Geplantes Polizei-Schulungszentrum in Murnau

„Kleine Festung“ öffnet wohl nicht vor 2021

Es ist ein Großprojekt, das mehrere Millionen Euro verschlingen wird. Nun war der geplante Neubau eines Schulungszentrums der Polizei Thema im Murnauer Bauausschuss. Eine Eröffnung vor 2021 erscheint unwahrscheinlich.

Murnau – Der Grundstücksdeal datiert bereits von 2014. Damals erwarb der Freistaat Bayern eine 2600 Quadratmeter große Nachbarfläche der Polizeiinspektion von der Murnauer Grundstücks-Verwaltungs GmbH, einer Tochter der Kommune. Doch der geplante Neubau eines polizeilichen Schulungszentrums im Kemmelpark zieht sich. 

Das Projekt war zwar jetzt Thema im Bauausschuss. Allerdings werden heuer sicher nicht mehr die Bagger anrollen. Denn in Bezug auf das Zentrum, in dem 500 Beamte aus mehreren Landkreisen geschult werden sollen, sind noch einige Hürden zu nehmen. So muss der Haushaltsausschuss des Landtags die Sache noch prüfen. Das könnte Ende 2018 passieren, wegen der Wahlen vielleicht aber auch später. „Wir wissen nicht, wie schnell das alles genehmigt wird“, sagt Peter Aumann. Der stellvertretende Leiter des Staatlichen Bauamts in Weilheim denkt, dass der Baustart sicher nicht vor Herbst 2019 erfolgen wird. Bis die ersten Beamten in Murnau trainieren, wird es seiner Schätzung nach 2021 sein. Das Gebäude soll südlich der Polizei-Inspektion errichtet werden. Die Baukosten waren im Vorjahr auf 7,4 Millionen Euro geschätzt worden.

Nun waren also die Marktgemeinderäte am Zug. Das Staatliche Bauamt hatte mehrere Abweichungen vom Bebauungsplan beantragt. Eine bestand in der Überschreitung der Grundflächenzahl. Diese legt fest, welcher Anteil eines Areals überbaut werden darf. Zur Begründung hieß es, dass ein ursprünglich im Hof geplanter Trainingsplatz jetzt eingehaust werden soll.

Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) zeigte Verständnis für das Anliegen des Staatlichen Bauamts, obwohl die Grundflächenzahl „bisher sehr strikt angewendet“ worden sei. Da es angesichts der veränderten Bedrohungslage im Land höhere Sicherheitsanforderungen an Polizeieinrichtungen gebe, sei der Antrag nachvollziehbar. Die Pragmatiker im Rat schlossen sich an mit der Begründung, dass sie eine größere Bebauung langfristig nicht verhindern könnten, also könne man auch gleich dafür sein. Gegen vier Stimmen wurde schließlich die Grundflächenzahl 0,46 genehmigt. Aumann spricht von einer „marginalen Überschreitung“. Damit kann die Grundfläche des Gebäudes um 180 Quadratmeter vergrößert werden und somit fast 1400 Quadratmeter betragen.

Abgesegnet wurde zudem eine höhere Einfriedung. 1,80 Meter sind in dem Gebiet zulässig, gewünscht wird vom Bauamt, das die Federführung bei dem Projekt hat, aber ein 2,50 Meter hoher „Polizeizaun“. Die Ausschussmitglieder simmten zu, legten aber Wert auf die Feststellung, dass ein Polizeizaun ein Zaun sei, keine Mauer. Da das neue Gebäude aus betrieblichen Gründen an das bestehende Gebäude angebunden werden muss, müssen dazwischen stehende Bäume gefällt werden. Dafür sollen Ersatzpflanzungen vorgenommen werden. Dagegen hatte der Rat nichts einzuwenden. 

Da das Gebäude ein Flachdach bekommen soll, schlugen einige Räte dessen Begrünung vor. Das Aussehen des Zweckbaus war aber nicht Gegenstand der Beratungen. Ein Mitglied des Bauausschusses meinte, das Objekt sehe aus „wie eine kleine Festung“. Mit den Worten „Dann schauen wir dem Bauvorhaben mit Hoffnung entgegen“ beendete Beuting die Diskussion.

Alfred Schubert und Roland Lory

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