Heftige Explosion in Wohnhaus: Lage unübersichtlich - vier Personen vermisst

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Hier muss investiert werden: die Kläranlage der Gemeinde Eschenlohe. 

Pumpwagen-Ladungen mit Oberauer Abwasser helfen aus der Bredouille

Nach Beinahe-GAU: Eschenloher Kläranlage wird aufgerüstet

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Eschenlohe ist im heißen Sommer 2018 knapp an einem GAU in seiner Kläranlage vorbeigeschrammt. Der Störfall hat Folgen: Die Gemeinde muss aufrüsten, damit sich ein solcher Fall nicht wiederholen kann. Das kostet – ebenso wie eine zweite „Baustelle“ im Bereich Wasser/Abwasser.

Eschenlohe – Man kam mit einem blauen Auge davon – dabei hätte viel mehr passieren können: „Es bestand die Gefahr, dass die gesamte Kläranlage umkippt“, sagt Eschenlohes Bürgermeister Anton Kölbl (CSU). „Das ist der Super-GAU schlechthin – und wir waren auf dem besten Weg.“ Kölbl weiß um die Folgen, die im schlimmsten Fall drohten: „Das Abwasser wäre ungereinigt in die Loisach gelaufen.“Doch so weit kam es nicht, weil noch rechtzeitig Erste Hilfe eingeleitet wurde.

Was war passiert? Die Kläranlage im Dorf hätte an ein paar heißen Tagen im Sommer 2018 beinahe schlapp gemacht. Kölbl spricht von einem „mittelgroßen Störfall“. Am Anfang stand ein technischer Defekt an der Becken-Belüftungsanlage, die für ausreichend Sauerstoff sorgt. Der größte von drei Motoren, die bei Hitze in Betrieb sind, versagte den Dienst, die zwei kleineren konnten den Ausfall nicht kompensieren. Folge: „Die Bakterien im ersten Becken waren kurz vor dem Absterben“, sagt Kölbl, der eigenen Worten zufolge erst nach Tagen von der Tragweite des Vorfalls erfuhr. „Das Wasserwirtschaftsamt hat sie mir klar gemacht. Es hätten sofort mobile Luftpumpen her müssen.“ So aber sei Zeit verstrichen.

Unter anderem erwies sich eine Transfusion als Rettung: Aus dem Oberauer Klärwerk wurden Pumpwagen-Ladungen Abwasser mit fitten Bakterien nach Eschenlohe gekarrt und in Becken eins eingelassen; zudem lieh man einen starken Lüftungsmotor.

Das eingeschaltete Wasserwirtschaftsamt Weilheim (WWA) forderte nach Kölbls Angaben als Reaktion eine Untersuchung. Eine Studie zeigt nun Schritte auf, mit denen man verhindern will, dass sich ein solcher Fall wiederholt. Sie sollen möglichst noch vor dem Sommer umgesetzt werden. Der Bürgermeister geht davon aus, dass diese Kosten von „mindestens 150 000 Euro“ nach sich ziehen werden. Vorgesehen sind neue Lüftungsmotoren; die defekte Maschine wurde schon ersetzt und ein ausreichend starkes Ersatzgebläse angeschafft. Eine fest installierte Messsonde im ersten Becken wird künftig den Zustand der Bakterien überwachen, bei Problemen automatisch gegensteuern und bei Bedarf Alarm schlagen. Zudem werden Luftauslässe ausgetauscht. Die Abwassergebühren, sagt Kölbl, bleiben „momentan stabil“.

Dabei muss Eschenlohe auf diesem Gebiet eine zweite „Baustelle“ beackern – und zwar an Linden-, Birken- und Murnauer Straße. Hier könnten geschätzt noch einmal 100 000 Euro fällig werden. Mit einer Machbarkeitsstudie zur Optimierung des Abwassersystems in diesem Gebiet hat sich zuletzt der Gemeinderat befasst. Das unappetitliche Problem, zu dessen Lösung ein Ingenieurbüro eingeschaltet wurde: Bei Überlastung – wegen Starkregens oder hohen Grundwasserstands – tritt Abwasser aus einem Gully an der Lindenstraße, verteilt sich und staut sich in Richtung Hauseingänge. „Die Schwierigkeiten gab es früher vereinzelt und in jüngerer Zeit vermehrt“, sagt Kölbl. Er meint: Immer mehr Menschen pumpten Wasser aus ihren Kellern unerlaubt in den Kanal, in den durch Lecks zudem Fremdwasser eintrete. „Die Kanalpumpen können diese Menge nicht mehr bewältigen“, erklärt Kölbl. Die Folge: Das Abwasser strömt aus dem Gully. Lecks sollen deshalb schnell repariert werden. Wie man weiter verfährt, gelte es zu untersuchen. Klar ist: Die marode Wasserleitung in der Eschenstraße will man auf rund 200 Metern Länge erneuern. Zudem ist geplant, Abwasser von vier Anwesen, das im Kanal nicht richtig abläuft, zu einem anderen Pumpwerk umzuleiten.

Manches ist Pflicht, anderes Kür. Was von den weniger drängenden Projekten rasch angepackt wird, hängt auch von der Finanzlage ab.

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