Arbeiter von Auto angefahren und verletzt

Freispruch: Brille spielt entscheidende Rolle

Ein Mann, der auf der Staatsstraße zwischen Ohlstadt und Murnau arbeitete, wurde von einem Auto angefahren und verletzt. Die Polizei ermittelt als Verursacher einen Rentner, der es aber nicht gewesen sein will. Der Zeuge kann ihn auch nicht eindeutig identifizieren. Eine Brille spielt dabei die entscheidende Rolle.

Ohlstadt – Mit einer höchst aufwändigen Methode versuchten jetzt die Polizei Murnau und Amtsrichter Andreas Pfisterer, einem Autolenker auf die Spur zu kommen. Der hatte das Weite gesucht, nachdem er auf der Staatsstraße zwischen Ohlstadt und Murnau einen dort tätigen 44-jährigen Bauarbeiter angefahren und leicht verletzt hatte. Daraufhin hatte man aufgrund seines Autotyps bereits einen 71-jährigen Ohlstädter als Verdächtigen aufgetan. Dieser bekam einen Strafbefehl, bestritt aber jegliche Schuld und erhob Einspruch dagegen.

Deshalb sollte nun das Unfallopfer im Gerichtssaal bei einer Art „Menschenbeschau“ unter acht ähnlich wirkenden älteren Herren jenen herausfinden, der als Täter in Frage kam. Doch auch das funktionierte nicht, denn ausgerechnet eine Brille war der Knackpunkt: Der Verdächtigte fährt nämlich stets nur mit Brille, der Arbeiter jedoch hatte den Unfallfahrer mit Sicherheit ohne Brille gesehen. Fazit: Der Richter musste das Verfahren einstellen. „Die Brille ist zweifellos der Knackpunkt“, unterstrich Richter Pfisterer die wichtigste Aussage des Beschuldigten und erklärte, dass die vielen Ungereimtheiten zu einer Verurteilung in diesem Fall wohl nicht ausreichten. „Es gibt zu viele Zweifel.“

Aufgrund des Autotyps und der Farbe sowie einer „Wahllichtbildervorlage“ hatte die Polizei Murnau zusammen mit dem Geschädigten einen 71-jährigen Ohlstädter als wahrscheinlichen Fahrer ausgemacht. Vom Amtsgericht bekam der Rentner prompt einen Strafbefehl von 2800 Euro (70 Tagessätze à 40 Euro) sowie drei Monate Fahrverbot aufgebrummt. Doch der Mann fand sich damit nicht ab und erhob Einspruch. Zusammen mit Rechtsanwältin Nicole Weiß (Ohlstadt) bestritt er heftig, mit dem Vorfall etwas zu tun gehabt zu haben. Die Polizei war nicht untätig und hatte für die Verhandlung eine Live-Gegenüberstellung von acht ähnlich aussehenden Männern mit dem Unfallopfer arrangiert. Und siehe da: Der 44-jährige Arbeiter identifizierte auch diesmal den 71-jährigen Ohlstädter als vermutlichen Fahrer.

Der Rentner wehrte sich freilich weiterhin gegen jegliche Art der Verdächtigung: Ausnahmslos trage er beim Fahren eine Brille, erklärte der Mann. Der Arbeiter hatte jedoch keine gesehen. Im Gegensatz zur Aussage des Unfallopfers, das Auto sei „mit quietschenden Reifen“ davongefahren, könnten seine Reifen gar nicht quietschen, meinte der Angeklagte: „Mein Wagen hat ein Anti-Schlupfregelung.“ Ohnehin sei er zum Zeitpunkt des Geschehens gar nicht auf jener Straße gefahren.

Wolfgang Kaiser

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