenheit auch viel Gegenwind zu spüren. Es wurde die Kritik laut, dass er im IQ einen autoritären und intransparenten Führungsstil pflege. Und er bekam regelmäßig den Vorwurf zu hören, sich als Wirtschaftsförderer zu wenig um die alteingesessenen Betriebe im Ort zu kümmern. Immer wieder kam es daher zu Spannungen zwischen ihm und Teilen der Ortspolitik. Erst Anfang dieses Jahres entbrannte im Gemeinderat – Bittlinger stellte seinen Jahresbericht vor – ein handfester Streit, der darin gipfelte, dass einige Volksvertreter für ein paar Minuten den Sitzungssaal verließen.

Jetzt möchte der Ohlstädter offenbar das Kapitel beenden – und kündigt seinen Rückzug an. „Ich werde mich beruflich verändern“, erklärt er auf Tagblatt-Nachfrage. Und es handle sich dabei um keine andere Stelle in der Murnauer Verwaltung. Über seine Pläne habe er Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), die IQ-Mieter und den Wirtschaftsförderverein informiert. Weitere Details, vor allem wieso er beim Markt aufhören will und wohin es ihn zieht, wollte der studierte Geisteswissenschaftler nicht verraten. Eine offizielle Kündigung ist nach Auskunft des Rathauses noch nicht eingegangen.

Bemerkenswert: Seit etwa einem Jahr ist es ziemlich ruhig um Bittlinger geworden. Zuvor war er auf der öffentlichen Bühne deutlich präsenter, betreute beispielsweise nebenbei die Pressearbeit der Kommune und mischte bei größeren Projekten der Ortsentwicklung mit.

Die Gemeinde-Verwaltung reagiert gelassen auf die Personalie. Bittlinger habe seine Absicht bereits vor etwa sechs Wochen bekanntgegeben und darauf verwiesen, dass es nach viereinhalb Jahren „völlig normal“ sei, beruflich neue Wege einzuschlagen. „Der Markt Murnau bedauert die Entscheidung Herrn Bittlingers, den Job zu wechseln. Da wir im Guten auseinandergehen, werden wir sicher einen guten Übergang auf seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin finden“, heißt es weiter. Bittlinger habe „sehr gute innovative Arbeit geleistet“.

Guntram Gattner, Ex-Gemeinderat des ÖDP/Bürgerforums und Vorsitzender des Wirtschaftsfördervereins, bedauert den Schritt: „Ich finde das sehr schade.“ Denn der Ansprechpartner für die Unternehmer habe einiges angestoßen und vorangebracht – an erster Stelle das IQ, aber auch andere Dinge wie den flexiblen Ortsbus. Gattner vermutet, dass die politischen Widerstände ausschlaggebend waren. Bittlinger habe sich „ausgebremst gefühlt“, meint der Buchhändler. Es habe aber mitunter auch im zwischenmenschlichen Bereich gehakt: „Für viele war er vielleicht zu selbstbewusst.“

Die Ortspolitik hält sich indessen zurück, die heikle Causa zu kommentieren. „Ich will keine öffentliche Personaldebatte führen“, sagt etwa Mehr-Bewegen-Chef und Bürgermeisterkandidat Phillip Zoepf.

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