Per App oder Telefon buchbar: der Murnauer Ortsbus.
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Per App oder Telefon buchbar: der Murnauer Ortsbus.

Debatte um Murnauer Ortsbus

Omobi: CSU findet Zahlen „bedenklich“

  • Roland Lory
    vonRoland Lory
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Seit gut acht Monaten ist in Murnau der Omobi-Ortsbus unterwegs. Der Probebetrieb ist auf zwei Jahre angelegt. Der CSU-Fraktion bereitet der finanzielle Aspekt Magengrimmen. Nach Angaben von Sprecher Rudolf Utzschneider beträgt der Zuschuss pro Fahrgast und Fahrt 16,66 Euro.

  • Die Murnauer CSU-Fraktion macht den Ortsbus zum Thema.
  • Es geht um aus ihrer Sicht mangelnde Transparenz und die Finanzen.
  • Fraktionschef Rudolf Utzschneider hat ausgerechnet, dass der Zuschuss pro Fahrgast und Fahrt 16,66 Euro beträgt.

Murnau – Am 1. Juli 2020 war es soweit: Murnaus neuer Ortsbus drehte seine ersten Runden. Er kann individuell und komfortabel per App oder Telefon angefordert werden. Doch bereits damals war klar: Das Ganze wird – wie viele ÖPNV-Angebote – ein Draufzahlbetrieb sein. Vergangenen Mai hieß es, dass jedes Jahr Gesamtkosten in Höhe von 350 000 Euro anfallen. Die Gemeinde rechnete mit einem Defizit von rund 200 000 Euro.

CSU äußert Kritik

Mittlerweile haben sich die Nachbargemeinden Riegsee und Seehausen dafür ausgesprochen, beim Omobi mitzumachen. Vor diesem Hintergrund meldet sich CSU-Fraktionssprecher Rudolf Utzschneider zu Wort. Er beklagt mangelnde Transparenz in Bezug auf das Angebot, dass die Murnauer Verwaltung den beiden Nachbarkommunen vorlegte. „Wir haben keinerlei Details“, moniert er. „Wir wissen wirklich gar nichts.“ Im Moment sei es den Gemeinderäten nicht möglich, bei Anfragen von Bürgern oder der Presse qualifiziert zu dem Vorgang zu antworten, schreibt Utzschneider in einer E-Mail an Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). „Teile der Fakten sind deklariert als nicht-öffentlich, andere Teile sind uns schlichtweg nicht bekannt und wir erfahren sie aus der Zeitung.“ Der E-Mail ist ein Antrag angehängt, in dem es um die Veröffentlichung von Beschlüssen geht.

Noch keine Zweckvereinbarung

Bisher gibt es laut Rathaussprecherin Annika Röttinger keine Zweckvereinbarung mit den Gemeinden Riegsee und Seehausen, denn dies bedürfte eines Gemeinderatsbeschlusses. „Es ist damit zu rechnen, dass Verhandlungsergebnisse demnächst in einer Gemeinderatssitzung vorgelegt werden.“ Die Informationen zu den jeweiligen Themen stünden den Mandatsträgern selbstverständlich über das Ratsinformationssystem zur Verfügung.

Draufzahlgeschäft Ortsbus

Doch Utzschneider klagt nicht nur über den aus seiner Sicht mangelhaften Informationsfluss. Ihm bereitet auch das Finanzielle Kopfzerbrechen. Er hat ausgerechnet, dass der Zuschuss pro Fahrgast und Fahrt 16,66 Euro beträgt. Das jährliche Defizit nach Abzug der Fördergelder, die der Freistaat Bayern gewährt, beziffert er auf 135 000 Euro. „Das wird tendenziell mehr, weil die Zuschüsse weniger werden.“ Für Utzschneider steht fest: „Die Zahlen sind bedenklich.“ Röttinger erklärt in puncto Zuschusshöhe pro Fahrgast inklusive staatlicher Fördergelder: „Diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden, da die Zuschusssituation und die Fahrgastzahlen variieren.“

Mit Dieselmotor unterwegs

Utzschneider kann auch keinen Unterschied feststellen, ob ein Taxi fährt oder der Omobi. Er bezweifelt zudem, ob ökologisch mit dem Ortsbus viel gewonnen sei. Der Omobi ist mit einem Dieselmotor ausgestattet. Dazu erklärt Rathaussprecherin Röttinger: „Zur Zeit der Ausschreibung im Sommer 2019 gab es auf dem Markt kein Fahrzeug in dieser Klasse mit einer ausreichenden Batteriekapazität, um zuverlässig von 6 bis 20 Uhr durchzufahren.“ Mittlerweile habe sich das geändert und bei einer erneuten Vergabe eines Auftrages im Jahr 2022 würde dies auf jeden Fall berücksichtigt.

Probst befürchtet Mehrkosten

Verkehrsreferent Welf Probst (Freie Wähler) treiben ähnliche Bedenken um. „Ist es ökologisch, wenn ich eine Person spazierenfahre?“ Niemand melde wegen des Omobi sein Auto ab. Auch Probst hätte gern mehr Informationen von der Verwaltung. Dass sich Riegsee und Seehausen beteiligen wollen, habe er aus der Zeitung erfahren. Er glaubt, dass man in diesem Fall einen zweiten oder gar dritten Bus bräuchte. Und mehr Fahrer. „Dann würde es für uns noch teurer“, befürchtet er. Einen Beitrag zur Verkehrswende stellt der Omobi, dessen Testphase zwei Jahre andauert, in seinen Augen nicht dar.

Seniorenbeirat ist Verfechter

Ein Verfechter des Ortsbusses ist der Murnauer Seniorenbeirat. Der Vorsitzende Rainer Paschen findet: Wenn Mehrkosten entstehen, müssten diese die Gemeinden Riegsee und Seehausen bezahlen. Murnau dürfe nicht darauf „sitzen bleiben“. Auch die Gemeinde Spatzenhausen wurde gefragt, ob sie beim Omobi-Ortsbus mitmachen will.

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