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Sauer: Norbert Scheffmann sieht die Belange der Anwohner nicht berücksichtigt. Im Hintergrund ist die Staatsstraße 2062 zu sehen, wo umfangreich abgeholzt wurde.  

Nach der Fällaktion an der Staatsstraße 2062

Zunehmender Lärm an Unfallklinik sorgt für Ärger

Die Holzaktion in der Nähe der Murnauer Unfallklinik sorgt bei Anwohnern für Unmut. Die Rede ist von zusätzlicher Lärmbelästigung. Einer der Anlieger fordert, dass etwas passieren muss.

Murnau – Eins stellt Norbert Scheffmann gleich mal klar: „Ich bin auch für Menschenretten.“ Er sei selber 20 Jahre bei der Bergwacht gewesen. Doch was zuletzt an der Staatsstraße 2062 nahe der Murnauer Unfallklinik (UKM) passierte, treibt dem 65-jährigen Anwohner die Zornesröte ins Gesicht. „Es ist der helle Wahnsinn.“ Das Staatliche Bauamt Weilheim ließ in großem Stil Bäume und Sträucher entfernen beziehungsweise zurückschneiden. Der Grund: Der An- und Abflug mit dem Hubschrauber muss weiterhin sichergestellt sein.

„Für Christoph gibt es Freiheit, und für uns“? Das fragt sich Scheffmann, der nördlich der Staatsstraße seit Jahrzehnten eine Ferienwohnung besitzt. Der Münchner klagt über zunehmenden Lärm. „Man kann kein Fenster mehr aufmachen. Die Anwohner leiden darunter. An die Leute, die hier wohnen, hat man nicht gedacht.“ In seinem Ärger sei er „nicht allein“, betont der Anlieger. Er fragt sich auch, was mit dem Vogel- und Baumschutz sei. Scheffmann wünscht sich eine Lärmschutzwand und eine Verkehrsberuhigung. Zudem wäre es ihm recht, wenn das Ortsschild weiter östlich stünde. Denn dann würden die Autos langsamer fahren.

Er hofft, dass etwas passiert. Er ist seit 1. Januar Rentner und wollte eigentlich verstärkt Zeit in der Murnauer Ferienwohnung verbringen.

In puncto Lärmschutzwand kann ihm Nadine Heiß vom Staatlichen Bauamt Weilheim keine Hoffnung machen. „Das ist gesetzlich klar geregelt.“ Eine solche Wand wäre ihr zufolge möglich, „wenn ich eine wesentliche Änderung habe, also wenn ich zum Beispiel die Kapazität einer Straße erhöhe“. Das sei hier aber nicht der Fall.

Und eine Versetzung des Ortsschildes? Dies ist nach Angaben von Franziska Klein, Sprecherin des Landratsamts, „nicht möglich, da diese nur dort aufzustellen sind, wo die geschlossene Bebauung auf einer der beiden Seiten der Straße beginnt oder endet“. Eine solche liege vor, „wenn die anliegenden Grundstücke von der Straße erschlossen werden“. Die Ortstafel im Bereich der Unfallklinik „wurde circa 50 Meter vor dem ersten erschlossenen Grundstück, hier die Zufahrt zum UKM, aufgestellt“. Außerdem dürfe ein Ortsschild nicht zur Regulierung der Geschwindigkeit verwendet werden. „Dies wäre rechtswidrig und würde auch zu Problemen bei der Ahndung führen.“

Die Geschwindigkeit zu begrenzen, sieht die Kreisbehörde ebenfalls kritisch. Eine solche Anordnung sei „nicht rechtssicher vollziehbar“. Klein beruft sich dabei auf die derzeitigen Beurteilungen der Gefahrenlage durch das Landratsamt in Abstimmung mit der Polizei und dem Staatlichen Bauamt Weilheim.

Zurück zum Gehölzrückschnitt. Diesen hat die Straßenmeisterei Oberau abgeschlossen. Laubholz liegt aber noch am Straßenrand. Am heutigen Dienstag rücken nach Heiß’ Angaben Mitarbeiter des Forstamts mit dem Spürhund an. Denn das Gebiet liegt in der Quarantänezone zur Bekämpfung des Asiatischen Laubholzbockkäfers. Am morgigen Mittwoch soll das Material dann gehäckselt werden. Ende der Woche werden die Arbeiten dann abgeschlossen sein.

Der Holzaktion liegt ein Bescheid der Regierung von Oberbayern zugrunde. Dieser ist aktuell laut einer Sprecherin nichts von Plänen bekannt, dass der Hubschrauber künftig auch Richtung Norden, wo Wohnhäuser stehen, starten kann. Wenn es sich um einen Rettungsflug handelt, könnten die Piloten aber „in Abwägung der Gesamtsituation einschließlich der medizinischen Verfassung des Patienten im Einzelfall auch andere, weil kürzere und direktere An- und Abflugwege wählen“.

Anwohner Scheffmann hat sich mit seinem Problem an die Gemeinde Murnau gewandt. Am 1. Mai hat er einen Termin bei Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum).

Roland Lory

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