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Umfahrung Murnau: ÖDP-Kreisverband sieht Straßenbau als letztes Mittel

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Von: Roland Lory

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Nichts geht mehr: Stau in Murnau.
Nichts geht mehr: Stau in Murnau. © Herpen

Der ÖDP-Kreisverband hat ein zweiseitiges Positionspapier zur geplanten Murnauer Umfahrung veröffentlicht. Eine klare Zustimmung oder Ablehnung des Großprojekts ist nicht herauszulesen. Der Grund: Es lägen noch keine konkreten Pläne vor. Unterdessen hat das Staatliche Bauamt vor, die Verkehrsströme zu untersuchen.

Murnau – Befürworter einer Murnauer Umfahrung werden es gerne hören: Bis dato gibt es keine Signale, dass sich an den Planungen etwas ändert. Dies erklärte Werner Hüntelmann vom Staatlichen Bauamt in Weilheim gestern auf Nachfrage. Hintergrund: Am Jahresanfang hatte es geheißen, dass der Bundesverkehrswegeplan auf den Prüfstand kommt. Die Murnauer Umgehung ist darin im vordringlichen Bedarf eingestuft, steht in der Priorität also ganz oben.

Neues Positionspapier

Unterdessen hat der ÖDP-Kreisverband ein Positionspapier zu dem Projekt herausgegeben. Ein klares Ja oder Nein ist nicht herauszulesen. Eigentlich lehnen die Ökodemokraten neue Straßen ab. Im Programm für die Bundestagswahl 2021 stand dieser Satz: „Neubau-, Ausbau- und Planungs-Stopp für Autobahnen und Fernstraßen.“

Die Kreis-ÖDP hat sich in Sachen Murnauer Umfahrung beraten. „Wir wünschen uns ein stimmiges Gesamtkonzept“, fasst der ÖDP-Kreisvorsitzende und Murnauer Bürgermeister Rolf Beuting zusammen. Fest steht für die ÖDP laut Pressemitteilung, dass „derart einschneidende, gewaltige Umgehungsstraßen, wie sie etwa in den Gemeinden Saulgrub und Peißenberg realisiert wurden“, vehement abgelehnt werden. Die Partei stellt klar, dass die ÖDP seit ihrer Gründung im Jahr 1982 grundsätzlich auf „Mobilität mit weniger motorisiertem Individualverkehr, lärmreduziert und ohne zusätzlichen Flächenverbrauch“ setze – „klimaneutral und integriert in eine konsequente Kreislaufwirtschaft. Die Lösung von Verkehrsproblemen kann und darf nicht mehr im Bau von Straßen gesucht werden.“ In Bezug auf Murnau sieht die ÖDP „Straßenbau als letztes Mittel“. Bisher liegen keine konkreten Pläne zum Bau der Umgehung im Norden der Marktgemeinde vor. Somit sei, sagt Beuting, „eine umfassende Bewertung derzeit nicht sinnvoll möglich“. Diese Haltung hatte dem Murnauer Rathauschef im März Kritik der CSU-Fraktion eingebracht. Beuting drücke sich seit Jahren um eine klare Aussage herum. Der Bürgermeister, forderte damals CSU-Fraktionssprecher Rudolf Utzschneider, müsse endlich Farbe bekennen und in enger Abstimmung mit Seehausen ein so wichtiges Thema vorantreiben.

Verkehrsflüsse ermitteln

Bei der ÖDP setzt man zunächst auf die genaue Ermittlung der Verkehrsflüsse – insbesondere von Durchfahrts-/Transitverkehr und Quell-/Ziel-Verkehr im Raum Murnau. Nach Ansicht der Ökodemokraten „ist zwingende Voraussetzung für den Bau einer Umgehungsstraße, dass nachgewiesenermaßen eine massive Entlastungswirkung für das Ortszentrum beziehungsweise den Markt Murnau eintritt, ohne dass dadurch andere Ortsteile unverhältnismäßig stärker belastet werden“.

Sollte es tatsächlich zum Bau einer Umgehungsstraße kommen, müssten nach Ansicht der ÖDP nicht nur Flächenverbrauch und Landschaftseingriffe gering gehalten werden (etwa durch die Verwendung vorhandener Infrastruktur sowie Untertunnelung), sondern auch die bisherigen Durchfahrtsstraßen zwingend verkehrsberuhigt werden. Eine etwaige Umgehungsstraße müsse aus ÖDP-Sicht mit konsequentem Rückbau und Verlangsamung/Beruhigung insbesondere von Weilheimer Straße, Resch- und Kellerstraße einhergehen. Hier seien neue Räume für Radfahrer, Fußgänger und für öffentliches Leben zu schaffen. „Im Sinne von mehr Lebensqualität, weniger Lärm und mehr Sicherheit sollte die bisherige Durchfahrtsstrecke für Transitfahrten unattraktiv gemacht werden“, sagt Beuting. Zu guter Letzt fordert die ÖDP eine frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung und einen Bürgerentscheid am Ende des Prozesses.

Grundwasser kein Problem

Das Staatliche Bauamt Weilheim feilt unterdessen weiter an den Planungen. „Wir sind am Ball“, sagt Hüntelmann. Eine tunnelbautechnische Studie sei kurz vor dem Abschluss. „Nach bisherigen Kenntnissen“ ist es ihm zufolge möglich, unter der vorhandenen Bebauung durchzubohren. Es handle sich um lockeres Gestein. Grundwasser stellt laut Hüntelmann kein Problem dar. Nächster Schritt ist eine Verkehrsuntersuchung. Ein externes Büro soll die Verkehrsströme und auch die Entlastungswirkung einer Tangente untersuchen. Die Ergebnisse sind mitentscheidend für die Variante, die am Ende gebaut wird.

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