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Nach einem Schlachtfeld benannt: der Kemmelpark, das Wohn- und Gewerbegebiet im Norden Murnaus. Im Bild ist die Fassade des Einkaufszentrums zu sehen.

Bezeichnung geht auf blutige Schlacht zurück

Der richtige Name? Debatte um „Kemmelpark“ flammt neu auf

Die Schlacht um den Kemmelberg im belgischen Flandern jährt sich 2018 zum 100. Mal. 86 000 deutsche Soldaten, 82 000 Engländer und 30 000 Franzosen kamen damals ums Leben. In Murnau flammt jetzt die Debatte um die Bezeichnung Kemmelpark neu auf.

Murnau– SPD-Gemeinderätin Elisabeth Tworek zeigt sich gegenüber diesem Tagblatt „überzeugt, dass eine Umbenennung so manchen Gedankenlosen zum Nachdenken anregen könnte“. Denn jeden Tag seien sehr viele Menschen mit diesem Namen konfrontiert, ohne zu wissen, woher er kommt und an wen er erinnert. „Eine Umbenennung müssten aber an erster Stelle die Anlieger und Bewohner des Kemmelparkes wirklich wollen“, betont Tworek. „Sie müssten am Prozess der Namensänderung und Namensfindung beteiligt werden. Nur so könnten wir mit einem gut gewählten neuen Namen ein Zeichen des sozialen Friedens und Miteinanders in Murnau setzen.“ Denn die Bewohner und Anlieger hätten später gegebenenfalls die Hauptlast der Umbenennung (darunter neue Adresse, neues Briefpapier, neue Leuchtreklamen) zu tragen.

Die Bezeichnung Kemmelpark mache sie seit vielen Jahren nachdenklich, sagt Tworek. „Viele der Fakten sind bekannt und wurden im Murnauer Tagblatt bereits mehrfach thematisiert.“ Bevor sie als Gemeinderätin in die Debatte einsteigt und einen Antrag stellt, will sie jedoch im Marktarchiv die Benennung der Artillerie-Kaserne 1939 in Kemmel-Kaserne und die Wiederbelebung dieses Namens 1972 recherchieren. Folgende Fragen bewegen die SPD-Rätin: Welche Beweggründe hatten die zuständigen NS-Behörden, diese strategisch wichtige Kaserne 1939 in Kemmel-Kaserne zu benennen? Gibt es dazu im gleichgeschalteten Murnauer Tagblatt von 1939 Aussagen? Welche? Warum wurde der alte Name Kemmel-Kaserne am 25. Januar 1972 beim offiziellen Flaggenwechsel zwischen US-Army und der Bundeswehr wiederbelebt? Kam damals eine Debatte in Gang, einen anderen Namen für die Kaserne zu wählen? Wenn ja, welche Namen standen zur Auswahl? Mit welchen Argumenten entschied man sich für „Kemmel-Kaserne“?

Eines ist klar: Die Helden und Schlachten des Ersten Weltkriegs wurden von der Kriegspropaganda der Wehrmacht und vom Nazi-Regime vereinnahmt. 1937/38 begann eine regelrechte Traditionsoffensive. Sie diente der ideologischen Aufrüstung. Auch die Kemmelkaserne ist hier zu nennen. Heute ist das ehemalige Militärareal ein Wohn- und Gewerbegebiet; aber auch eine Schule und weitere Kindereinrichtungen sind dort untergebracht.

In der Vergangenheit waren bereits öfter Forderungen nach einer Umbenennung laut geworden. „Der Name ist unerträglich. Er muss weg“, betonte etwa 2014 der Journalist Gottfried Hilscher. Bereits im Jahr 2000 hatte er sich für ein Verschwinden des Namens stark gemacht. „Es käme auch niemand auf die Idee, eine Kaserne nach Stalingrad zu benennen“, hatte Hilscher damals erklärt.

Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) weist darauf hin, dass die Namensgebung beim Kemmelpark 2005 aus einem Bürgerbeteiligungsprozess hervorging. Seitens des Marktes Murnau sei geplant, eine Informationstafel anzubringen, die die Herkunft der Bezeichnung erläutert. Beuting ist „für die Beibehaltung des Namens, auch weil er uns in Erinnerung hält, welches Leid Kriege verursachen, wie wichtig es ist, den Frieden unter den europäischen Völkern zu wahren und uns und nachfolgende Generationen mahnt, alles dafür zu tun, dass es nie wieder Schlachten wie jene am Kemmelberg gibt“.

Der Kaufbeurer Publizist Jakob Knab, der bereits 2014 eine Eingabe an Beuting schickte, schlägt jetzt erneut vor, eine Gedenktafel aufzustellen. Und zwar im April 2018, wenn sich die Schlacht zum 100. Mal jährt. Knab könnte aber auch mit einer Info-Tafel leben, „auf der die Opfer gewürdigt werden. Das wäre ein Schritt in die richtige Richtung“.

Roland Lory

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