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Günstige Wohnungen und eine neue Zufahrt für die Murnauer Kaserne

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Von: Andreas Mayr

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Rege Diskussion: Oberstleutnant Stefan Eisinger, Kommandeur in Murnau, neben dem Landtagsabgeordneten der CSU, Harald Kühn (l.), und Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting (M.) beim Sommerempfang des IT-Bataillons 293 der Werdenfelser Kaserne im Offiziersheim.
Rege Diskussion: Oberstleutnant Stefan Eisinger, Kommandeur in Murnau, neben Harald Kühn (l.) und Bürgermeister Rolf Beuting (M.) beim Sommerempfang des IT-Bataillons 293 der Werdenfelser Kaserne im Offiziersheim. © Andreas Mayr

Beim Sommerempfang der Bundeswehr in Murnau trägt Kasernen-Kommandeur Stefan Eisinger Wünsche an Bürgermeister Rolf Beuting heran. Auf der Wunschliste ganz oben stehen eine neue Zufahrt zum Kasernen-Gelände und günstige Wohnungen für die Soldaten. Aber auch Corona und der Krieg im Osten Europas waren prägende Themen.

Murnau – Normalerweise treffen sie sich hier im Januar. Der Bürgermeister wünscht dann gerne ein friedliches und gesundes neues Jahr, bevor man sich mit einem Getränk an den Stehtischen verabredet. In diesem Jahr aber modelte die Bundeswehr ihren Neujahrsempfang zum Sommerempfang um. Und wie Rolf Beuting, der Bürgermeister von Murnau, festhielt, war es 2022 ziemlich schnell dahin mit einem gesunden (Stichwort Corona) wie friedlichen (Ukrainekrise) Jahr. Der Krieg im Osten Europas hat auch die Lage vor Ort komplett verändert. Eisinger lacht an diesem Abend im Offiziersheim mitten im Kemmelpark viel. Wenigstens ein Abend in gelöster Atmosphäre neben dem stressigen Alltag. Der Oberstleutnant kommandiert 650 Soldaten in der Werdenfelser Kaserne, wobei eigentlich nur um die 350 täglich zur Verfügung stehen. Der Rest bildet sich fort, wird in Krisengebieten eingesetzt oder in anderen Bereichen gebraucht, womit man schon auf ein Kernproblem gestoßen ist. Eisinger erzählt eine Geschichte, passiert am Tag des Empfangs, am Mittwoch. In der Kaserne traf sich das psychosoziale Netzwerk. Ein Gremium, das sich um die psychische Gesundheit der Soldaten sorgt und die Belastung der Truppe regelmäßig prüft. „Derzeit noch alles okay“, übermittelte der zuständige Psychologe. Allerdings dürfte das schnell umschwingen. Denn zusätzlich zu den bisherigen Aufgaben kommt ein ganz neues, riesiges Feld auf das IT-Bataillon 293 zu, einfach so obendrauf: die Verteidigung der NATO, konkreter, die Ostflanke des Bündnisses. „Wir müssen die schützende Hand über die Soldaten halten, um die Belastung auszubalancieren“, sagt Eisinger.

In den Jahren 2023 und 2024 wird Murnau das Hauptkontingent der Technikkräfte in Mali und Osteuropa stellen, neben Einzeleinsätzen in Irak, Jordanien, Pakistan, Kosovo und Bosnien-Herzogowina. Nach dem Angriffskrieg Russlands, begonnen am 24. Februar, sieht Eisinger „eine Zeitenwende der Außen- und Sicherheitspolitik“ – mit ganz direkten Auswirkungen für den Standort Murnau. Jahrelang musste man die eigenen Mannen nicht in Flug- oder Panzerabwehr schulen. Genauso übte niemand Schießen auf lange Distanz. Derlei militärische Fähigkeiten müssen die Soldaten wieder erlernen, sagt der Kommandeur. Genauso wird verlangt, das Material der IT-Fachmänner schneller, beweglicher und überlebenssicherer zu gestalten. Innerhalb von wenigen Stunden müssen die Soldaten Elemente konfigurieren. Kurzum, die Bundeswehr muss sich auf diese Art Krieg einstellen. „In Deutschland dachte man, dass wir die Front nie wieder verteidigen müssen“, sagt Stefan Eisinger.

Seit Wochen bereits wird Material geliefert. Der Zulauf passt. Genehmigt wird vieles ziemlich schnell. Nur nutzen können sie nicht alles, weil die Infrastruktur fehlt. Manche Transporter kommen nicht einmal in die Kaserne, um ihre Ladung abzuladen. Sie passen nicht durch die Einfahrt. Deshalb nutzte der Kommandeur den Festabend auch, um zwei Wünsche bei Bürgermeister Beuting anzubringen. Einmal ging’s um den Umbau der Kaserne, großräumig geplant. Gerade eine neue Einfahrt im Norden liegt den Soldaten am Herzen, die vieles im logistischen Bereich einfacher machen würde. Vonseiten der Bundeswehr ist alles genehmigt. Seit einigen Jahren schlummern die Pläne bei der Landesbaubehörde. Gemeinsam mit Beuting strebt Eisinger eine flotte Lösung an. Im Tagblatt-Gespräch stellt Beuting klar: „Die neue Einfahrt wird kommen, das ist eigentlich fix.“

Punkt zwei auf Eisingers Wunschliste nahm der Block „bezahlbarer Wohnraum“ ein. Beinahe wöchentlich beantragen Unteroffiziere einen Nebenjob – weil ihnen der Verdienst nicht reicht. „Eine Schieflage, die wir schleunigst beheben müssen“, betont Eisinger im Tagblatt-Interview. Er sieht zum einen die Politiker vor Ort in der Pflicht, sich für die regionale Ergänzungspauschale, so etwas wie eine Bonuszahlung in teuren Gegenden, stark zu machen. Zum anderen fordert er Wohnungen für IT-Feldwebel in Murnau. An der Reschstraße sollen ja 40 bis 50 neuen Apartments entstehen, die die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, kurz BImA, baut.

Erst mit dieser Kombilösung „entspannt sich die Lage“, stellt der Bataillonschef klar. Dann wäre das Führungspersonal endlich dort angekommen, wo sowohl Bürgermeister als auch Kommandeur die Bundeswehr sehen: in der Mitte des Marktes und in der Mitte der Gesellschaft.

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