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Darum dreht sich der Streit: der Kiosk „Platzl am See“.

Pläne für Kiosk „Platzl am See“ in Murnauer Bucht

Kampf mit harten Bandagen

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Bürgermeister Rolf Beuting gerät mit seinen Neubauplänen für einen Kiosk in der Murnauer Bucht gewaltig in die Schusslinie – und versucht, seinen Gegnern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die rüsten jedoch rhetorisch auf.

Murnau – Was aus dem Kiosk „Platzl am See“ in der Murnauer Bucht werden soll, mag keine Schlüsselfrage der Ortsentwicklung sein. Dennoch hat sich daran ein politischer Streit entzündet. Die Kontrahenten von Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) fahren schwere Geschütze auf: In einem gemeinsamen Leserbrief an die Redaktion werfen die beiden Fraktionssprecher Regina Samm (CSU) und Welf Probst (Freie Wähler) dem Rathaus-Chef vor, sich über den Willen des Gemeinderats hinwegzusetzen.

„Leider haben wir es schon öfters erlebt, dass der Bürgermeister den Gemeinderat abstimmen lässt, aber schließlich nicht das Ergebnis umsetzt, sondern für sich etwas anderes daraus macht“, schimpfen sie. Es stelle sich die Frage, „ob wir nicht alle fehl am Platz sind? Einige Austritte aus dem Gemeinderat sind wohl erst der Anfang?“

Samm und Probst spielen auf Beutings Pläne für den besagten Kiosk an, der der Kommune gehört und verpachtet ist. Zur Erinnerung: Das Holzgebäude ist in die Jahre gekommen – und das Landratsamt stellte Mängel fest. Es wurde vor allem moniert, dass die hygienischen und baulichen Voraussetzungen für das teilweise gaststättenähnliche Geschäft mit Biergarten nicht gegeben seien. Beuting plädiert für einen Neubau – in seinen Augen die beste Lösung für den touristisch wichtigen Standort am Staffelsee-Ufer. Die Verwaltung erarbeitete einen entsprechenden Vorschlag. Doch mit diesem Vorstoß – es wurde bereits ein Architekturbüro mit Planungen beauftragt – zog der ÖDP-Politiker Kritik auf sich. Einige Gemeinderäte fühlen sich übergangen, weil ursprünglich nur von einem Rückbau der Anlage die Rede gewesen sei.

Dies räumte Beuting kürzlich auf Tagblatt-Nachfrage ein, fügte aber hinzu, dass dennoch im aktuellen Haushaltsplan das Geld für einen Neubau eingestellt worden sei. Die Beratungen über den Etat 2017 fanden im Oktober des vergangenen Jahres statt.

Mit der Aussage Beutings sind Samm und Probst nicht einverstanden: „Damit suggeriert der BGM (Bürgermeister, Anm. d. Red.) der Allgemeinheit, dass damals ein Neubau eines Kiosks besprochen wurde. Das ist falsch. Diese Aussage ist nicht richtig“, schreiben sie. Der Gemeinderat habe „keine großen Investitionen“ gewollt und sich daher für einen „Rückbau auf Kosten des Betreibers“ ausgesprochen. Daher sei in den Haushaltsberatungen die Frage aufgekommen, „warum dann noch 200 000 Euro eingestellt werden“. Daraufhin habe Beuting, so Samm und Probst weiter, lediglich darauf verwiesen, „dass wir uns ja um vernünftige Toiletten bei der Anlegestelle des Staffelseeschiffes kümmern wollen“.

Die Situation ist verwirrend: Im Protokoll der Verwaltung über die Haushaltsdebatte steht zwar nichts über einen Neubau – dafür im verabschiedeten Haushaltsplan, der alle Einnahmen und Ausgaben des Marktes regelt. Darin ist explizit von einem „Neubau Kiosk“ die Rede – für die genannten 200 000 Euro. Und auch in der Auflistung „Wesentliche Projekte des Investitionsprogramms 2017“ taucht ein „Ersatzbau für Kiosk in Murnauer Bucht“ auf. Was gilt jetzt? Rückbau oder Neubau?

Beuting gibt sich indessen diplomatisch – und mahnt zur Deeskalation. Auf erneute Tagblatt-Nachfrage teilte er am Freitag mit, dass auf Wunsch des Bauausschusses nun auch ein Sanierungsvorschlag für das Bestandsgebäude erarbeitet werde. „Das ist aus meiner Sicht völlig in Ordnung“, sagt er. Die Gemeinderäte erhalten demnach zwei Varianten vorgelegt. Das Gremium habe in den vergangenen Monaten gezeigt, dass es zu einer „sachorientierten Zusammenarbeit“ fähig sei, erklärt das Gemeinde-Oberhaupt. „Damit haben wir gemeinsam große Fortschritte erzielt. Diesen Weg sollten wir nicht verlassen.“

Das Protokoll: 

Über die Kiosk-Diskussion im Zuge der Haushaltsberatung (26. Oktober 2016) steht in der Niederschrift der Verwaltung folgendes: „GRM Bierling möchte auch wissen, wieso 200 000 Euro für den Kiosk am Strandbad veranschlagt worden seien, nachdem ein Rückbau beschlossen worden sei. Marktkämmerer Süß antwortet, dass zusammen mit dem Landratsamt die Möglichkeiten geprüft worden seien und mit dem vorhandenen Gebäude wäre nur ein eingeschränkter Betrieb (Getränkeausgabe nur noch in Flaschen usw.) erlaubt. GRM Probst ist der Meinung, dass es günstiger wäre, einen Imbisswagen aufzustellen. Marktbaumeister Tworek erläutert die Rückführung zum Kiosk. Es handle sich um eine Zwischennutzung.“

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