Machen auf die Spendenaktion aufmerksam: Organist Thomas Walser (sitzend) und Pfarrer Siegbert Schindele.
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Machen auf die Spendenaktion aufmerksam: Organist Thomas Walser (sitzend) und Pfarrer Siegbert Schindele.

Instrument muss saniert werden

Orgel in St. Nikolaus pfeift aus dem letzten Loch

Die Orgel in der Murnauer Pfarrkirche St. Nikolaus benötigt dringend eine Komplettsanierung. Wenn Organist Thomas Wagner ihre Tasten drückt, sind deutlich verschiedene Geräusche zu hören, die auf ihren maroden Zustand hinweisen. Zudem bekommen die Pfeifen wegen eines löchrigen, bereits mehrfach geflickten Blasebalgs nicht genug Luft, was mittlerweile alle Beteiligten zur Verzweiflung bringt.

  • An der Orgel in der Murnauer Pfarrkirche St. Nikolaus nagt der Zahn der Zeit.
  • Eine Sanierung schlägt mit rund 500 000 Euro zu Buche.
  • Die Pfarrei hat eine Spendenaktion gestartet.

Murnau - Der Organist zwängt sich durch eine enge Luke an der Seite der mächtigen Orgel der Murnauer Pfarrkirche St. Nikolaus. Das Rauschen des elektrisch betriebenen Gebläses, das den Magazinbalg mit dem so genannten „Orgelwind“ füllt, ist deutlich zu hören. „Eigentlich dürfte dabei überhaupt kein Geräusch entstehen“, sagt Walser, der im „Stimmgang“ im Herzen des Instrumentes hockt. „Der Winddruck muss eigentlich immer gleich sein. Doch der Balg hat bereits viele Löcher, sodass längst nicht mehr so viel Luft ankommt, wie ich zum Spielen bräuchte.“ Mit einer Hand drückt der gelernte Orgelbauer, der seit drei Jahren für die Pfarrei Murnau tätig ist, eines der größeren Löcher zu, und das Rauschen wird weniger. „Das Problem ist, dass ich die Löcher nicht ohne weiteres flicken kann, weil ich nicht richtig hinkomme“, ärgert er sich. Den Balg, der aus Leder und Gummituch besteht, hat er an den gerade noch zugänglichen Stellen mit Lederflecken notdürftig abgedichtet. „Aber der ist über 50 Jahre alt und hat seine Elastizität längst verloren. Je mehr ich daran flicke, desto mehr Löcher gehen an anderer Stelle auf.“ Um den Balg auszubauen, müsste jedoch die darüber liegende Windlade abgetragen werden, auf der die Pfeifen stehen, bilanziert Walser.

Vieles muss raus

Ein Riesenaufwand, keine Frage. Und teuer dazu. „Das Äußere der Orgel könnte man erhalten, aber alles, was bei der letzten Renovierung 1969 hineingebaut worden ist, sollte herausgenommen und sortiert werden, was noch verwendet werden kann. Da wird bloß nicht mehr viel übrig bleiben“, befürchtet Walser. „Alles andere wird man neu gestaltet werden müssen. Das ist dann keine Sanierung mehr, sondern ein Neubau.“

Es klappert und quietscht

Und er weist gleich noch auf einen anderen Mangel hin: „Die Drähte, die unter den Pfeifen ein Ventil öffnen, bestehen aus Alu und sind in den vergangenen 50 Jahren ausgeleiert. Beim Drücken der Tasten klappert und quietscht es vernehmlich, was vor allem bei Tonaufnahmen sehr lästig ist.“

Keine Zuschüsse zu erwarten

Pfarrer Siegbert Schindele weiß um die Problematik und hat für die Orgel schon vor geraumer Zeit ein Spendenkonto eingerichtet. „Die Orgel neu aufzubauen, würde mit etwa 500 000 Euro zu Buche schlagen“, sagt der Geistliche. „Rund 200 000 Euro haben wir schon gesammelt, aber wir brauchen mindestens 300 000, um den Auftrag an einen Orgelbauer überhaupt herausgeben zu können.“ Von der Diözese und anderen Institutionen sei kein Geld hierfür zu erwarten, bedauert er. „Nach der Renovierung von St. Nikolaus, die jetzt vier Jahre zurückliegt, haben wir gesagt, wir dürfen jetzt nicht schon wieder zum Betteln gehen. Doch nun denke ich, können wir wieder Gas geben und unsere Gemeindemitglieder bitten, uns zu helfen, dieses wunderschöne Instrument für unsere Gottesdienste und Konzerte zu erhalten.“ Schließlich, betont der Pfarrer, sei dies nicht seine oder Walsers Orgel, sondern die aller Gemeindemitglieder.

Jeder Betrag zählt

Verschiedene Aktionen sind mit diesem Ansinnen bereits angelaufen, so hat etwa Gerlinde Führmann aus Hechendorf eine große Anzahl an Stoffmasken genäht, was einige tausend Euro eingebracht hat. Andere kochen Marmelade ein, die zu diesem Zweck verkauft wird. „Auch kleine Beträge zählen“, weiß Schindele. „Jeder Euro ist es wert, in den Opferstock geworfen zu werden.“ Des Pfarrers Fazit: „Dieses Projekt schaffen wir nur gemeinsam. Und schließlich haben wir heuer deutschlandweit das ‚Jahr der Orgel’“.

Heino Herpen

Das Spendenkonto

Die IBAN-Nummer des Orgelkontos der Pfarrei St. Nikolaus lautet DE36 7039 0000 1601 8284 10, die BIC-Nummer ist GENODEF1GAP.

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