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Nach fünf Jahren nichts außer Erdhaufen: Forschungszentrum in Murnau lässt auf sich warten

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Von: Roland Lory

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Ein Blick auf die noch unbebaute Fläche im Zentrum des Murnauer Kemmelparks.
Ein Blick auf die noch unbebaute Fläche im Zentrum des Murnauer Kemmelparks. © Herpen

In den Reihen des Murnauer Marktgemeinderats regt sich Unmut, dass im Kemmelpark von einem Forschungszentrum nach wie vor nichts zu sehen ist. Der Investor beteuert, dass er das Großprojekt so schnell wie möglich durchziehen will. Es steht ein zweistelliger Millionenbetrag im Raum.

Murnau – Vor bald fünf Jahren hatte der Murnauer Marktgemeinderat eine wichtige Entscheidung zu fällen. Dabei ging es um die Frage, was mit der freien Filetfläche im Kemmelpark passieren soll. Drei Optionen gab es: Forschungszentrum, Hotel oder Wohnen-und-Gewerbe-Lösung. Am Ende bekam das Forschungszentrum der Firma Neurovision Pharma GmbH den Zuschlag. Ende März 2017 war das. Doch von einem solchen Bau ist nach wie vor nichts zu sehen. Erdhaufen sind zu besichtigen, zudem parken dort Autos.

Aus den Reihen der Gemeinderäte wird Kritik laut. Veronika Jones (Grüne) spricht von „großem Unmut, dass nichts passiert“. Der Markt Murnau habe nicht viele Gewerbeflächen und Entwicklungspotenziale. Jones findet: „Wenn keine ernsthafte Absicht dahinter steht, sollte man versuchen, das Grundstück wieder in kommunale Hände zu bekommen.“ Ihre Geduld sei „ausgereizt“. Sie frage sich im Nachhinein, „ob wir die falsche Entscheidung getroffen haben“.

Unerfüllte Erwartungen

Auch CSU-Fraktionschef Rudolf Utzschneider stellt die aktuelle Situation nicht zufrieden. „Man hat Riesenerwartungen geweckt. Die sind nicht erfüllt worden.“ Utzschneider kritisiert die Informationspolitik der Rathaus-Verwaltung. Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) erwähnte im vorigen Jahr, dass ein Runder Tisch mit mehreren am Projekt Beteiligten eingeführt worden sei. Utzschneider: „Der Gemeinderat wurde nicht informiert, wann der zusammenkommt und was besprochen wurde. Wir stochern im Nebel.“ Die 150 Arbeitsplätze, von denen Beuting 2017 gesprochen habe, gebe es jedenfalls noch nicht.

Der Bürgermeister geht auf Tauchstation. Er will sich zum aktuellen Sachstand, einem etwaigen Rückkauf der Fläche oder auch zum Runden Tisch nicht äußern. „Für den erfolgreichen Abschluss von Projekten ist es wichtig, dass der Markt Murnau als verlässlicher und vertrauensvoller Partner wahrgenommen wird“, betont er. „Ich bin der Meinung, dass Verschwiegenheit bezüglich vertraulicher Gespräche mit Investoren hierfür ein grundlegender Baustein ist.“ Wie dies andere beurteilen, liege nicht in seiner Hand.

Bei der Firma Neurovision ist man auskunftsfreudiger. Professor Ulrich Bogdahn, einer der Gesellschafter und Geschäftsführer, unterstreicht: „Wir wollen das Projekt durchziehen. Es sieht sehr gut aus, es ist aber mühsam.“ Das Vorhaben sei „anspruchsvoll“. Medizinische Entwicklungen durchfinanziert zu bekommen, sei nicht ganz einfach. Die Investition taxiert Bogdahn, ehemals Direktor der Klinik und Poliklinik der Universität Regensburg, auf einen zweistelligen Millionenbetrag. 75 bis 150 Arbeitsplätze sollen in Murnau entstehen. Die Zeitachse skizziert Bogdahn so: „Die Neurovision will das Ganze so schnell wie möglich konkret umsetzen.“ Die Architektenplanung sei „weit fortgeschritten“. Der Standort Murnau sei „perfekt. Besser könnte es nicht sein.“ Bogdahn ist auch Geschäftsführer der Bio-Tech-Firma Velvio GmbH, ein Medikamentenentwickler, der mit der Neurovision eng zusammenarbeitet. Beide Firmen setzen das Murnauer Projekt um.

Kooperation mit Unfallklinik

Die Verantwortlichen visieren eine Kooperation mit der Unfallklinik an. „Da müssen noch Details geklärt werden“, macht Bogdahn deutlich. Die Unfallklinik mit dem Zentrum für Rückenmarkverletzte „ist unverändert stark an einer Forschungskooperation mit der Neurovision Pharma GmbH interessiert“, erklärt Lisa Schwede, Leiterin des Ressorts Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation. „In Forschungskooperationen mit konkreten Fragestellungen zur Neuroregeneration sehen wir nach wie vor ein großes Potenzial zum Nutzen unserer Patienten – nicht nur von Patienten mit Rückenmarkverletzungen, sondern generell für Patienten mit Verletzungen oder Erkrankungen des zentralen Nervensystems.“ Neuroregeneration ist ein Oberbegriff für Vorgänge, die zur Wiederherstellung verloren gegangener Nervenzellfunktionen beziehungsweise zum Ersatz von untergegangenen Nervenzellen führen.

Der nächste Schritt wäre nun laut Schwede die gemeinsame Gestaltung von Studienprojekten. „Hier hoffen wir auf konkrete Fragestellungen seitens der Neurovision Pharma GmbH, um dann gemeinsame Studien zu konzeptionieren und starten zu können.“

Die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik beherbergt nicht nur ein großes Zentrum für Rückenmarkverletzte, es gibt auch einen hohen Anteil an Patienten mit einer sogenannten „frischen“ Querschnittlähmung. Daher wäre, so Schwede, „der Standort Murnau für eine Forschungskooperation unserer Meinung nach sehr sinnvoll“.

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