+
In Reih und Glied: (v.l.) Alexander Dobrindt, Michaela Urban (Vorsitzende Ortsverband der Frauen-Union), Dr. Michael Rapp, Ilse Aigner, Alexandra Bertl und Harald Kühn beim CSU-Neujahrsempfang in Murnau.

Neujahrsempfang der Murnauer CSU

Wahl 2020: Rapp lässt Ambitionen offen

Beim Neujahrsempfang der Murnauer CSU geht es gerne um große Politik. Altbürgermeister Dr. Michael Rapp (CSU) setzt einzelne lokale Spitzen – etwa mit dem „Wunsch“, dass der Gemeinderat zurückfindet zu mehr Gemeinschaftssinn. Zu eigenen Ambitionen sagt er nichts.

Murnau – Wenn die Murnauer CSU zum Neujahrsempfang einlädt, dann erscheint fast alles aus Gesellschaft, Politik und öffentlichem Leben, was Rang und Namen hat. Der Abend im Hotel Alpenhof stellt ein Ereignis in der Gemeinde dar. Alle Jahre wieder kann sich der CSU-Ortsverband mit mindestens einem der bekannten Partei-Gesichter schmücken. Am Montag kamen gleich zwei: Landtags-Präsidentin Ilse Aigner sowie der Peißenberger Abgeordnete Alexander Dobrindt, Chef der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag.

Die Reden, die an diesem Abend die Besucher im Alpenhof – Hotel-Betreiber Christian Bär, zugleich stellvertretender Ortsvorsitzender der CSU, schätzte die Zahl auf „rund 280“ – hörten, deckten eine große Bandbreite an politischen und gesellschaftlichen Themen ab. Und wie immer präsentierten sich die CSU-Vertreter der verschiedenen Ebenen als gut eingespieltes Team. Die anderen wurden jeweils herzlich gelobt und bekamen Torvorlagen zur Verwertung. Ans Rednerpult traten neben den Top-Gästen Landtagsabgeordneter Harald Kühn, Bezirksrätin Alexandra Bertl sowie Dr. Michael Rapp, CSU-Orts- und Kreisvorsitzender, Stellvertreter des Landrats und Murnauer Altbürgermeister.

Speziell bei Rapp dürften viele ganz genau hingehört haben. 2020 stehen immerhin Kommunalwahlen ins Haus, und es wird – wohl auch, weil sich bei der CSU bisher kein anderer möglicher Kandidat zeigt – im Ort anhaltend darüber spekuliert, ob der Altbürgermeister im Rathaus nicht gerne Nachfolger seines Nachfolgers Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) werden würde. Rapp ging in seiner Rede nicht darauf ein. Auch im späteren Gespräch ließ sich der 64-Jährige auf nichts festlegen. Schließt er eine weitere Bürgermeister-Kandidatur aus? „Ich habe in meinem Leben noch nie etwas ausgeschlossen.“ Diese Frage stelle sich aktuell nicht, „sie liegt momentan an vierter, fünfter Stelle“. Rapp, der in der Rede den Bogen schlug von Europa über Bund, Land und Landkreis bis hin zur Gemeinde, erklärte, der Stil gebiete es, sich beim Thema Kommune zurückzuhalten. Doch Rapp erwartet, dass goutiert wird, was vergangene Generationen an Verantwortlichen, also Verwaltung ebenso wie Gemeinderäte und Bürgermeister, an Erbe hinterlassen haben. Es gebe „so vieles, was in Murnau entwickelt worden ist, was auf die Leistung derer zurückgeht“, die einmal zuständig waren, sagte Rapp und nannte unter anderem die Genese des Kemmelgeländes, die Rückholung des Gemeindekrankenhauses oder das Freihalten von Grundstücken. Und er schloss mit Wünschen – etwa danach, wie er sinngemäß ausführte, dass der Gemeinderat zurückfindet zu mehr Gemeinschaftssinn oder dass die, die das Wort Transparenz in den Mund nehmen, wieder lernen, wie man dieses buchstabiert. Namen nannte er nicht. Im kleinen Kreis sprach Rapp zudem davon, dass „heute Gemeinderäte zu mir kommen und sagen, dass die Stimmung nicht so gut ist“. Dass diese so sei, mache ihn „traurig“. Und: Wenn er Gespräche führe, höre er aktuell nicht den allgemeinen Tenor, „dass man Gemeinderat in Murnau werden will; das ist schade“.

Bezirksrätin Bertl sprach unter anderem über (mehrfach belastete) Frauen, auch in der Politik. „Frauen sollen eierlegende Wollmilchsäue sein“, Familienarbeit brauche mehr Wertschätzung. Quoten lehnt Bertl ab: „Ich will keine Quotenfrau sein.“ Landtagsabgeordneter Kühn thematisierte wichtige Murnauer Großprojekte, wie die Ortsumfahrung im Norden (Westtangente). Das Staatliche Bauamt, so Kühn, werde mit den Gemeinden Murnau und Seehausen im Laufe des Jahres den Planungsprozess vorbereiten. Konkret sei die Behörde dabei zu klären, an welches Planungsbüro der Auftrag vergeben werde.

CSU-Landesgruppenchef Dobrindt würdigte – auch anwesende – ältere Generationen, die dafür sorgten, dass „wir in dieser tollen Zeit leben“. Er stieg ein mit dem Hinweis auf zwei von ihm hochgelobte Filme, die er jüngst gesehen hatte: „Herbstmilch“ und „Ramadama“ von Joseph Vilsmaier. Beide zeigen unverblümt die oft knochenharte Realität früherer Zeiten. Er sei bald 50, sagte Dobrindt (48), „aber ich fühle mich wie 30“. Er appellierte an die Zuhörer, die Europawahl ernst zu nehmen und verwies mit Blick auf den jüngsten Datenskandal auf Risiken der Digitalisierung: „Das Passwort ,1 2 3 4‘ ist nicht sicher, aber es ist das meistverwendete.“

Der Begriff Gemeinschaft bildete die Klammer von Ilse Aigners Rede. Der Einsatz nach den heftigen Schneefällen zeige, „welche Kraft in der Gemeinschaft steckt“, sagte die Landtagspräsidentin. Sie ging unter anderem ein auf die Bedeutung Europas, auf Bayern als Spitzenregion, auf Frieden als Grundvoraussetzung dafür, dass sich ein Land „so entwickeln kann“; und sie betonte die Rolle der CSU beim Aufstieg vom Agrarland zur Spitzenregion.

Silke Jandretzki

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Gedenkkreuz mit Farbspray markiert: Trachtler empört
Anlässlich des Blue Land Trails wurde das Gipfelkreuz am Rauheck bei Ohlstadt mit Farbe markiert. Die Trachtler sind empört. 
Gedenkkreuz mit Farbspray markiert: Trachtler empört
Zott-Projekt in Unterammergau: „Eine Vision wird Wirklichkeit“
Es ist angerichtet: Am Samstag eröffnet Christian Zott in Unterammergau sein Ensemble im Weiherfeld. Und viele Menschen sprechen darüber.
Zott-Projekt in Unterammergau: „Eine Vision wird Wirklichkeit“
Konjunkturflaute: 50 Kündigungen bei Geiger Automotive
Paukenschlag bei Geiger Automotive: Der  traditionsreiche Autozulieferer mit Hauptsitz in Murnau kündigt eine „Restrukturierung“ an - mit 50 Kündigungen an den deutschen …
Konjunkturflaute: 50 Kündigungen bei Geiger Automotive
B 2 zwischen Eschenlohe und Oberau: Arbeiten gehen weiter, Ampelschaltung sorgt für Stau
Die Sperrung der Bundesstraße 2 zwischen Eschenlohe und Oberau ist vergessen. Nun gehen die Arbeiten weiter. Der erste Stau kam am Freitag.  
B 2 zwischen Eschenlohe und Oberau: Arbeiten gehen weiter, Ampelschaltung sorgt für Stau

Kommentare