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Bist zuletzt war im  Nordflügel des alten Gemeinde-Krankenhauses das Rathaus-Provisorium untergebracht.

Die Zukunft der Arbeitswelt

Nordflügel des alten Gemeinde-Krankenhauses: Das passiert mit dem Bereich 

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Lange Zeit wurde in Murnaus Ortspolitik um die Frage gerungen, was aus dem Nordflügel des alten Gemeinde-Krankenhauses werden soll. Nun steht‘s fest.

Murnau – In der Wirtschaftswelt ist immer mehr Flexibilität gefragt. Es verwundert daher nicht, dass Coworking („zusammen arbeiten“) als Arbeitsform der Zukunft boomt – nicht nur in Großstädten, sondern auch auf dem Land. Dabei können Arbeitsplätze mit der kompletten Büro-Infrastruktur tages-, wochen- oder monatsweise gebucht werden. Die dabei entstehenden Netzwerke gibt es gratis dazu.

Coworking ist auch in Murnau gefragt. Die bislang dafür vorgesehenen rund 200 Quadratmeter im Innovationsquartier (IQ) der Marktgemeinde sind gut ausgelastet. Die Nachfrage sei hoch, berichtet Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger, der das Haus federführend managt. Künftig soll dieser Bereich kräftig wachsen und über 600 Quadratmeter Fläche zur Verfügung gestellt bekommen. Der Gemeinderat beschloss nämlich kürzlich mit einer breiten 18:3-Mehrheit, den kompletten Nordflügel dafür zu nutzen. Dort war zuletzt das Rathaus-Provisorium untergebracht. Der Weg zu dieser Entscheidung war steinig. Immer wieder wurde darüber kontrovers diskutiert. Beispielsweise war im Gespräch, in dem besagten Abschnitt Arztpraxen anzusiedeln – ein SPD-Vorschlag, der aber verworfen wurde.

Umzug im kommenden Jahr

Die Volksvertreter verabschiedeten in der Sitzung umfangreiche Vergaberichtlinien für die Coworking-Abteilung. Entscheidend: Dort besteht keine Branchenbeschränkung – im Gegensatz zum IQ-Haupthaus, wo die Kommune vornehmlich Unternehmen und Startups der Kreativszene fördern will. Entsprechend bunt gemischt sind die Coworking-Mieter. Die Bandbreite reicht von der Unternehmensberatung bis hin zur Vermittlung von Pflegekräften. Allerdings gibt es dennoch einige Tabus: Nicht zugelassen sind beispielsweise politische Parteien oder Aktivitäten, die mit Gewinnspielen, Schneeballsystemen oder pornografischen Materialien zu tun haben.

Nächstes Jahr soll die Sparte in den Nordflügel umziehen, allerdings vorerst nur in eine Ebene. Denn wahrscheinlich muss dort vorübergehend auch das Bauamt unterkommen, während dessen Stammsitz an der Schlossbergstraße saniert wird. Laut Bittlinger ist Coworking nicht nur Wirtschaftsförderung, sondern auch ein gutes Geschäft. Schließlich kassiere die Gemeinde Mieteinnahmen. „Das rentiert sich“, sagt er. Derzeit sind es um die 20 000 Euro, künftig sollen es 40 000 bis 60 000 Euro sein. Mit dem gesamten IQ erwirtschafte man im nächsten Jahr voraussichtlich 120 000 bis 140 000 Euro. Bittlinger: „Das ist ein Erfolg.“

Bittlinger erfährt Kritik im Gemeinderat

Dennoch geriet er im Gemeinderat erneut in die Schusslinie. Es wurde moniert, dass er sich zu sehr auf das IQ konzentriere und andere Aufgaben vernachlässige. „Dafür haben wir keinen Wirtschaftsförderer eingestellt“, sagt auf Nachfrage Hauptkritiker und Freie-Wähler-Chef Welf Probst. Bittlinger sei kein Verwalter, sondern sollte sich vielmehr um die heimischen Betriebe kümmern. „In Teilen des Einzelhandels und Handwerks ist er eher unbekannt“, erklärt Probst. Das Zentrum der Kreativbranche könnte auch von der Liegenschaftsverwaltung betreut werden.

In der Sitzung stellte sich Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) schützend vor seinen Mitarbeiter. Es sei wichtig, betonte er, dass der Wirtschaftsförderer einen engen Kontakt zu den IQ-Mietern hält. Denn: „Man erfährt ungeheuer viel über die Unternehmen. Das sind wertvolle Informationen.“

So sieht es auch Bittlinger. Er könne nicht alles auf einmal erledigen. „Ich habe nur eine Stelle und reize diese mit unendlich vielen Überstunden aus.“

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