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Startklar für den Ortsbus: (v. l.) Clemens Deyerling (Firma Omobi), Bürgermeister Rolf Beuting, Robert Schotten (Omobi) und Umweltreferent Philipp Zehnder. 

Neue Wege im öffentlichen Nahverkehr

Pilotprojekt in Murnau: Ortsbus auf Bestellung

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Die Marktgemeinde Murnau geht im öffentlichen Nahverkehr völlig neue Wege: Heuer im Sommer startet ein Ortsbus, der keine feste Route abfährt, sondern per App oder Telefon flexibel gerufen werden kann. Die zweitgrößte Landkreis-Kommune nimmt mit diesem Projekt eine Vorreiterrolle ein.

Murnau – Murnau leidet enorm unter dem zunehmenden Autoverkehr – und investiert daher in umweltfreundlichere Alternativen. Dazu zählt neben dem Ausbau des Rad- und Fußwegenetzes auch die Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Die Einführung eines Ortsbusses steht schon seit Längerem auf der Wunschliste ganz oben. Am 1. Juli ist es endlich so weit: Dann nämlich fällt der Startschuss für ein ambitioniertes Konzept, das in dieser Form in Oberbayern einzigartig ist und daher als Modellprojekt gehandelt wird, das in vielen weiteren Gemeinden Nachahmung finden könnte.

Das Besondere daran: Der neue Ortsbus der Staffelsee-Gemeinde klappert nicht mehr wie andernorts üblich wenige Haltestellen nach einem starren Fahrplan ab, sondern kann mithilfe einer App auf dem Smartphone oder per Telefon bestellt werden. „Damit liegen wir genau im Trend der Zeit“, findet Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), der die Pläne im Zuge eines Pressegesprächs im Rathaus vorstellte. Eine Garantie, dass das Ganze auf breite Akzeptanz stößt, gibt es allerdings nicht. Der Rathauschef ist dennoch optimistisch: „Ich gehe davon aus, dass das gut laufen wird.“

Das System, das am ehesten mit einem Sammeltaxi vergleichbar ist, macht sich die fortschreitende Digitalisierung zunutze: Zum Einsatz kommt eine ausgeklügelte Software, die im Hintergrund läuft und das Transportmittel intelligent steuert. Ein Algorithmus erkennt, wo man sich befindet, und berechnet bei jeder Buchung, welche Route die beste ist und wie Fahrten zusammengelegt werden können. Einsteigen kann man dann an rund 200 Abholpunkten. Bezahlt wird beim Fahrer in bar oder elektronisch. Für Beuting liegen die Vorteile auf der Hand: Leerfahrten gehörten damit der Vergangenheit an. Und: „Wir können alle Ortsteile erschließen.“ Mittelfristig könnte man auch die Nachbargemeinden mit ins Boot holen.

Nach einer Ausschreibung erhielt die in Murnau ansässige Firma Omobi den Zuschlag, den besagten Ortsbus zu betreiben. Das Startup-Unternehmen mit Sitz im Innovationsquartier – an der Spitze stehen die beiden Geschäftsführer Clemens Deyerling und Robert Schotten – ist in der zukunftsträchtigen Mobilitätsbranche aktiv. Deyerling ist davon überzeugt, dass dieses Konzept gerade im ländlichen Raum funktioniert. „Wir kämpfen darum, dass es ein Erfolg wird.“ Los geht’s mit einem Mercedes-Kleinbus, der täglich von 6 bis 20 Uhr unterwegs ist. Ein zweiter kann bei Bedarf hinzugenommen werden.

Einziger Wermutstropfen: Das Angebot gibt es nicht zum Nulltarif. Kosten in Höhe von 320 000 Euro pro Jahr stehen im Raum. Es wird zwar Geld eingenommen (zwei Euro pro Person und Fahrt), und der Freistaat stellt großzügige Zuschüsse in Aussicht. Aber Murnau wird auf einem Defizit sitzen bleiben. Maximal 270 000 Euro sind dafür heuer im Haushalt vorgesehen. „Der ÖPNV ist immer ein Zuschussgeschäft“, sagt Beuting. Aber der Pkw-Verkehr verschlinge auch Geld – etwa in Form der öffentlichen Tiefgaragen.

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