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Voller Markt: Die Murnauer Kunstnacht zieht immer wieder tausende Menschen an.

Diesjähriges Ereignis ist in akuter Gefahr, die weitere Zukunft offen

Nach Tod des Veranstalters: Murnauer Kunstnacht steht auf der Kippe

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Einem Publikumsrenner droht das Aus: Nach dem überraschenden Tod des langjährigen Veranstalters Rupert Reggel könnte auch die Murnauer Kunstnacht sterben. Zwei Wegbegleiterinnen Reggels schlagen Alarm. Doch es gibt eine Chance auf Rettung.

Murnau – Rupert Reggel wähnte sich des öfteren an einem Punkt, an dem er hinwerfen wollte. Doch er machte weiter, immer weiter, weil er „unheimliches Potenzial“ sah. 2018 organisierte Reggel die 13. Murnauer Kunstnacht. Heute weiß man: Es könnte die letzte gewesen sein.

Der Event-Veranstalter ist am 1. Juni überraschend gestorben, und um sein Kind Kunstnacht, das mit einem bunten Programm, Ausstellungen in Galerien und Geschäften sowie Live-Musik in Lokalen und unter freiem Himmel jedes Jahr tausende Besucher anzog, steht es schlecht. Zwei Wegbegleiterinnen machen nun auf die zappendustere Situation aufmerksam, auch um Rettung zu mobilisieren: Marlene Grosser, in deren Verlag das Magazin Holiday Event erscheint, mit dem Reggel eng verbunden war, sowie Event-Veranstalterin Iris Mühle, die bis 2014 bei der Kunstnacht mit im Boot saß und mit Reggel zum Beispiel noch die GapLiveNight stemmte. Diese, sagt Mühle, „soll weiter bestehen“.

Murnauer Kunstnacht: Schreiben an Wirtschaftsförderer über Wochen unbeantwortet

Das ist im Fall der Kunstnacht – wie auch bei der Mittenwalder Mittnacht – längst nicht ausgemachte Sache. Mühle hat deshalb nach eigenen Angaben vor fünf Wochen ein Schreiben an Jan-Ulrich Bittlinger, Wirtschaftsförderer der Marktgemeinde Murnau, geschickt „mit der Bitte um ein baldiges Gespräch“ mit ihm, Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) und der Spitze des Vereins zur Wirtschaftsförderung. „Leider bisher ohne Antwort“, sagt Mühle am Sonntag; vergangene Woche hatte sie im Bürgermeister-Vorzimmer noch nachgehakt mit dem Hinweis, dass sie eine rasche Antwort brauche. „Sonst sind wir nicht mehr in der Lage, die Kunstnacht auf die Beine zu stellen.“ Denn die Zeit drängt, soll die Veranstaltung zum gewohnten Termin (2. Oktober) stattfinden. Im Vorfeld sieht Mühle viel Klärungsbedarf und die Notwendigkeit einer Grundsatzentscheidung: Wollen Gemeinde und Wirtschaftsförderverein, dass die Kunstnacht fortgeführt wird? „Das ist allerdings nur möglich, wenn alle Hand in Hand arbeiten und sich einbringen“, betont Mühle. „Es geht darum, dass man sich zusammensetzt und überlegt: Was wollen wir? Und wer trägt welchen Teil bei?“ Die Organisation sei „wahnsinnig viel Arbeit“. Eine One-Man-Show wie bei Reggel wird es nicht mehr geben. Dieser habe die Kunstnacht finanziert und veranstaltet, „und sie war in den vergangenen Jahren ein massives Draufzahlgeschäft“, sagt Mühle. Es geht ihr eigenen Worten zufolge nicht in erster Linie um den schnöden Mammon: „Aber wir wollen nicht Geld mitbringen müssen für einen Haufen Arbeit.“ Mühle beklagt eine Trittbrettfahrer-Mentalität. Die „wunderbare Veranstaltung“ habe im Laufe der Jahre eine Eigendynamik entwickelt. Neben treuen Wirten und Unterstützern „hängten sich viele einfach dran“. Die Zahl der teilnehmenden Lokale, über die Reggel Einnahmen generierte, sank jedoch. Grosser und Mühle sagen, sie wollen „aufrütteln“. Mühle hofft, dass jeder, der von der Kunstnacht profitiert, einen kleinen Beitrag leistet. „Wenn es diese Bereitschaft nicht gibt, ist die Kunstnacht mit Herrn Reggel gemeinsam verstorben.“

Murnauer Kunstnacht: Vertreter der Geschäftswelt würde Aus bedauern

Das sähe Guntram Gattner mit Bedauern: „Ich würde die Kunstnacht nicht einfach widerstandslos sterben lassen“, sagt der Vorsitzende des Vereins zur Wirtschaftsförderung. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sei die Veranstaltung uninteressant, „aber sie war eingeführt und ein schönes und für Murnau gutes Ereignis“. Die Frage sei: Wer macht’s? „Das können wir auf ehrenamtlicher Basis nicht ganz alleine stemmen.“ Als ersten notwendigen Schritt sieht Gattner ein Gespräch mit dem anvisierten Kreis. Ihm ist klar: „Die Organisation kann es nicht umsonst geben.“ Er plädiert dafür, nichts übers Knie zu brechen und – was Mühle angesichts des engen Zeitplans als eventuell unumgänglich ansieht – lieber ein Jahr mit der Kunstnacht auszusetzen, um 2020 neu zu starten. „Vielleicht mit anderem Inhalt und Konzept“, sagt Gattner.

Auch Beuting würde auf das Ereignis offenbar ungern verzichten: „Es war eine lockere und bunte Veranstaltung, die immer gut besucht war. Wir würden uns freuen, wenn es weitergehen könnte.“ Rathaus-Sprecherin Nina Herweck-Bockhorni schreibt am Montag, Beuting habe „bereits telefonisch versucht, mit Frau Mühle in Verbindung zu treten, um mit ihr über die Kunstnacht zu sprechen“. Man gehe „davon aus, dass noch diese Woche ein Gespräch stattfinden kann“.

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