Omobi-Ortsbus Murnau.
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Im Ortszentrum unterwegs: der „Omobi“-Ortsbus.

Öffentlicher Nahverkehr

Kooperation ist besiegelt: Murnauer Ortsbus steuert auch Riegsee und Seehausen an

  • Peter Reinbold
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Das Betriebsgebiet des Murnauer Ortsbusses wird auf Seehausen und Riegsee erweitert. Dies hat der Hauptausschuss entschieden. Künftig wird ein zweites Fahrzeug unterwegs sein.

  • Der Murnauer Ortsbus wird künftig auch Seehausen und Riegsee ansteuern.
  • Der Murnauer Hauptausschuss hat dieser Kooperation zugestimmt.
  • Für eine Debatte sorgten die Kosten, die beim „Omobi“ anfallen.

Murnau – Fast alle finden Omobi gut. Tim Sedlmaier von der Kinder- und Jugendvertretung nennt den Murnauer Ortsbus, der keine Haltestellen ansteuert, sondern per Telefon oder mit dem Smartphone per App gebucht werden kann und der die Fahrgäste fast an der Haustür abholt, eine „Erfolgsgeschichte“. Er sei sehr beliebt, da er digital gebucht werden kann „und einen schnell ans Ziel bringt“. Auch der Seniorenbeirat, den Dr. Brigitte Salmen in der Sitzung des Murnauer Hauptausschusses vertrat, findet in seiner Stellungnahme kaum Kritikpunkte. Er will seit dem Startschuss am 1. Juli eine „beachtliche Resonanz“ festgestellt haben, „nicht nur bei der älteren Bevölkerung“. Angela Koppenhöfer, die den Bus fast regelmäßig nutzt, hat ebenfalls kaum Beschwerden. Sie fordert in einem Schreiben an die Tagblatt-Redaktion allerdings ein zweites Fahrzeug, da sie Mitte April fast eine Stunde auf den Bus warten musste. Auf Nachfrage teilte ihr die Fahrerin mit, das sei dem hohen Personenaufkommen geschuldet.

Vertrag läuft zunächst bis Juni 2022

Nach Auskunft der Gemeinde Murnau, in deren Auftrag Omobi den Ortsbus betreibt, wurden im Februar im Schnitt 53 Bürger am Tag befördert. Ein zweites Fahrzeug wird kommen – allerdings nicht, um die Pünktlichkeit zu erhöhen. Omobi, das Murnauer Startup, das sich auf Mobilitätslösungen spezialisiert hat, schafft einen weiteren Siebensitzer an, weil es in Zukunft neben Murnau auch Seehausen und Riegsee anfährt. Das ist das Ergebnis von Verhandlungen, die Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) mit seinen Kollegen Markus Hörmann (Seehausen) und Jörg Steinleiter (Riegsee) führte. Beide Gemeinderäte haben dem Projekt bereits zugestimmt. „Es waren gute Gespräche“, sagt Beuting. Der Versuch, auch Spatzenhausen ins Boot zu holen, ist vorerst aufgeschoben. Aber nicht aufgehoben. „In Spatzenhausen besteht grundsätzliches Interesse“, sagt Hörmann, der mit dem Nachbarort durch eine Verwaltungsgemeinschaft verwoben ist. Er bezeichnet das Konzessionsthema als „schwierig“. Die Kooperation mit Seehausen und Riegsee, die laut Murnaus Kämmerer Josef Brückner durch einen Vertrag geregelt wird, soll zunächst bis zum 30. Juni 2022 laufen. Beuting würde eine Entwicklung des Murnauer Ortsbusses hin zu einem Blaues-Land-Bus begrüßen. Uffing hat angeblich schon Interesse bekundet, Ohlstadt wohl auch. „Bedarfsgerechte Busse sind die Zukunft“, meint Beuting.

Bierling bereiten Kosten Magengrimmen

Die Expansionspläne des Murnauer Rathaus-Chefs haben mit Sicherheit auch einen finanziellen Hintergrund. Beuting und Brückner hoffen durch eine Ausweitung auf den nördlichen Landkreis das Defizit, das Murnau bislang allein stemmen muss, reduzieren zu können. Der Ortsbus ist wie jeder Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ein Zuschussgeschäft, wenn nicht gar ein Fass ohne Boden. Das sahen auch zahlreiche Gemeinderäte so, gleich welcher Couleur. Besonders gut präpariert zeigte sich Josef Bierling (CSU). Er sei nicht generell gegen das System, „aber die Zahlen bereiten mir Kopfzerbrechen“. Nach seiner Rechnung schießt der Markt pro Fahrgast, dessen Eigenanteil zwei Euro beträgt, 4,70 Euro zu, über die Förderung kämen noch einmal 17,30 Euro. Nach Adam Riese 21,50 Euro. „Die Kostendeckung beträgt gerade einmal sieben Prozent, 93 Prozent sind Zuschüsse. Dauerhaft ist das nicht möglich“, meint Bierling. Fraktionskollege Rudolf Utzschneider schlug in dieselbe Kerbe. „Wir können nicht jede Fahrt mit 20 Euro bezuschussen. Das ist herausragend viel.“ Die Preisgestaltung nannte Welf Probst (Freie Wähler) schwierig. Er befürchtet, dass sich die Kostenspirale weiter drehen wird, sollten weitere Kommunen aufgenommen werden. „Das Gebiet ist groß, da werden auch drei Busse nicht reichen.“

Mehrere kritische Stimmen

Kritik äußerte auch Phillip Zoepf (Mehr Bewegen), der vor allem die Steigerung des Minus von 70 Prozent geißelte. Der Tenor der meisten Wortmeldungen der Vertreter des bürgerlichen Lagers: Wer sich einen Ortsbus leistet, der muss in sich auch leisten können. Felix Burger (SPD) bezeichnete Bierlings Bedenken als „gut, wichtig und richtig“. Und selbst Veronika Jones (Bündnis 90/Die Grünen) sah „viele Kritikpunkte“. Man müsse sich den Probelauf genau anschauen. Sie sieht den Ortsbus aber „als Bekenntnis zur Mobilitätswende“ und als Angebot für die, „die keine Chance haben, mobil zu sein“. Ein ÖPNV sei „immer defizitär“.

Minus steigt

Einzig Michael Manlik (ÖDP/Bürgerforum) scherte aus dem Kreis der Skeptiker aus. Sein Credo: „Der Bestellbus ist ein Erfolgsmodell.“ Man könne sich ihn leisten, man müsse sich ihn leisten. Derzeit beläuft sich der Minusbetrag auf 163 900 Euro, der in den kommenden Jahren voraussichtlich auf 228 900 steigt. Der Anteil, den Murnau zu tragen hat, erhöht sich von 105 900 Euro auf rund 177 000 Euro. Beim Studium des Zahlenwerks, das die Kämmerei den Ausschussmitgliedern zur Verfügung gestellt hatte, deckte Bierling auch noch einen Rechenfehler des Kämmerers auf, den dieser kleinlaut einräumte.

Beschluss nach intensiver Debatte

Am Schluss kam der Hauptausschuss nach intensiver Diskussion überein, das Betriebsgebiet des Ortsbusses auf Seehausen und Riegsee zu erweitern. Das Gremium beauftragte die Firma Omobi mit dem dauerhaften Einsatz eines zweiten Fahrzeugs. Angela Koppenhöfer dürfte es freuen.

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