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Betreibt den Kramerladen im Freilichtmuseum: Johann Heinritzi.

Neuer Gastronomie-Pächter für die Stadthalle 

Großweiler blitzen in Penzberg ab

Rolle rückwärts: Die Großweiler Wirte Johann Heinritzi und Benjamin Fröhlich bleiben beim Projekt Stadthalle Penzberg draußen vor der Tür. Die Stadt entschied sich kurzfristig für einen anderen Partner.

Großweil– Die Kehrtwende kam für Johann Heinritzi plötzlich und unerwartet. Ende März hatte der Wirt, der in Uffing lebt und den Kramerladen im Freilichtmuseum Glentleiten bei Großweil betreibt, nach eigener Aussage den Vertrag unterschrieben, der ihn zum neuen Pächter der frisch sanierten und erweiterten Penzberger Stadthalle machen sollte. Rund eine Woche später war der Kontrakt keinen Pfifferling mehr wert.

Der Stadtrat, der sich im Dezember noch mit knapper Mehrheit für Heinritzi und den Großweiler Wirt Benjamin Fröhlich („Fröhlichs Wirtshaus“) ausgesprochen hatte, hatte in nichtöffentlicher Sitzung entschieden, den Vertrag nicht zu unterzeichnen. Die Verhandlungen hätten sich seit vergangenem Dezember hingezogen, hieß es. Im März, so die Stadt, habe sich herauskristallisiert, dass sich Fröhlich aus familiären Gründen aus dem Projekt zurückziehen wolle. Heinritzi wäre damit alleiniger Pächter geworden. Der Stadtrat, heißt es in der Rathaus-Mitteilung weiter, habe bei seinem Beschluss im Dezember aber „genau diese Doppelbesetzung als einen ganz zentralen Punkt festgehalten“; die veränderte Ausgangslage veranlasste die Kommune zum Handeln.

Sie zauberte auch gleich einen neuen Wirt aus dem Hut: In der selben Sitzung erhielt Rudolf Schall den Zuschlag. Der Pachtvertrag mit Schall sei „von beiden Seiten unterzeichnet und rechtskräftig“. Bürgermeisterin Elke Zehetner bestätigte, dass Schall im Dezember neben Heinritzi und Fröhlich in der engeren Wahl gestanden war. Als sich im März abzeichnete, dass Fröhlich nicht unterschreibt, habe man bei Schall nachgefragt. Er bat sich Bedenkzeit aus, sagte dann aber zu.

Heinritzi betont, dass sich ohne Fröhlichs Signatur „in der Praxis nichts geändert“ hätte. Sein Partner, den er für die Küchenorganisation eingeplant hatte, wäre als externer Berater mit von der Partie gewesen, „der Umfang wäre der gleiche geblieben“, erkärte er gestern auf Tagblatt-Anfrage. Heinritzi deutet an, dass das Wirtschaftsgutachten einer Beratungsgesellschaft, das man einholte, eine Rolle spielte bei der Entscheidung, Fröhlich nicht als Wirt in den Vertrag aufzunehmen. Das plötzliche Aus relativ kurz vor der geplanten Stadthallen-Eröffnung bedeutet für Heinritzi, dass er auf Kosten sitzen bleibt und rund 200 Arbeitsstunden praktisch für den Papierkorb leistete.

Und nun? Fröhlich wird sich weiter auf sein Großweiler Gasthaus konzentrieren, das er seit 2009 betreibt und das in jedem Fall sein Hauptstandbein geblieben wäre. „Hier hätte sich sowieso nichts geändert, ich wäre in Penzberg ja im Hintergrund geblieben“, sagt Fröhlich, der mit Heinritzi weiter gut auskommt. „Das wäre aber eine tolle Sache gewesen.“ Fröhlich findet im Rückblick: „Das ist alles ein bisschen komisch abgelaufen.“

Johann Heinritzi weiß dagegen noch nicht genau, was die berufliche Zukunft bringen wird. Seit 22 Jahren betreibe seine Familie den Kramerladen im Freilichtmuseum – zuerst seine Mutter Maria, mittlerweile steht der Sohn in der Verantwortung. Aktuell wird an der Glentleiten, einer Einrichtung des Bezirks Oberbayern, ein neues Eingangsgebäude errichtet, mit dem eine Umstrukturierung des gastronomischen Angebots einhergeht. Im Zuge der neuen Gaststätte, die zum Saisonstart 2018 eröffnen werde, gebe es auch neue Verträge, sagt Heinritzi. „Aber den haben wir noch nicht“, auch Details kenne er keine. Bei ihm bestehe grundsätzlich das Interesse, den Kramerladen auch künftig zu führen, so Heinritzi. Aktuell wisse er jedoch noch nicht, wie genau es weitergehe.

Wolfgang Schörner und Silke Jandretzki

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