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Brauerin mit Herz und Seele: Victoria Schubert-Rapp, Juniorchefin bei Karg in Murnau. 

Macho-Sprüche machen ihr nichts aus

Plötzlich Brauerei-Chefin! Karg-Juniorchefin behauptet sich in einer Männerdomäne

Sie hat es gewagt: Victoria Schubert-Rapp hat ihre beruflichen Pläne über Bord geworfen und ist in den Familien-Betrieb eingestiegen - und bereut den Schritt auf keine Weise.

Murnau – Dass manchmal alles anders kommt als geplant, hat auch Victoria Schubert-Rapp erlebt, die zunächst Lehrerin werden wollte. „Nach dem Abi am Murnauer Gymnasium 2001 gingen alle zum Studieren“, erinnert sie sich. „Da habe ich eben auch diesen Weg gewählt und mich fürs Lehramt eingeschrieben.“ In Augsburg hat sie dann Sport und Englisch studiert. „Aber mein Englisch war zu schlecht. Und das, obwohl meine Mama Engländerin ist…“, sagt Schubert-Rapp und lacht. Ein Problem, das ihr Leben ändern sollte. Denn die junge Frau wollte ihre Sprachfähigkeiten verbessern und ging für ein Dreivierteljahr nach London. Genauer gesagt: In eine Brauerei, zu der ihr Vater, Franz Schubert und Chef der Brauerei Karg, den Kontakt geknüpft hatte. „Mein Englisch wurde dann auch wirklich schnell besser. Aber die Liebe zum Brauerhandwerk kam durch…“ Und so wurde sie statt Lehrerin kurzerhand Juniorchefin bei Karg in Murnau.

Zum 100-jährigen Jubiläum der Brauerei im Jahr 2012 hätte der Vater den Betrieb eigentlich schließen wollen. Doch dann kehrte Victoria aus London zurück und sagte: „Ich übernehme!“ Riesenfreude beim Vater, könnte man denken. Doch die fiel zunächst verhalten aus: „Er hat sofort daran gedacht, dass es für eine Frau nicht so leicht sein würde, sich in dieser Männerdomäne zu behaupten. Er wollte mich halt schützen – wie Eltern das so zu tun pflegen…“ Doch die Tochter setzte sich durch und absolvierte die BWL-Schule bei Doemens in Gräfelfing, um sich das nötige betriebswirtschaftliche Wissen anzueignen. Das Brauen hatte sie ja in England schon gelernt. Eine Ausbildung zur Bier-Sommelière ergänzte die Palette. Und so war die sympathische junge Frau, die soviel Energie und Lebensfreude ausstrahlt, bestens gerüstet für den Job im Familienbetrieb, den deren Großvater 1912 gegründet hat. „Bedenken, ob ich mich durchsetzen kann, habe ich gar nicht in meinen Kopf gelassen“, erklärt sie. „Und noch habe ich ja meinen Vater an meiner Seite. Bis jetzt ist mein Leben traumhaft!“ Dass sie sich mit Macho-Sprüchen konfrontiert sieht, kommt zwar durchaus vor. „Wos: Brauerin bist? Jo, konnst du des überhaupt?“ Doch da steht Schubert-Rapp drüber. Weil sie weiß, dass sie’s kann. Und die Menschen, auf deren Meinung es ankommt, wissen es auch.

Neuer Aufgabenbereich dazukommen

Ihr Arbeitstag beginnt in der Früh um sieben. Die beiden Kinder, drei und fünf Jahre alt, bringt ihr Mann, Sebastian Rapp, Sohn von Murnaus Altbürgermeister Dr. Michael Rapp und Lehrer am Murnauer Gymnasium, später in den Kindergarten. Dann steht die Tagesorganisation an: Wer von den Mitarbeitern ist da, kann also eingesetzt werden, wer fährt was wohin? Im Raum München bis Mittenwald beliefert Karg die Kunden selbst; vier Lieferwagen sind dafür im Einsatz. Die anderen Abnehmer in ganz Deutschland werden von einem Spediteur angefahren. Ständig klingelt das Telefon; die Juniorchefin bringt das nicht aus der Ruhe.

Ihre spontane Herzlichkeit vermittelt sich nicht nur denen, die mit einem Anliegen vorbei kommen, sondern auch den Anrufern. Bis mittags geht das so; dann verlässt sie das Büro und widmet sich der Familie. Da die Mutter mit ihr gemeinsam im Büro arbeitet, lässt sich das meist gut organisieren. In den Brauprozess ist Schubert-Rapp derzeit nicht eingebunden; das erledigen der Vater und ein weiterer Braumeister. „Die brauchen mich dafür nicht. Und obwohl ich es wirklich liebe, selbst zu brauen, ist es auch gut, dass ich mich voll um die Geschäftsführung und den Kundenkontakt kümmern kann.“ Als Jurorin ist die junge Frau ebenfalls unterwegs: Sowohl beim „European Beer Star“, der in Gräfelfing ausgetragen wird, wie auch beim World Beer Cup in den USA ist ihre Meinung gefragt. Sie schätzt dabei vor allem den Austausch mit Kollegen aus aller Welt, aus dem sie immer wieder neues Wissen mit nach Murnau bringt. Mit Saisonbeginn auf der Glentleiten ist für Karg ein weiterer Aufgabenbereich hinzu gekommen: Die Murnauer betreiben die dortige Schaubrauerei. Und während am Stammsitz nur Weißbier produziert wird, brauen sie dort Helles, Dunkles und wechselnde Spezialbiere. „Es läuft hervorragend. Wir könnten dort mehr Bier verkaufen, als wir derzeit haben.“ Zumal auch der Kontakt zu den Pächtern der Gastwirtschaft bestens ist: Die Schwinghammers, die auch die Hörnle-Hütte betreiben, sind mit den Schuberts lange bekannt.

„Wer viel Sport treibt und sich gesund ernährt, dem schadet auch ein Bier nichts.“

Die legendäre Bier-Bank, auf der der damalige US-Präsident Barack Obama 2015 im Rahmen des G7-Gipfel saß und aus einem Weißbierglas von Karg trank, wird aus dem kleinen Biergarten der Murnauer Gastwirtschaft wohl demnächst auf die Glentleiten umziehen. Dass Obama damals entgegen des Anscheins keinen Alkohol im Glas hatte, lässt ihn voll im Trend liegen: „Alkoholfreies Bier wird verstärkt nachgefragt“, bestätigt Schubert-Rapp. „Die Leute sind gesundheitsbewusster, müssen auch mehr mit dem Auto fahren.“ Wie sich Biertrinken auf die Gesundheit auswirke, das hänge vor allem mit dem sonstigen Lebenswandel zusammen, meint die Brauerin: „Wer viel Sport treibt und sich gesund ernährt, dem schadet auch ein Bier nichts.“ Sie selbst ist – gertenschlank und vital – wohl der beste Beweis für diese These.


Sabine Näher

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