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Murnauer Gemeinderat hat entschieden: Omobi-Ortsbus fährt weiteres Jahr - Seniorenbeirat und Riegsees Rathauschef enttäuscht

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Von: Rafael Sala, Roland Lory

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Gehört mittlerweile zum Straßenbild: der Murnauer Ortsbus Omobi. 
Gehört mittlerweile zum Straßenbild: der Murnauer Ortsbus Omobi.  © Constanze Wilz

Der Ortsbus Omobi wird auch über den Juni hinaus in den Murnauer Straßen unterwegs sein. Der Marktgemeinderat beschloss am Donnerstag mit knapper Mehrheit eine Verlängerung um ein Jahr. Zur Debatte waren auch drei Jahre gestanden.

Murnau/Riegsee – Er ist beliebt, einfach zu bestellen und auch noch günstiger für die Marktgemeinde, als man gedacht hat. Der Omobi ist ein Erfolgsmodell. Doch die zweijährige Probephase endet Mitte des Jahres. Daher mussten die Marktgemeinderäte am Donnerstag entscheiden, wie es damit weitergehen soll. Das Thema war bereits im Januar auf der Tagesordnung gestanden, doch ein Grundsatzbeschluss wurde vertagt (wir berichteten).

Gut zwei Stunden wurde das Thema am Donnerstag durchgekaut. Das Besucherinteresse war beträchtlich, es gab mehrere Wortmeldungen. Etwa von Paula Sterz, die für den bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund tätig ist. „Dieses On-Demand-System ist ideal“, fand sie. Sehbehinderte seien ohne Omobi „zu Hause festgenagelt“. Sterz warb für eine räumliche und zeitliche Ausdehnung – „bis 23 Uhr mindestens“. Ex-Gemeinderat Guntram Gattner, der als „einfacher Bürger“ sprach, betonte, dass man mit dem jetzigen System „am nächsten an den Bürger“ rankomme, und er ergänzte: „Wir haben als Gemeinde eine soziale Aufgabe“.

Keine drei Jahre

Langer Rede, kurzer Sinn: Der Gemeinderat beschloss, den bestehenden Vertrag mit der Firma Omobi ohne Änderungen um zwölf Monate zu verlängern. Die neu eingestellte Mobilitätsmanagerin des Marktes Murnau soll bis Herbst 2022 ein umfassendes ÖPNV-Konzept für die Kommune vorlegen, in dem verschiedenste Bausteine wie On-Demand-Angebote, liniengeführte (Klein)busse und weitere Elemente wie zum Beispiel Taxiunternehmen untersucht und kombiniert werden. Diesen Vorschlag hatte ein Teil der Grünen-Fraktion gemacht. Er wurde mit 13-Ja-Stimmen beschlossen. Eine Verlängerung um drei Jahre war vorher knapp mit 12:11-Stimmen abgelehnt worden.

Auf Befremden stieß im Gremium der Umstand, dass die Firma Omobi eine Vertragsdauer von mindestens 18 Monaten wollte. Damit werde dem Gemeinderat „die Pistole auf die Brust gesetzt“, monierte Verkehrsreferent Welf Probst (Freie Wähler). Er sah den Anbieter „auf dem hohen Ross“ sitzen.

Clemens Deyerling, einer der Omobi-Geschäftsführer, sagte dem Tagblatt, dass es bei den Verhandlungen mit der Verwaltung und den Bürgermeistern immer um drei Jahre gegangen sei. Ideal findet er den Ein-Jahres-Beschluss selbstredend nicht. Aber er wirft nicht das Handtuch. „Wir haben viel zu viel Spaß, als dass wir das wegen eines halben Jahres scheitern lassen.“ Für das Unternehmen sei ein Jahr Verlängerung allerdings schwierig. Er verweist etwa auf die Angestellten, „die wieder ein unsicheres Arbeitsverhältnis haben“.

Plädoyers für 36 Monate

Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) hatte im Gremium dafür geworben, „für Sicherheit und Verbindlichkeit“ zu sorgen. „Wir können uns als verlässlicher Vertragspartner zeigen.“ Wolfgang Küpper (ÖDP/Bürgerforum) wünschte sich, dass seine Ratskollegen „mutig sind“ und empfahl: „Groß und nicht klein denken“. Auch Klimareferent Dr. Josef Raab (Grüne) plädierte für eine Verlängerung um drei Jahre. Denn: „So ein Projekt braucht vier bis fünf Jahre, um sinnvolle Zahlen und Akzeptanz zu bekommen.“

Doch eine knappe Mehrheit wollte nur ein Jahr verlängern. Einmal mehr wurden die Kosten ins Feld geführt. Auf die gesamte Förderperiode von fünf Jahren gesehen, entstünde dem Markt Murnau mit dem Ortsbus ein Defizit von rund 630 000 Euro. „Es ist eine sehr teure Lösung“, sagte Phillip Zoepf, Fraktionssprecher von Mehr Bewegen. „Es ist unsere Pflicht und Schuldigkeit Fragen zu stellen“ – ohne gleich in die „Böse-Bube-Ecke“ befördert zu werden. Felix Burger (SPD) findet, dass zwei Euro pro Fahrt zu billig sind. „Vier bis fünf Euro müssen es mindestens sein.“ Auch Josef Bierling (CSU) plädierte für eine Anhebung des Fahrpreises. Er empfahl, bis Juni 2023 die „Mängel“ aufzuarbeiten, „um dann ein verbessertes System zu haben“. Aus Sicht von Veronika Jones (Grüne) ist der Ortsbus ein „unabdingbares Werkzeug im Baukasten der Mobilitätswende“. Doch: „Es muss auch wirtschaftlich sein. Wir haben Verantwortung für Steuergelder. Die können wir nur einmal ausgeben.“ Mehrere Räte waren der Meinung, dass man die örtlichen Taxiunternehmen einbinden sollte.

Eine Klientel, für die der Omobi großen Nutzen hat, sind die älteren Herrschaften. Rainer Paschen, Vorsitzender des Seniorenbeirats, ist „überrascht“, dass nur um ein Jahr verlängert wurde. „Ich hatte auf drei Jahre gehofft. Aber es ist nicht zu ändern.“ Er vermutet, dass es in einem Jahr dieselben Debatten geben wird wie zuletzt.

Steinleitner enttäuscht

Überrascht, „wenn nicht zu sagen enttäuscht“, zeigte sich gestern Riegsees Bürgermeister Jörg Steinleitner (Wählergemeinschaft Riegsee). Denn der Wille der Bürger sei „eindeutig“. Steinleitner vermutet, dass in Murnau „parteipolitisches Taktieren“ eine Rolle spielt. Der Beschluss sei „mutlos“. Seit 2021 ist der Ortsbus auch in Riegsee und Seehausen unterwegs.

Die Seehauser Räte hatten kürzlich empfohlen, den Betrieb des Omobi um zwei Jahre zu verlängern. Diese Woche waren dann die Riegseer Kollegen dran. Sie sprachen sich einstimmig dafür aus, dass der Bus, der keine feste Route abfährt, sondern individuell per App oder Telefon abgerufen werden kann, für weitere drei Jahre in Riegsee zum Einsatz kommt. Für Bürgermeister Steinleitner erweist sich das flexible Rufbus-System im nördlichen Landkreis als ein „einziges Erfolgsmodell“. Selten hat man ihn so schwärmen hören wie bei diesem Thema: „Senioren schätzen ihn, Eltern und Kinder schätzen ihn, die Klinik Hochried und die Unfallklinik Murnau bekannten sich jüngst zu dem Bus.“ Und das seien nur einige Beispiele. Erst kürzlich habe ihn eine Gewerbetreibende mit der Bitte angeschrieben, dass der Service bleiben möge. Nicht nur die Menschen im Ort, auch Kunden von auswärts schätzten ihn. Ein leichtes Seufzen konnte sich der Rathauschef allerdings nicht verkneifen, denn der Dienst ist natürlich nicht zum Nulltarif zu haben, sondern kostet auch Riegsee eine ordentliche Stange Geld: „Ja, er ist teuer.“ Für die drei Verlängerungsjahre wären insgesamt rund 43 000 Euro angefallen. Doch erst einmal wird es nur ein Jahr. Denn Murnau hat bei diesem Thema quasi die Hosen an. Oder wie es Deyerling formuliert: „Murnau gibt den Ton an“.

Steigt der Landkreis ein?

Acht Mal fährt der Bus durchschnittlich pro Tag von beziehungsweise nach Riegsee. 2021 sind die Beförderungszahlen laut Steinleitner um 85 Prozent gestiegen – und das trotz Corona. Wenn die Pandemie einmal vorbei ist, erwartet er sich noch einmal einen ordentlichen Schub nach oben. Und es gibt einen Lichtblick: Es kann gut sein, dass eines Tages der Landkreis die Kosten übernimmt. Das ist zumindest die Hoffnung Steinleitners. Er verwies auf Zahlen, die belegen, dass die meisten Fahrten interkommunal seien, verteilt auf Riegsee mit seinen Ortsteilen Aidling und Hagen sowie die Nachbargemeinden Murnau und Seehausen. Damit sei die Finanzierung eine überörtliche Aufgabe: „Der Landkreis wird die Kosten also tragen müssen.“ Das Rufbus-System wurde bereits in den Nahverkehrsplan aufgenommen. Bis der Kreis eventuell einsteigt, wird es dauern. Mindestens zwei Jahre, schätzt Beuting. Und dieser Zeitrahmen sei noch „sportlich“.

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